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FCB stolpert in Thun - Wachmacher zum richtigen Zeitpunkt

Der FCB verliert mit 2:3 in Thun und kann nicht mehr Wintermeister werden – kein Beinbruch, aber ein Wachmacher sollte es sein. Denn vor der Pause stehen noch drei wichtige Partien an. Laut Trainer Yakin kam die Niederlage vielleicht gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Sebastian Wendel
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Die Entscheidung: Thuns Ngamukol (Nr. 9) knallt den Ball zum 3:2 ins Basler Tor.

Die Entscheidung: Thuns Ngamukol (Nr. 9) knallt den Ball zum 3:2 ins Basler Tor.

Peter Schneider/key

Es war angerichtet für den Sturm auf Platz zwei. Sion und die Grasshoppers teilten am Samstag die Punkte, 1:1 endete gestern auch die Partie zwischen St. Gallen und Luzern. Ein Sieg in Thun, und der FC Basel wäre vom vierten auf den zweiten Tabellenplatz gehüpft und hätte im letzten Vorrundenspiel gegen St. Gallen sogar noch die Chance auf den inoffiziellen Titel des Wintermeisters gehabt.

Zweite Halbzeit verschlafen

Es kam anders. «Weil wir es in der zweiten Halbzeit verpasst haben, Fussball zu spielen», nannte Trainer Murat Yakin den Hauptgrund für die 2:3-Niederlage im Berner Oberland. Tatsächlich, erst in der 86. Minute fand die erste Torchance des FCB im zweiten Abschnitt Aufnahme in die Notizblöcke. David Degen schlug eine perfekte Flanke zur Mitte, wo plötzlich Fabian Frei heranrauschte und den einschussbereiten und deutlich besser postierten Marco Streller mit einem überhasteten Kopfball um den möglichen Führungstreffer zum 3:2 brachte.

Statt in Führung lag Basel knappe zwei Minuten später in Rückstand. Nach einem Freistoss von Thuns Schirinzi mutierte der Strafraum des FCB zum Flipperkasten, in dem nur Anatole Ngamukol den Überblick behielt. Technisch gekonnt legte der den Ball mit der rechten Sohle auf den linken Fuss und drosch ihn an Goalie Sommer vorbei unter die Latte.

Sechs weitere hektische Minuten, in denen David Degen aus dem Gewühl heraus an den Pfosten schoss, verstrichen, dann stand der Überraschungssieg für das Heimteam fest.

Und dieser tut dem angeschlagenen FC Thun richtig gut. Am Dienstag legte Bernard Challandes das Traineramt nieder, weil er ein negatives Vertrauensvotum der Spieler erhielt – so zumindest die offizielle Version. Challandes Assistent Mauro Lustrinelli übernahm, Worte fielen keine mehr. Die Klubleitung verpasste den Spielern und Lustrinelli einen Maulkorb. Gestern nach dem Schlusspfiff durfte er wieder sprechen. «Die Mannschaft hat eine richtige Reaktion mit Herz gezeigt», sagte Lustrinelli. Zum Moralschub kommt der schöne Nebeneffekt, dass Tabellenschlusslicht Servette nach dessen Sieg beim FCZ auf Distanz gehalten werden konnte.

Zu offensiv

Murat Yakin hatte im Vorfeld davor gewarnt, dass nach den hohen Siegen gegen GC (4:0) und Lissabon (3:0) die Partie in Thun die schwierigste von allen Dreien sei. Anders ausgedrückt: Sie war ein Charaktertest gegen einen deutlich schlechter klassierten Antipoden.

Zu sagen, der FCB hätte ihn nicht bestanden, wäre zu hart. Dafür spielte er in der ersten Halbzeit zu gut – wobei dies nur für die Offensive gilt. Denn jeweils unmittelbar vor den Toren von Fabian Frei zum 1:1 (32.) und Marco Streller zum 2:1 (39.) machte Goalie Sommer mit seinen Paraden beste Thuner Chancen zunichte. Für Trainer Yakin hatte das Basler Spiel einen zu starken Offensivcharakter. «Die Einstellung war gut. Aber von jedem ein Spürchen mehr Defensivdenken hätte uns heute gut getan», sagte er. Ngamukols frühes 1:0 (3.) hätte aber auch die beste Abwehr der Welt kaum verhindern können. Der Hammer vom rechten Strafraumeck war schlichtweg grossartig.

Noch drei wichtige Spiele

Die Niederlage, so Yakin, komme nach sechs Siegen in Serie vielleicht zum richtigen Zeitpunkt. «Wir haben gegen St. Gallen, in der Europa League in Genk und im Cup in Locarno noch drei wichtige Spiele.»

Nach denen der FCB in der Super-League-Tabelle zwar «nur» noch auf Rang zwei steigen könnte, sich aber Sechzehntelfinalist der Europa League und Viertelfinalist des Schweizer Cups nennen könnte. «Das würde ich sofort unterschreiben», sagt Captain Marco Streller.