Die Begegnung im Raclette-Zelt vor dem Stade de Tourbillon findet am Samstag, 4. August 2012 statt. Ein denkwürdiger Fussballabend ist soeben zu Ende gegangen, der FC Sion und der FC Basel haben sich 1:1 getrennt, das Spiel musste wegen eines heftigen Gewitters sogar für 15 Minuten unterbrochen werden.

Dank einer gemeinsamen Bekannten treffen sich FCB-Präsident Bernhard Heusler und Geoffroy Serey Die inmitten der Walliser Raclette-Gesellschaft. Und tauschen einige Worte aus.

Im Gespräch mit Heusler lässt Serey Die beiläufig durchblicken, dass der FCB für ihn dereinst eine sehr reizvolle Aufgabe darstellen würde. Für den Fall, dass die FCB-Verantwortlichen diesen innigen Wunsch vergessen hätten, tätigt Serey Die im Herbst noch einige Telefonate. Am 13. Dezember 2012 gibt der FC Basel den Transfer von Serey Die bekannt. Fast drei Monate später ist klar: Der mittlerweile 28-jährige Ivorer ist ein Glücksgriff, wohl der beste Basler Transfer seit Alex Frei. Serey Die ist bereits der dominierende Stratege im FCB-Mittelfeld. Am Sonntag beim 3:0 gegen YB leitete er mit einem Ballgewinn und einem feinen Zuspiel auf Valentin Stocker das entscheidende zweite Tor ein. Damit krönte er seine vor allem in der zweiten Halbzeit hervorragende Leistung.

Eine Bereicherung für Basel

Es erstaunt nicht, dass Serey Die dieser Tage von allen Seiten Lob erhält. Captain Marco Streller sagt: «Wir wussten von Anfang an, dass er ein sehr guter Transfer ist. Aber dass er gleich so dominant auftritt, ist natürlich schön.» Trainer Murat Yakin erklärt: «Er hat sich dank seiner unbekümmerten Art schnell eingefügt und sich schon früh für einen Stammplatz aufgedrängt.» Sportdirektor Georg Heitz imponiert und überrascht vor allem die Konstanz von Serey Dies Leistungen. Präsident Heusler schliesslich sagt: «Serey Die ist menschlich und sportlich eine
Bereicherung für uns. Seine Auftritte sind bemerkenswert.»

«In Sion war immer Theater»

Die starken Leistungen von Serey Die werden auch international zur Kenntnis genommen. So hat er ein provisorisches Aufgebot für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste erhalten. Am 22. März steht das Qualifikationsspiel gegen Gambia auf dem Programm. «Serey Die hätte einen Einsatz mehr als verdient», sagt Heitz. «Wir hoffen sehr, dass er auch im definitiven Kader fungiert.»

Nun ist es nicht so, dass Serey Die beim FC Sion nur für positive Schlagzeilen gesorgt hätte. Er hatte den Ruf eines Rüpels. In der letzten Saison ohrfeigte er in Lausanne einen Ball-Buben. Er gemahnt wohl nicht nur wegen seiner Frisur, sondern auch wegen seiner Extravaganz an Milan-Star Mario Balotelli.

Deshalb sagt Serey Die: «Ich hoffe inständig, dass ich die Leute in Basel, die an mich glauben, nicht enttäusche.» Doch wirkliche Selbst-Zweifel plagten ihn nie, denn er kannte die Gründe für seine zeitweiligen Ausraster: «In Sion war immer Theater neben dem Platz. Deshalb habe ich ab und zu die Nerven verloren.»

Davon ist in Basel bisher nichts zu sehen. «Wir haben viel mit Serey Die gesprochen», sagt Sportdirektor Heitz, «und ihm klargemacht, dass wir von ihm einen kühlen Kopf
erwarten.»

Entsprechend stolz ist Geoffroy Serey Die, dass er sämtliche vier Spiele in der Super League ohne gelbe Karte überstand. Die drei Verwarnungen in der Europa League (deshalb fehlt er am Donnerstag in St. Petersburg) sind da höchstens Schönheitsfehler.

Apropos Kopf: Seine blonden Haare färbt Serey Die spätestens dann rot-blau, wenn der FCB auf dem Barfüsser-Platz den Meistertitel feiert.