Fussball-Randale

FCB-Ultra demoliert Polizeiauto – 16 Monate bedingt

Ein Baselbieter Polizeiauto wurde bei Krawallen nach dem Spiel FC Basel gegen den FC Zürich im April 2016 zerstört. Der Angeschuldigte erhielt nun eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Ein Baselbieter Polizeiauto wurde bei Krawallen nach dem Spiel FC Basel gegen den FC Zürich im April 2016 zerstört. Der Angeschuldigte erhielt nun eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Der erste Akteur der Randale vom April 2016 nach dem Fussballspiel FCB-FCZ ist der Sachbeschädigung und des Landfriedensbruchs schuldig gesprochen worden: Das Baselbieter Strafgericht gab dem heute 20-jährigen Aargauer eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten.

Es waren ausserordentlich wilde Randale nach einem Spiel im St. Jakob-Park zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich: Im April 2016 lieferten sich Matchbesucher und die Polizei eine regelrechte Schlacht auf der Eventplattform vor der Muttenzerkurve. Soweit man überhaupt Tatverdächtige ermitteln konnte, sollen die Fälle bald in Basel-Stadt vor Gericht landen (siehe Box). Gestern wurde im Strafgericht in Muttenz lediglich der Teil jenes Tages aufgearbeitet, der sich auf Baselbieter Boden abgespielt hatte.

Bereits 2014 gewalttätig

Dort spazierte eine Horde von ungefähr 65 Personen über den Parkplatz vor der St. Jakobshalle, einige davon demolierten ein Polizeifahrzeug. Eine Überwachungskamera des Parkhauses zeichnete das Geschehen auf, die Aufnahmen reichten wegen der beschränkten Bildqualität für eine Identifizierung allerdings nicht aus. Die Bilder wurden gestern im Gerichtssaal in Muttenz vorgespielt: Die Meute spaziert relativ ruhig über den Parkplatz, einige Personen beschädigen die Scheiben, schliesslich wirft eine Person offenbar Pyrotechnik in das Fahrzeug. Allerdings ist auch zu sehen, wie jemand einen Pyro-Artikel aus dem Wagen entfernt und hinterher wegwirft. Der Spuk dauert nur wenige Sekunden.

Erwischt hat man von der Truppe nur eine Person: Die DNA eines heute 20-jährigen Mannes aus Rheinfelden klebte an einem Stein, mit dem eine Seitenscheibe des Fahrzeuges eingeschlagen worden war. Er ist kein Unbekannter: Im April 2014 war er dabei, als ein Mob von FCB-Anhängern eine Gruppe FCZ-Fans verfolgte und ihnen in Muttenz mit Gewalt die Fanartikel abnahm. Da der Jüngling aus Rheinfelden zum Tatzeitpunkt erst 16 Jahre alt war, kümmerte sich die Aargauer Jugendanwaltschaft um den Fall: Dort gab es einen Schuldspruch wegen Raubes, dieses Urteil ist rechtskräftig.

Danach ging es auf die Galapagos-Inseln, in einem Tierschutzprojekt kümmerte er sich um die Aufzucht von Schildkröten. Ansonsten arbeitete er in einem Callcenter und betreibt Krafttraining und Kampfsport. Kurz nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er dann am Match im April 2016 dabei. «Ich habe gesehen, wie ein Polizist einem Fan ins Gesicht geschossen hat. Dieser hat sein Auge verloren.

Das hat mich schwer schockiert», sagte der heute 20-jährige Mann. Danach habe er vom Stadion wegwollen und dann beim Polizeiauto den Stein geworfen. «In dem Moment hat es sich ein Stück weit für mich als richtig angefühlt. Aber im Nachhinein ist mir klar, dass das keine Lösung ist», meinte er. Er betonte auch, zwischen diesen beiden Vorfällen habe er nur wenig mit FCB-Spielen zu tun gehabt. Und er hätte sich auch nie vorstellen können, dass jemand dann noch eine Fackel ins Polizeiauto werfe.

«Fahrzeug nicht völlig zerstört»

Das Dreiergericht verurteilte ihn wegen Landfriedensbruchs sowie Sachbeschädigung mit grossem Schaden zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf Bewährung. «Sie sind im Mob mitgegangen, Sie wussten, was Sache ist. Sie sind ein Hooligan, auch wenn Sie das nicht gerne hören. Wo Nutella draufsteht, ist auch Nutella drin», kommentierte Gerichtspräsidentin Monika Roth das Urteil. Der Mann hat soeben eine Lehrstelle begonnen, dies erspart ihm wohl eine unbedingte Strafe.

Unklar bleibt die Schadenhöhe, das Tiefbauamt forderte 92 000 Franken für das demolierte Polizeifahrzeug. «Das Fahrzeug war nicht völlig zerstört», argumentierte Verteidigerin Manuela Schiller. Das Gericht verwies die Forderung auf den Zivilweg. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In Münchenstein wurde an jenem Tag auch ein Verkehrspolizist angegriffen und verletzt. Wie Michael Lutz von der Baselbieter Staatsanwaltschaft bestätigt, hat man die Täter bis heute nicht erwischt.

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