Zwischennutzungen
FDP-Grossrat Schäfer: Staat soll Zwischennutzungen nicht verordnen

In Basel gibt es viele Beispiele für erfolgreiche Zwischennutzungen. Entstanden sind sie auf Initiative von Kreativen. Zunehmend will nun aber der Staat Zwischennutzungen von oben verordnen. Das passt nicht allen.

Nicolas Drechsler
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Erfolgreiche Zwischennutzung: die Lady-Bar an der Feldbergstrasse 47.

Erfolgreiche Zwischennutzung: die Lady-Bar an der Feldbergstrasse 47.

Kenneth Nars

Zwischennutzungen sind seit einigen Jahren in aller Munde. Kaum steht eine Fläche oder ein Gebäude frei – sei es am Hafen, im Dreispitz oder an der Feldbergstrasse – wird der Ruf nach einer sinnvollen Nutzung für die Zeit bis zu einer definitiven Neunutzung laut. In und um Basel gibt es zahlreiche Beispiele von hervorragend funktionierenden Zwischennutzungen. Das oft von Politikern zitierte Kronjuwel ist dabei das Gundeldingerfeld, wo sich kommerzielle Betriebe, gemeinnützige Angebote und kulturelle Kleinode etabliert haben und ein eigentliches neues Zentrum des Quartiers entstand. Dabei handelt es sich aber streng genommen um eine Umnutzung, denn hier wurde kein Ende vereinbart. Philippe Cabane, NT-Areal-Betreiber und Experte für Nutzungsentwicklung, meint deshalb auch: «Den Begriff Zwischennutzung verwenden wir nicht mehr so gerne, denn er suggeriert, es handle sich um einen Lückenbüsser.»

Schwierigkeit bei Umsetzung

Das Thema Zwischennutzungen krankt an einem grundlegenden Problem, nämlich der Befristung: Die Besitzer von Parzellen, auch wenn es sich dabei um den Staat handelt, wissen aus langer, teilweise kostspieliger Erfahrung, dass es schwierig ist, die Zwischennutzer wieder von ihrem Grund und Boden wegzubekommen. Auch wenn zu Anfang klar ein Nutzungsende vereinbart wurde.

Trotzdem ist in jedem grösseren Bauplan eine Zwischennutzung zumindest als Möglichkeit erwähnt. Zwischennutzen sei aber mehr als auf eine Bühne klettern und ein Konzert geben, erklärt Cabane: «Eine Plattform zu bespielen ist einfach, der Aufwand, sie einzurichten und zu unterhalten, wird oft unterschätzt.» Und die Nutzung benötigt eine gewisse Zeitspanne. Als Faustregel gelten drei bis fünf Jahre, die eine Zwischennutzung braucht, um das investierte Kapital wieder einzuspielen und einen Gewinn abzuwerfen. Denn diese Nutzungen sind die Business-Modelle der Kreativwirtschaft. Beispiele wie die erste Saison der City-Beach, die Lady-Bar oder der Hinterhof zeigen: Zwischennutzungen können gut gehende Geschäfte sein, die sich in einem umkämpften Markt behaupten müssen. Das kann, wie die letzte Saison der City-Beach zeigte, auch schiefgehen.

Staat, Kreative und ein Hafen

Schwierigkeiten gibt es immer wieder, so zuletzt am Hafen, wo im Mai, nach langem Hin und Her, Zwischennutzungen ihren Betrieb aufnehmen werden. Das liege unter anderem auch an einer neuen Herangehensweise, sagt Cabane: Wo früher locker organisierte Netzwerke von Kreativen Entwicklungsarbeit betrieben, versucht man heute, Zwischennutzungen von oben zu planen. Dieser Versuch, kreatives Schaffen staatlich zu organisieren, wurde im Grossen Rat kritisiert. Dass der Staat einen Rahmen stecke, sei sinnvoll, nicht aber, dass er auswählt, wer wie zwischennutzen darf. Kultur-Aktivist und FDP-Grossrat Elias Schäfer fasste die Lage im Parlament so zusammen: «Der Staat kann Zwischennutzungen nicht.» Dagegen plädiert Philippe Cabane, der am Prozess im Hafen mitwirkte, für Verständnis: «Die Schwierigkeit für den Staat, wenn dieser steuernd eingreifen will, liegt in den Strukturen. Der Staat ist hierarchisch organisiert und folgt klaren Regeln und Normen. Dagegen entfalten sich Zwischennutzungen in lose organisierten Netzwerken.» Hier gelte es, gute Schnittstellen zu erfinden und zu etablieren, was in anderen europäischen Städten bereits mit Erfolg gemacht worden sei.