Listenverbindungen sind nur mathematische Zweckgemeinschaften. Das neuste Beispiel dafür: Gestern um 10 Uhr fanden die Medienkonferenzen von FDP und LDP gleichzeitig statt, aber nicht gemeinsam. Eine terminliche Absprache mit dem Bündnispartner wurde im Vorfeld unterlassen, wie Vertreter beider Parteien der bz bestätigen.

Die Wahlkampfleitung der FDP bemerkte am Mittwoch, dass sich die beiden Anlässe im Weg stehen. Auch der LDP kam der Lapsus erst in der zweiten Wochenhälfte zu Ohren – obwohl die beiden Termine noch vor den Sommerferien fixiert wurden. Wohlverstanden: Es ist nicht etwa so, dass Terminkollisionen in einer Stadt wie Basel ungewöhnlich wären. Aber die beiden liberalen Parteien schneiden sich ins eigene Fleisch. Damit nicht genug: Als sprichwörtliches Sahnehäubchen auf die bürgerliche Terminkollision setzte auch die SVP für gestern um 10 Uhr eine Medienkonferenz an, um zwei kantonale Volksinitiativen vorzustellen.

Doch zurück zu den Liberalen: Die LDP findet für die anderen Bürgerlichen harte Worte. Sie kritisiert die CVP wegen ihres Bündnisses mit der GLP. Und der FDP wirft sie gar Kampagnenklau vor. Der Grund: Die FDP benutzt in ihrer Wahlwerbung einen roten Stempel mit dem Aufdruck «Das liberale Original». Das passt der LDP nicht. So schreibt Fraktionspräsidentin Christine Wirz in der LDP-Zeitschrift «Liberal»: «Dieser Stempel wurde aus unserer letzten Kampagne abgekupfert!» Gegen das Plagiat wehrt sich die LDP: Ihr rosaroter Stempel ziert nun das Wort «origineller». Ein Seitenhieb an die Schwesterpartei FDP.

LDP hats auf FDP-Sitz abgesehen

Einer der möglichen Gründe für die Schlammschlacht: Um der FDP einen Sitz wegzuschnappen, braucht die LDP rund 2500 mehr Wähler gegenüber 2011. Möchte sie hingegen der SP oder den Grünen einen Sitz wegschnappen, müsste sie doppelt so viele zusätzliche Wähler gewinnen. Kurz: LDP-Top-Kandidat Christoph Eymann holt den FDP-Sitz oder gar keinen. Eymann hat einige Trümpfe im Köcher, zum Beispiel seine Erfahrung. Er war schon zehn Jahre lang Nationalrat, von 1991 bis 2001. Konkurrent Daniel Stolz hat drei Jahre Erfahrung und wurde nicht direkt gewählt. Er rutschte 2012 für den verstorbenen Peter Malama nach, der jeweils viele parteifremde Stimmen erhielt. Bei Malamas letzter Wahl kamen 49,6 Prozent der Stimmen von Wählern anderer Parteien.

Der Pluspunkt von Stolz ist natürlich sein Status als Bisheriger. Politisch betonte er gestern zwei Themen: «Es ist von enormer Bedeutung, dass wir eine Offensive für den Wirtschaftsstandort Schweiz lancieren. Das muss die Hauptpriorität für die nächste Legislatur sein.» Das zweite grosse Ziel von Stolz: Die Sozial- und Gesundheitspolitik nicht den Linken zu überlassen. Stolz sieht sich als liberalen Gegenpol zu Bundesrat Alain Berset: «Berset ist ein kluger Magistrat, aber auch ein Sozialist. Es gibt wirklich gar nichts, was er nicht über den Staat regeln möchte.»

Erziehungsdirektor Eymann möchte sich im Nationalrat für eine Stärkung des Bildungswesens engagieren – als Antwort auf den starken Franken, der derzeit viele Wirtschaftszweige schwäche, so Eymann. Viele Positionen von FDP und LDP ähneln sich: weniger Regulierungen, mehr Selbstbestimmung und eine sichere Altersvorsorge. Wo liegt der Unterschied? Dazu LDP-Wahlkampfleiter André Auderset: «Wir müssen keine Rücksicht auf eine Landespartei nehmen und konzentrieren uns auf die kantonalen Interessen.» Er sieht auch inhaltliche Nuancen: «Die FDP ist viel staatsgläubiger als wir.»

Stadt-FDP wirbt im Baselbiet

Der zweite FDP-Kandidat Christian Egeler wählte für den Wahlkampf eine neue Waffe: Seine Wahlplakate stehen dieses Jahr auch auf stadtnahem Baselbieter Boden. Und in den nächsten Tagen ist die FDP für ihren Wahlkampf mit einem Kaffeemobil unterwegs. Man darf gespannt sein, ob sich dort auch LDP-Politiker einen Umtrunk gönnen.