Die Basler Bürgerlichen leiden unter einem Frauenmangel. Bis 2003 vertrat Christine Wirz-von Planta den Kanton Basel-Stadt als Nationalrätin. Damals wurde die LDP-Politikerin, die 2001 für Christoph Eymann nachgerutscht war, nicht im Amt bestätigt. Bis heute bekleidete keine Basler Bürgerliche mehr ein höheres Amt. Ganz anders sieht es im Baselbiet aus.

In einer bz-Umfrage unter bürgerlichen Politikern der Region ergab sich, dass die unterschiedlichen Gemeindestrukturen ein triftiger Grund für die Unterschiede zwischen den beiden Kantonen sein könnten. «Im Landkanton verdienen sich die Frauen ihre Sporen mehrheitlich auf Gemeindeebene ab», sagt der Basler FDP-Präsident Daniel Stolz. Im Stadtkanton hingegen fehle diese Zwischenstufe. Vielleicht sei genau das das Problem, sagen Stolz und eine Mehrheit der befragten Politiker.

Der Basler CVP-Nationalrat Markus Lehmann hat eine weitere Erklärung: «Männer können sich in der Stadt sicherlich besser profilieren. Frauen sind beispielsweise in Zünften kaum vertreten und daher auch schlechter vernetzt.» Im Baselbiet würden solche Dinge keine Rolle spielen.

Die Baselbieter Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro (FDP) sieht auch Gründe in der jüngeren Vergangenheit: «Im Baselbiet hat das sicher damit zu tun, das beispielsweise die FDP jahrelang gezielt Frauenförderung betrieben hat.» Das zahle sich nun aus.

SVP: Frauen zu harmoniebedürftig?

Wer sich öffentlich für die SVP engagiere, müsse mit negativen Auswirkungen leben können, sagt der Basler SVP-Präsident Sebastian Frehner. «Für Männer ist das natürlich nicht anders, aber sie können offensichtlich länger durchbeissen.» Frauen seien zudem sicher harmoniebedürftiger. Zumindest bei der Basler SVP werde sich der Frauenmangel in Zukunft von selbst erledigen: «Je etablierter eine Partei, desto einfacher ist es, auch Frauen an Bord zu haben. Für unsere Partei wird der Frauenmangel deshalb in zwanzig Jahren kein Thema mehr sein», meint Frehner.

Das ist aber noch ferne Zukunftsmusik, denn vorläufig bleibt alles beim Alten: Für die Regierungsratswahlen am 28. Oktober gibt es keine bürgerliche Kandidatin.