Von der Strasse her ahnt der Passant nicht, was sich im Haus am Leimgrubenweg 6 abspielt. Auch das Schild «Fetih Camii» klärt den Unwissenden nicht auf, dass sich hinter den Mauern eine Moschee befindet. Diese Verborgenheit will Cem Karatekin, Präsident der Basler Muslim Kommission (BKM), jetzt auflösen. «Ich träume von einer Moschee aus Glas, um die Neugier der Leute zu befriedigen und damit alle sehen können, was wir in der Moschee machen und dass wir nichts zu verbergen haben», sagt Karatekin. Die Öffnung der Moschee soll die Vorurteile gegen den Islam abbauen. «Wir machen hier keine Geheimnisse», doppelt Karatekin nach.

Der Tag der offenen Moschee ist ein Weg, Einblicke in die muslimische Kultur zu erhalten. Er findet am 10. September schweizweit statt, um den Islam kennen zu lernen. Auch im Raum Basel öffnen die Moscheen ihre Türen. «Jeder, der sich dafür interessiert, darf reinschauen», sagt Karatekin. Die Fetih-Moschee (siehe Box rechts) hat einen zusätzlichen Weg eingeschlagen, sich in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen: Ein neuer Aufenthaltsraum ist im Bau. Dieser gewährt den Passanten dank seiner breiten Fensterfront Einblicke in die muslimische Gesellschaft.

Nur für Vereins-Mitglieder

Doch mehr als neugierige Blicke dringen nicht in den Saal. «Weil wir keine Restaurant-Lizenz besitzen, sind nur Mitglieder unseres Vereins zugelassen», erklärt Karatekin die exklusive Nutzung des Raums. «Wenn wir Leute von der Strasse hereinbitten, kommen wir mit dem Gesetz in Konflikt.» Dafür sind Besucher in der Moschee willkommen. Es sei ähnlich wie bei anderen religiösen Institutionen: Eine Moschee sei ein Gotteshaus und offen für jeden. «Alle Leute sind willkommen und niemand wird fragen: ‹Was willst du hier?›»

Das Anliegen des BMk, in der Gesellschaft besser wahrgenommen zu werden, erklärt dessen Präsident so: «In den Kantonen Basel-Stadt und Baselland leben rund 23000 Muslime unterschiedlichster Herkunft. Wir sind heute ein Teil der Gesellschaft.» Karatekin kämpft gegen das Paradigma, dass Muslime zwangsläufig Ausländer sind. Denn viele Muslime leben in zweiter oder dritter Generation in der Schweiz. Die Integration sei von der Vollendung aber noch weit entfernt, gesteht er. «Bei manchen Muslimen sind die Wurzeln zur Heimat noch stark. Das geht einen Moment, bis die sich lösen.»

Moscheen sind versteckt

Karatekin arbeitet an der Integration seiner Religionsgemeinschaft. Doch mit Transparenz vertreibt Karatekin längst nicht alle Vorurteile. Akzeptanz und Toleranz gegenüber den Muslimen fehlen weitgehend. Deshalb verstecken sich die meisten Moscheen in den Gewerbegebieten. «Dort wird niemand gestört», sagt Karatekin. Eine Moschee in den Gemeindezentren löse grosse Diskussionen aus. «Wir wollen nicht provozieren.»

Auch die mageren Finanzen lassen den Umzug in die Stadt nicht zu: Bereits der Kauf eines Grundstücks kostet ein Vermögen, das der Fetih-Moschee nicht zur Verfügung steht. Die Finanzen sind denn auch die Ursache, wieso es mit dem Umbau noch harzt. «Eigentlich wollten wir in ein paar Tagen fertig sein», verrät der BMK-Präsident. Doch ausser den Gebetsräumen im ersten Stock sieht alles noch ziemlich unfertig aus. «Wenn jemand wieder Geld für die Baumaterialien aufbringt, können wir weiterbauen», sagt Karatekin. Freiwillige aus dem Umfeld der Moschee erledigen die gesamten Umbauarbeiten umsonst. Entsprechend stolz zeigt er die entstehenden Räumlichkeiten: Aufenthaltsraum mit grosser Küche, Waschbereich für Männer, ein Studierzimmer und zwei mit weichem Teppich ausgelegte Gebetsräume. Von einer Moschee aus Glas träumt Karatekin aber weiterhin.