Energiestrategie
Fernableser, Spion, Stromsparer? – So funktionieren die schlauen Zähler

Das sogenannte «Smart Metering» ist ein Element der Energiestrategie des Bundes, über die im Rahmen der Gesetzgebung demnächst abgestimmt wird. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Ein IWB-Mitarbeiter wechselt Zähler aus.

Ein IWB-Mitarbeiter wechselt Zähler aus.

ZVG

1 Was können intelligente Zähler besser als andere?

Zunächst ermöglicht es den Industriellen Werken Basel (IWB) die Fernablesung. Man muss also keine Zählerstände mehr ablesen und an die IWB schicken. In einem weiteren Schritt können diese Zähler dem Stromkonsumenten den aktuellen Stromkonsum anzeigen. Theoretisch kann ein Zähler auch rückwärts laufen, wenn beispielsweise eine Solaranlage angeschlossen ist.

2 Warum sind diese Geräte für die Energiestrategie von Bedeutung?

Sowohl der Stromverbrauch wie die Stromproduktion schwanken stark. Die bereitgestellte Energie muss aber exakt den Schwankungen des Verbrauchs entsprechen. Deshalb braucht es Pufferspeicher. Überschüssige Energie kann beispielsweise für das Hochpumpen von Wasser in Speicherseen verwendet werden.

Sie kann aber auch vom Stromkonsumenten beispielsweise für Wärmepumpen oder fürs Aufladen von Auto-Akkus verwendet werden. Aber dazu muss der Konsument (oder der Zähler) wissen, wie die Lage auf dem Strommarkt ist. Das Ein- und Ausschalten kann automatisch gesteuert werden, entsprechend den heute schon bestehenden Rundsteueranlagen für Boiler etc. (Tag- und Nachtstrom).

3 Wird damit Strom gespart?

Die Ersparnis hält sich in Grenzen. Ein Pilotprojekt der Centralschweizerischen Kraftwerke von 2011 bis 2013 ergab, dass Haushalte mit Smart Meter gegenüber einer Vergleichsgruppe mit herkömmlichen Zählern einen Verbrauchsrückgang von rund drei Prozent aufweisen. Aber die Verbrauchsspitzen können reduziert werden. Das geschieht jedoch erst, wenn Tarife Anreize für Lastverschiebungen schaffen.

4 Und wie sieht die Bilanz finanziell aus?

In der Schweiz wäre eine flächendeckende Einführung von Smart Metern aus volkswirtschaftlicher Sicht rentabel. Dies zeigt eine im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) durchgeführte Untersuchung. Für die Erstellung und den Betrieb der zentralen und dezentralen Smart-Metering-Infrastruktur müsse im Zeitraum 2015 bis 2035 mit Nettomehrkosten (Mehrkosten abzüglich Kosteneinsparungen) von 0,83 Milliarden gerechnet werden.

Diesen Nettomehrkosten stünden Stromeinsparungen bei den Endkunden und Einsparungen bei den Geschäftsprozessen der Elektrizitätsversorgungsunternehmen von 1,26 bis 1,68 Milliarden gegenüber. Das bringe also im Zeitraum 2015 bis 2035 einen gesamten Nettonutzen von 0,43 bis 0,85 Milliarden Franken.

5 Ist das Einrichten von smarten Stromzählern nicht teuer?

Nach Einschätzung der IWB werden die Infrastrukturkosten im Netz durch den Einsatz von Smart Metern nicht wesentlich steigen: Erstens sind die Smart Meter heute schon technischer Standard und damit in der Beschaffung nicht wesentlich teurer als die bisher eingesetzten konventionellen Zähler. Zweitens ist die Installation nicht aufwendiger als bei konventionellen Zählern.

Die IWB wechseln pro Jahr rund 5000 Stromzähler im Rahmen von Um- und Neubauten und periodischen Überprüfungen aus. Kosten werden anfallen, wenn der Kunde spezielle Dienstleistungen bestellt, wie etwa die private Online-Kontrolle des Verbrauchs.

6 Smart Meter könnten erkennen, wenn ein «Stromfresser» eingeschaltet wird, heisst es. Selbst den Fernseher könne er ausspionieren und feststellen, welcher Sender eingeschaltet ist.

Solche Rückschlüsse seien beim IWB-System nicht möglich, weil die Leistung über einen Zeitraum von 15 Minuten erfasst und zusammenaddiert würde, versichern die IWB-Verantwortlichen. Dieser gemittelte 15-Minuten-Verbrauch ergibt den sogenannten Lastgang, der am Folgetag von den IWB fern-abgelesen wird. Der Lastgang macht die tageszeitlichen Schwankungen des Stromkonsums sichtbar.

Der kantonale Datenschützer hatte die IWB-Stromzähler bereits vor vier Jahren abgesegnet. Die Daten des Lastgangs werden pseudonymisiert erhoben. Die Aufhebung der Pseudonymisierung erfolgt aber nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden. So kann der Kunde sein individuelles Verbrauchsverhalten analysieren und optimieren.

7 Wie funktioniert diese «Spion-Technik»?

Verschiedene TV-Programme brauchen wegen der schwankenden Helligkeit unterschiedlich viel Strom. Diese Mikro-Stromschwankungen können mit dem Verbrauch eines zweiten TV-Apparats verglichen werden. Der Datenspion braucht dann nur noch die Verbrauchsprofile der Sender zu vergleichen.