Defizit

Fertig gewartet: Das Kunstmuseum Basel soll handeln

Dem Kunstmuseum Basel fehlen 2,6 Millionen Franken jährlich.

Dem Kunstmuseum Basel fehlen 2,6 Millionen Franken jährlich.

Seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus fehlen dem Kunstmuseum Basel 2,6 Millionen Franken jährlich. Der frühere Roxy-Direktor will, dass das finanziell angeschlagene Haus Bilder verkauft – ein Tabubruch.

Josef Helfenstein, der Direktor des Basler Kunstmuseums, fand klare Worte für die finanzielle Situation seines Hauses. Seit der Eröffnung des Erweiterungsbaus sei diese aufgrund der Fehlkalkulationen «dramatisch». Es fehlen für den Betrieb 2,6 Millionen Franken jährlich.

Lösungen für das strukturelle Defizit werden in der Kulturpolitik kaum diskutiert. Oswald Inglin (CVP), Präsident der Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rates, sagt: «Bevor die entsprechenden Grundlagen und Informationen vorliegen, äussere ich mich nicht.»

Während die Basler Politiker auf die Strategie warten, preschen Kulturschaffende bereits mit ersten Ideen vor, wie das Kunstmuseum zu sanieren ist. Der frühere Theater-Roxy-Direktor Christoph Meury ärgerte sich in der letzten Ausgabe der «Schweiz am Wochenende» in einem Leserbrief über das «grundsätzlich falsche Konstrukt» des Kunstmuseums. Die Mäzene machten die Vorgaben, die Budgetvorgaben würden dabei locker überschritten. «Offensichtlich gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Steuerzahler die Kostenüberschreitungen übernehmen», schreibt Meury.

Er schlägt deshalb vor, dass das Kunstmuseum in den Kunsthandel einsteigt – zumindest «punktuell», wie er auf Nachfrage sagt. Die Millionengewinne von Kunsthändlern und Galerien zeigten, dass sich in dieser Branche viel Geld verdienen liesse. «Warum kann das Kunstmuseum den Mehrwert, welcher durch die Ausstellungen im Museum erzeugt wird, nicht in irgendeiner Form abschöpfen oder verwerten?»

Vage Zustimmung in der Politik

Mit seinem Vorschlag fasst Christoph Meury ein heisses Eisen an. Im Museumsgesetz ist verankert, dass die Gegenstände der Sammlungen «unveräusserlich» sind. Über Ausnahmen entscheidet der Regierungsrat auf gemeinsamen Antrag der betreffenden Museumsdirektion, der betreffenden Museumskommission und des Rektorats der Universität. Zudem gibt es einen internationalen Ehrenkodex unter den Kunstmuseen, wonach sie die Finger vom Kunsthandel lassen sollen.

Für eine Lockerung des kantonalen Gesetzes finden sich aber in Basel offenbar erste Sympathisanten. Offenbar wurde Meurys Idee in der Kommission bereits diskutiert. Inglins Kommissionskollege Joël Thüring (SVP) steht der Idee Meurys beispielsweise offen gegenüber.

«Ich denke, dass dies im Rahmen der Museumsstrategie geprüft werden könnte.» Das Museumsgesetz liesse sich schliesslich auch ändern. Ohnehin ist Thüring der Ansicht, dass es bei den Museen «keine Tabus» geben dürfe. Der SVP-Grossrat würde sich sogar wünschen, dass eine Auslagerung der staatlichen Museen «vertieft» geprüft wird.

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