Selbstbewusst kündigte «Telebasel» am Freitag in einer Mitteilung sein neues Abendprogramm an, das um 18 Uhr ein neues News-Format vorsieht. Nicht kommuniziert wurde vom Basler Regionalfernsehsender dagegen das Aus für die Sendung «Satire auf Telebasel». Wie mehrere Quellen berichten, wird die Satire-Sendung eingestellt.

Chefredaktor Willy Surbeck spricht gegenüber der «Schweiz am Sonntag» lieber von einer «Denkpause», die Ende November erfolgen wird. Fest steht: Die drei Kabarett-Ensembles Touche ma bouche, Almi & Salvi und Die Hubachers, die abwechslungsweise einmal im Monat die Sendung bestreiten, werden ihre Plattform verlieren.

Als Begründung führt Surbeck an, «dass sich alle nach mehr als vier Jahren zu sehr an die Sendung gewöhnt haben». Dies sei «Gift für Satire»: «Satire muss Handlungs- und Denkgewohnheiten entlarven und infrage stellen.»

Die Betroffenen äussern sich auf Anfrage enttäuscht über das Aus. Roland Suter von Touche ma bouche findet es «natürlich schade», dass die Sendung abgesetzt werde. Es sei mutig gewesen, dass sich «Telebasel» zu dieser Sendung entschieden habe. «Diesen Mut wünsche ich den Verantwortlichen auch künftig: Mögen sie nicht im massentauglich-seichten Sumpf versinken, den wir von anderen Fernsehanstalten zur Genüge kennen.»

Renato Salvi von Almi & Salvi findet es «prinzipiell schade», dass die Sendung eingestellt wird. «Wir sind alle sehr enttäuscht.» Satirisch reagieren Die Hub-
achers. «Für uns und unsere Familien ist eine Welt zusammengebrochen», schreiben sie in einem Mail. Und drohen «Telebasel»: In ihrer letzten Folge würden sie mit dem Sender «brutal abrechnen».

Erstmals wurde das Format «Satire auf Telebasel» im Februar 2009 ausgestrahlt. «Telebasel» wollte eine solche Satire-Sendung schon vor Jahren realisieren, hatte aber die finanziellen Mittel dazu nicht. Das Aus kommt nun nicht überraschend: Die Sendung, die jährlich 145 000 Franken kostet, stiess von Anfang an auf Kritik. Experten wurden nicht warm mit dem Format, vor allem mit den Beiträgen von Almi & Salvi. Als «einfach unterirdisch schlecht» bezeichnete der Zürcher Satiriker Frank Baumann 2009 eine Folge in «20 Minuten». Er sei «aufs Äusserste entsetzt» gewesen.

Der Basler Kolumnist Roger Thiriet schrieb 2010 in der «Basler Zeitung», dass «Telebasel» gefährlich nah der Gürtellinie angesiedelten Klamauk in unbekümmertem Etikettenschwindel als Satire verkaufe. Thiriet ist heute Präsident der Stiftung Telebasel.

Chefredaktor Surbeck dagegen bezeichnet die Sendung, die im öffentlichen Diskurs kaum eine Rolle spielt, als «Kracher». Er räumt aber auch ein, dass es nebst «punktuellen Höchstleistungen» auch Stellen gab, «die man mit wenig Aufwand hätte verbessern können». Eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Sender und Machern hätte manchmal der Qualität gut getan, sagt er.

Michael Birkenmeier vom Theaterkabarett Birkenmeier findet es «immer empörend, wenn eine Satire-Sendung ersatzlos aus dem Programm gestrichen wird». Satire sei eine Form von Wortmeldung, die in jedem Sender ihren Platz haben müsse. «Und zwar gleichgültig, ob sie nun erfolgreich ist oder nicht.» Er fordert, dass «Telebasel» die Satire-Sendung weiterführt. «Satire ist nicht einfach. Aber einfach nicht wegzudenken.»

Doch ob und wie es mit der Satire-Sendung auf «Telebasel» weitergeht, ist unklar. «Die Sendung wird weitergehen, sobald wir uns neu formiert haben», sagt Surbeck und beschwichtigt. Die drei Satire-Formationen Touche ma bouche, Almi & Salvi und Die Hubachers könnten sich ebenfalls für eine Neuauflage bewerben. Für Surbeck steht fest: «Satire hat weiterhin Platz.» Und er meint damit nicht den unfreiwilligen Humor.