François Hollande
Fessenheim-Gegner jubeln noch nicht über die Wahl Hollandes

Nach der Wahl von François Hollande zum französischen Präsidenten zeigen sich die Gegner des baufälligen AKW Fessenheim verhalten optimistisch. Trotzdem gibt es Zweifel, ob der neue Präsident seine Versprechen hält.

Leif Simonsen
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Zuversichtlich sind sie trotz allem, dass mit Nicolas Sarkozy ein grosser Verfechter der Atomkraft von der politischen Bühne verschwunden ist. Und dass beim westlichen Nachbarn mit Hollande ein Mann an die Macht gekommen ist, der im Wahlkampf ankündigte, dass er die Abhängigkeit von Atomstrom senken will. Bis 2025 solle die Kernenergie 50 Prozent statt heute 75 Prozent des französischen Verbrauchs ausmachen. Und das Beste: Hollande hat versprochen, das AKW Fessenheim, das in Grenznähe zur Schweiz steht, als Erstes vom Netz zu nehmen.

Hollandes unklare Aussagen

Und trotzdem: In Jubelstürme brachen die Fessenheim-Kritiker am Sonntag nicht aus. Der Basler Ruedi Rechsteiner, Vizepräsident des Trinationalen Atomschutzverbands (Tras), glaubt erst an das Ende des AKW Fessenheim, «wenn ich es mit eigenen Augen gesehen habe». Denn sein Vertrauen in den neuen französischen Präsidenten ist begrenzt. «Hollande war oft nicht klar in seinen Aussagen», moniert Rechsteiner.

Den früheren SP-Nationalrat stimmt nachdenklich, dass Hollande gemäss neuen französischen Presseberichten vor 2017 nun doch keine Möglichkeit sieht, Fessenheim abzuschalten. «Entweder man nimmt es sofort vom Netz, sonst glaube ich für längere Zeit nicht dran», sagt Rechsteiner.

Seine Begründung: Wenn Fessenheim weiter betrieben werden soll, dann lohnt sich die Renovation für die nächsten fünf Jahre nicht. Und um die kommt das Atomkraftwerk nicht herum: Das französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit hat etwa gefordert, die Bodenplatte des Atomkraftwerks zu verstärken. «Wenn derart viel Geld investiert wird, wird das AKW bestimmt länger als bis 2017 in Betrieb sein», ist er sich sicher. Denn dann befindet sich Fessenheim immer noch mitten in einer Laufzeit.

Atomlobby wehrt sich

Rechsteiner teilt mit den meisten Fessenheim-Kritikern die Bedenken, wonach die Atomlobby auch nach Sarkozy nicht an Einfluss verlieren wird. «Bisher sprach Hollande als Kandidat, jetzt muss er sich als Präsident beweisen», fordert Tras-Präsident Jürg Stöcklin. Und er befürchtet, dass sich Hollande an der starken Atomlobby die Zähne ausbeissen wird. «Sie wird sich gegen eine Schliessung Fessenheims wehren - und sie ist stark», weiss er.

Fraglicher ist, ob die Lobbyarbeit der Fessenheim-Kritiker Früchte trägt. Stöcklin sagt, dass die Tras-Forderungen nach einer Fessenheim-Abschaltung an der nächsten Jahresversammlung bekräftig werden sollen. Die Baselbieter CVP-Landrätin Christine Gorrengourt bezweifelt derweil, dass der Region unter Hollande mehr Gehör geschenkt wird. «Im zentralistischen Frankreich ist das Elsass weit weg», sagt das Vorstandsmitglied des Vereins «Nie Wieder Atomstrom».

So wenig wie die Fessenheim-Kritiker zur Überschwänglichkeit tendieren: Hollande würden sie trotzdem nicht gegen Sarkozy eintauschen wollen. «Die Umstände haben sich mit der Wahl Hollandes stark verbessert», meint Rechsteiner. Und Gorrengourt ist überzeugt: «Ist der Widerstand der Atomlobby gebrochen, kann der Präsident das AKW innert Kürze den Schalter umlegen und das Kraftwerk abschalten. Das geht viel schneller als in der Schweiz.»