Frau Hauser, Sie steuern auf das 10-Jahr- Jubiläum von «Young Stage» zu. Wie fühlen Sie sich?

Nadja Hauser: Aufgeregt und stolz. Ich kann kaum glauben, dass ich das schon seit zehn Jahren tue. Vor allem jetzt, einen Monat vor «Young Stage»-Beginn, kommen langsam die Vorfreude und das Adrenalin auf. Vor dem Jubiläum bin ich besonders angespannt. Wir haben dieses Jahr, zusätzlich zu den Shows im Zelt, ein spezielles Programm mit Outdoor-Shows. Bei denen muss auch das Wetter stimmen. In den letzten Jahren hat sich meine harte Arbeit aber immer ausgezahlt.

Inwiefern?

Es kamen schon Artisten zu mir und steckten mir unter Tränen kleine Briefchen zu, in denen sie sich für alles bedankten. In solchen Situationen merke ich, dass sich meine Bemühungen und die viele Arbeit auszahlen. Ich lebe für die Momente im Zirkuszelt, wenn das Publikum dem Geschehen gespannt folgt. Oft nehme ich mir dann auch Zeit, setze ich mich hin und schaue mir ganz alleine und in Ruhe die Show an. Dann kullern mir meistens die Tränen runter und es stimmt alles für mich.

Sie selbst waren auch mal Artistin. Wieso haben Sie diese Karriere nicht verfolgt?

(lacht) Stimmt! Ich habe meine Jugend beim Quartierzirkus Bruderholz verbracht. Es hat mit dort viel Spass gemacht, für einen kurzen Moment habe ich mir sogar überlegt, eine Profikarriere anzustreben. Am Ende habe ich mich aber gut schweizerisch für einen «richtigen» Beruf entschieden. Wegen meiner Liebe zur Artistik entstand aber «Young Stage». Ich finde, junge Artisten müssen unterstützt werden. Mit «Young Stage» möchten wir den Leuten zeigen, dass der moderne Zirkus etwas Grossartiges ist, etwas Innovatives und Kreatives.

Gelingt Ihnen das bis jetzt?

Auf jeden Fall. Die Leute sind jedes Jahr begeistert von unserem Festival und dem hohen Niveau der jungen Künstler. Ich denke, das Publikum spürt auch, dass sich die Artisten bei uns wohl fühlen und wie gut die Stimmung hinter der Kulissen ist. Die Förderung der Artisten steht für uns an oberster Stelle. Wir tun viel für ihr Wohl. Eine schöne Unterkunft, eigene Physiotherapeuten und Fachworkshops. Sie kommen sehr gerne nach Basel. Einige nennen uns ihre «Swiss Family». Natürlich waren wir am Anfang noch nicht so professionell unterwegs. Das ist aber alles mit der Zeit gekommen.

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Impressionen «Younge Stage» 2015

 

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«Young Stage» ist heute eine grosse, aufwendige Show. Wie schaffen Sie es jedes Jahr, diese auf die Beine zu stellen?

Mein Aufwand ist nach wie vor gross. Nach zehn Jahren weiss ich aber ziemlich genau, wie alles funktioniert und was es kostet. Bei meiner Arbeit gebe ich 150 Prozent und bin sehr perfektionistisch. Ich habe aber auch ein grossartiges Team, das mich unterstützt. Fest angestellt sind zwei Mitarbeiterinnen, die jeweils 40 Prozent arbeiten. Dieses Jahr sind zudem 50 freischaffende Personen für uns im Einsatz. 80 Prozent meiner Tätigkeiten sind Büroarbeiten: Marketing, Kooperationen, Fundraising, Planung. Der Rest der Arbeit ist sehr kreativ. Moderationen schreiben, Artisten casten, Drehbücher schreiben.

Wie bleiben Sie bei der vielen Arbeit und dem Druck kreativ?

Mein fünfjähriger Sohn ist ein grosser Ausgleich für mich. Er ist der grösste «Young Stage»-Fan und sehr stolz, dass sein Mami die Chefin des Festivals ist. Wenn wir am Wochenende Velofahren oder Glacé-Essen gehen, kann ich meinen Kopf durchlüften. Am kreativsten bin ich aber, wenn ich in meiner eigenen Welt sein kann und mich niemand stört.

Wie kriegen Sie Familienleben und Arbeit unter einen Hut?

Das ist tatsächlich die grösste Challenge, die ich jeden Tag bewältige. Natürlich habe ich viel zu tun und reise oft herum, um andere Festivals, Zirkusschulen oder Shows zu besuchen. Ich denke aber, ich habe da eine gute Balance gefunden. Mein Mann federt viel ab. Er ist ja auch sehr engagiert bei «Young Stage» mit dabei und ist mein Back-up. Falls meine Familie unter meinem dichten Programm leiden würde, müsste ich zurückschrauben. Das wäre bei der Grösse, die «Young Stage» mittlerweile hat, aber sicher nicht einfach.

Gibt es auch Tage, an denen Ihnen alles zu viel ist?

Ja, aber das fragt sich wahrscheinlich jeder einmal. Dann hilft es mir, mich in die Stimmung während dem Festival zu versetzen. Ich schaue Videos von den letzten Jahren an, erinnere mich an Begegnungen mit Artisten oder denke an den Moment, bevor die Show anfängt. Diese Nervosität in der Luft und das Kribbeln im ganzen Körper – so kurz vor einer Show könnte man für mich die Zeit anhalten.

Sind Sie mit dem Festival zufrieden, oder warten in Zukunft grössere Veränderungen?

Darüber denke ich viel nach. Für mich ist beides wichtig. Zum einen möchte ich das Festival immer weiter entwickeln und neue Aspekte einbringen. Zum anderen mag ich dieses familiäre Feeling. Ein Artist sagte mir mal, es sei zwar alles sehr professionell, aber trotzdem ein bisschen wie im Pfadilager. Zwar darf das Festival in den nächsten Jahren Stück für Stück wachsen, der Inhalt soll aber nicht darunter leiden. Dieser steht für uns im Zentrum. Unsere Mission ist es, junge Artisten der ganzen Welt zu fördern. So lange ich Direktorin von «Young Stage» bin, wird sich das auch nicht ändern.

Young Stage 11. bis 15. Mai, Das Zelt Basel. Infos unter www.young-stage.com