Die heisse Phase beginnt. In knapp drei Wochen entscheidet die Basler Stimmbevölkerung, ob das Riesenaquarium an der Heuwaage gebaut werden darf – oder nicht. Wer sich noch nicht für oder gegen das Ozeanium entschieden hat, dem soll ein «Ja» jetzt ganz leicht gemacht werden: Die Plakatwände der Stadt sind derzeit zugekleistert mit den Konterfeis zahlreicher Promis, einmal kreuz und quer durchs Basler «Who is Who» geflutscht.

Alle sagen sie «Ja» zum Ozeanium. Da lächeln Grossräte, ehemalige Fasnachtsobmänner, Gastronomen und Kulturunternehmer in die Kamera, ein paar Quoten-Tierärzte, -Naturschützer und -Anwohner auch. Eingebettet in die feuchtfröhliche Welt der Ozeane, umringt von Fischen, Quallen und Kraken, deren Tentakel sich in den Haaren einer hübschen Biologin zu verfangen drohen.

Die Verantwortlichen der Kampagne des Pro Komitees müssen sich wohl gedacht haben: Was bei Kaffee und Clooney, bei Gummibärchen und Gottschalk oder Mobiltelefonie und Federer funktioniert, kann auch mit einem Feuerfisch und -minu klappen. Oder mit einem Schwarm gestreifter Meeresfische und Alt Grossrat Tobit Schäfer. Der Einsatz von Testimonials, das Werben mit Prominenten, ist ein beliebtes Mittel der Werber, um dem Konsumenten ein Produkt schmackhaft zu machen. Berühmtheiten wird laut Experten «eine hohe Durchsetzungskraft als Träger der Werbebotschaft» nachgesagt, denn Bekanntes bewirkt einen stärkeren Sympathieeffekt. Der sich bei mir in diesem Falle allerdings nicht einstellt.

Noch bin ich mir nicht ganz schlüssig darüber, ob es an der missglückten Collage-Kunst liegt (die Tentakel, die Tentakel...) oder den Fotos per se, die mich an den Studio-Groove der 80er-Jahre erinnert, wo man vor beige marmoriertem Hintergrund, adrett frisiert und mit kerzengerader Haltung losgelöst von jeglicher Spontaneität auf ein akzeptables Bild für den Schülerpass hoffte, das aber nie kam, da sich nach dem zehnten Abdrücken Krampfgefühle im Unterkiefer- oder im Nackenbereich einstellten: Man hatte den Kopf leicht zur Seite zu neigen und so zu verharren. Ganz natürlich.

Was aber klar ist: Der Fisch stinkt hier vom Kopf her. Wenn Produkt und Promi nicht zueinander passen, kann das der Marke schaden. Die Testimonial-Strategie funktioniert bei dieser Kampagne nicht. Und hier geht es nicht um den Kauf von Gummibärchen, sondern um ein Riesenprojekt, das zwar privat finanziert, aber das Stadtbild nachhaltig verändern wird.

Ich hätte mir anstelle der lapidar hingeworfenen Botschaften der Promis mehr Inhalt gewünscht, wie es sich etwa mit dem Naturschutz verhält, mit der Tierhaltung, ja auch mit der Berechtigung eines solchen Projekts in einer Stadt, die an einem schönen Fluss liegt, aber beileibe nicht am Meer. Da braucht es ein bisschen mehr Überzeugungskraft als ein verkrampftes Lächeln.