Bummelsonntag
Feuchtfröhliche Jagd auf Verbrecher mit den Basler Bebbi

Die Fasnachtsclique «Basler Bebbi» verbrachte einen letzten Tag«uf dr Gass». Alle Basler Cliquen und Guggenmusiken machen sich am dritten und lezten Bummelsonntag jeweils auf, um ein letztes Mal durch die Strassen und Gassen zu ziehen.

Rolf De Marchi
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Der Tambourmajor der «Basler Bebbi» schreitet energisch voran – bis zum nächsten Zwischenstopp.

Der Tambourmajor der «Basler Bebbi» schreitet energisch voran – bis zum nächsten Zwischenstopp.

Juri Junkov

Eine ausgelassene Stimmung herrschte am späteren Nachmittag im Restaurant des Hotels Klingental im Kleinbasel. Dort trafen sich noch einmal alle Mitglieder der Fasnachtsclique «Basler Bebbi», um am «Ändstraich» des dritten und letzten Bummelsonntages der diesjährigen Basler Fasnacht teilzunehmen. Alle Basler Cliquen und Guggenmusiken machen sich dann jeweils auf, um ein letztes Mal durch die Strassen und Gassen der Innenstadt zu ziehen.

Es ist üblich, dass die Mitglieder der Cliquen und Guggen den Tag über zusammen etwas unternehmen. Viele verbringen den Bummelsonntag ausserhalb von Basel, besuchen eine schöne Ortschaft oder ein Museum im benachbarten Elsass, im Badischen oder in der Schweiz. Andere wiederum bleiben in der Stadt wie etwa die Basler Bebbi, die beschlossen, diesmal etwas für ihre kulturelle Bildung zu tun.

Clique spürt Verbrechern nach

Mit den schönsten Klamotten ausstaffiert trafen sie sich morgens um neun Uhr, um einen Apéro zu nehmen. Anschliessend besuchten sie gruppenweise die Ausstellung «Schuldig – Verbrechen. Strafen. Menschen.» im Historischen Museum oder begaben sich auf einen Stadtrundgang durch das «kriminelle Basel» mit Orten des Verbrechens und Hinrichtungsstätten der Vergangenheit.

«Dass wir uns mit dem Thema Verbrechen und Strafe beschäftigen, ist kein Zufall», meint dazu das Cliquen-Mitglied der Basler Bebbi, Patrice Mercier, «wir hatten dieses Jahr als Sujet für den Fasnachts-Cortège den Prozess und die Verurteilung der Frauenpunkband Pussy Riot in Russland gewählt und dabei kritisch durchleuchtet, sodass der Besuch dieser Ausstellung nahe lag.»

Diesbezüglich erwähnt sei, dass der Auftritt der Basler Bebbi an der Fasnacht 2013 mit einer echten Band, die klassische Punkrockstücke von den Ramones, The Clash oder den Sex Pistols spielte, unter traditionsbewussten Anhängern der Basler Fasnacht einen veritablen Skandal ausgelöst hatte. Die Basler Bebbi sind übrigens eine reine Männer-Clique: «Das ist bei uns so Tradition», meint dazu Mercier, «da sind wir eisern. Dies ermöglicht es uns auch, in unseren Fasnachtssujets heikle Themen anzupacken, die wir in einer gemischten Clique mit Frauen in unseren Reihen nie wählen würden.»

«Bummeln» beim Wort genommen

Nach dem Museumsbesuch dann begaben sich die Basler Bebbi ins Restaurant Klingental, um gemütlich zusammen zu sein, zu essen, zu trinken und ein paar Schnitzelbängge anzuhören. Gegen 17 Uhr schliesslich ging es raus auf den Platz vor dem Restaurant, es wurde noch ein wenig parliert und ein paar vorbeiziehende Cliquen kritisch beäugt und kommentiert. Dann bereiteten die Tambouren ihre Trommeln vor, hängten sie um und auch die Piccolospieler zückten ihre Instrumente.

Schliesslich nahm die Clique auf der Kasernenstrasse Aufstellung, der Tambourmajor hob seinen langen, schwarzen Stock und rief «Gin Tonic, vorwärts, marsch», worauf sich der Trupp in Bewegung setzte. Weitere Märsche, wie die «Retraite» oder der «Elfer», folgten. Vorwärts ging es via Ochsen- und Utengasse in die ehrwürdige Rheingasse, wo – die Mannen waren gerade mal fünfzehn Minuten unterwegs – ein erster Zwischenstopp eingelegt wurde, um im Restaurant Fischerstube die nach dem langen Marsch ausgetrockneten Kehlen erneut zu benetzen.