Wo viel Rauch ist, ist nicht unbedingt viel Feuer: Als die Retter im Oktober 2017 beim Neubau des Tierheims in der Birsfelderstrasse anrückten, hatte ein Bauarbeiter mit einem Wasserschlauch bereits das Gröbste verhindert und das Feuer gelöscht. «Wir haben dann eigentlich nur noch gelüftet», sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr am Montag im Basler Strafgericht. Allerdings beschädigte das Feuer im Untergeschoss wohl auch Teile der Elektrik und einen Tank; es entstand ein Sachschaden von rund 30'000 Franken.

Die Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, dass ein 34-jähriger Schweisser für den Brand verantwortlich ist: Er soll seine Propangas-Schweissarbeiten im Gerätelager im Keller des Tierheims zu nahe an herumliegendem Kartonmaterial und Isolationsabschnitten verrichtet haben. Sie stellte gegen den Mann einen Strafbefehl mit einer bedingten Geldstrafe aus wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst. Dagegen erhob der Mann Einsprache, somit kam es zur Gerichtsverhandlung.

Allerdings überwies Staatsanwalt Tomislav Hazler nicht einfach den Strafbefehl ans Gericht, sondern erweiterte die Anklage: Der Mann habe eventuell das Feuer ausgelöst, indem er einen Zigarettenstummel unsachgemäss entsorgt habe. Befragt wurde der Mann zum zusätzlichen Vorwurf von der Staatsanwaltschaft nicht, sonst wäre möglicherweise aufgefallen, dass er Nichtraucher war. «Wir haben hier ein Lehrbuchbeispiel dafür vorliegen, wie man ein Verfahren nicht führen sollte», ärgerte sich Einzelrichter René Ernst und sprach den 34-jährigen von allen Vorwürfen frei.

Nicht in der Nähe geschweisst

Zuvor hatte Ernst den Einsatzleiter der Feuerwehr als Zeugen vorgeladen, um mehr über die Brandursache zu erfahren. Dieser betonte indes, er dürfe darüber gar nicht spekulieren. Ein Polizeirapport vom Tag des Brandes hielt allerdings fest, dass der Einsatzleiter gesagt habe, der Brand sei wohl nicht durch das Schweissen ausgelöst worden.

Der 34-jährige Schweisser beteuerte, er habe nicht in der Nähe von brennbarem Material geschweisst. Auch sei das Feuer wohl erst zwanzig Minuten später ausgebrochen, als er seine Sachen bereits zusammengepackt hatte und längst weg war.

Gerichtspräsident Ernst betonte, aus der Sicht des Gerichtes sei die Brandursache nach wie vor unklar. Vor allem aber wisse man überhaupt nicht, wer als Verursacher des Brandes infrage komme. Fraglich sei auch, ob das Feuer überhaupt stark genug gewesen sei, um strafrechtlich als nicht mehr zu kontrollierende «Feuersbrunst» durchzugehen.

Mit dem Freispruch gehen auch sämtliche Kosten zulasten des Staates. Die Staatsanwaltschaft kann den Freispruch theoretisch noch weiterziehen.