Markus Lehmann, CVP-Sport-Politiker, spielt den Ball so flach wie möglich. Am späten Freitagnachmittag erst, gezielt zwischen Nationalfeiertag und Wochenende, verschickte er die Medienmitteilung, dass es bei der Stadiongenossenschaft und bei Basel United zu einem Präsidiumswechsel komme. Der Absatztrick erwischte die verwaisten Redaktionen auf dem linken Fuss: Mehr als die Weiterverbreitung der Nachricht konnten sie nicht leisten.

Dabei ist gehörig Feuer im Dach der Stadioneigentümerin und ihrer Vermarktungstochter Basel United. Vor einem Monat bereits hatte Thomas Meyer, Präsident der Genossenschaft und des Verwaltungsrats von Basel United, per sofort seine Ämter niedergelegt, wie er gegenüber der «Schweiz am Sonntag» bestätigt.

Rückblick: Erst Ende 2011 trat Thomas Meyer, Riehener Gewerbler und FDP-Gemeindepolitiker, auf die sportpolitische Bühne. In Windeseile besetzte er Schaltstellen beim St. Jakob-Park und bei der St. Jakob-Arena, der Eishockeyhalle. Aus dem Nichts stellte er sich in die grossen Fussstapfen, die der abtretende Stephan Musfeld hinterliess.

Musfeld, Präsident seit 1998, hatte 2001 den Neubau des Fussballstadions durchgeboxt und mit einer zweiten Genossenschaft die St. Jakob-Arena gebaut. Mit der Vermarktungsfirma Basel United setzte er auf eine lange Wertschöpfungskette. Etwa auf Grosskonzerte, um zusätzliche Mittel für das Stadion zu generieren. Dabei bot er auch dem FC Basel Paroli, der das Stadion schon längst selbst vermarkten wollte.

Der überraschende Bruch kam mit Meyer. Kaum ein halbes Jahr im Amt als Präsident der Stadiongenossenschaft und von Basel United, trat er im April mit FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler an die Öffentlichkeit und verkündete: Der FC Basel übernehme nun die vollständige Vermarktung des St. Jakob-Parks. Dies sei für den Klub wie für das Stadion die beste Lösung. Die mediale Öffentlichkeit, fixiert auf die rot-blaue Gemütslage, applaudierte einheitlich: «Endlich Herr im eigenen Haus», titelte die «bz Basel». «Ein Club – eine Anlaufstelle» pflichtete die «Basler Zeitung» bei. Ein «Versäumnis» werde nachgeholt, meinte die «Neue Zürcher Zeitung». Ein Webfehler» werde korrigiert, erklärte die «Tageswoche».

Die Folgen für Basel United waren jedoch offenkundig nicht durchdacht – schon gar nicht bei der Stadiongenossenschaft und bei Basel United selbst. Thomas Meyer will nicht in Details gehen. Er sagt nur: Nach der Vertragsunterzeichnung mit dem FC Basel habe eine Reihe von Herren des Vorstands der Genossenschaft gegen ihn gearbeitet.

Dass die Übergabe von Aufgaben von Basel United an den FC Basel auch mit einem Bedeutungsverlust einhergeht, bereitet offenkundig Schwierigkeiten. Meyer sagt, er habe es nicht nötig, sich in diesem Kampf aufzureiben, deshalb habe er demissioniert. Meyers Aufstieg in der Hierarchie der Sportfunktionäre war steil, sein Abstieg ist noch steiler. Noch im März hatte er seinen Ausstieg aus der Politik mit seinem Sportengagement begründet. Nun wieder in die Politik einzusteigen, ist für Meyer jedoch kein Thema. Er habe seinen Rücktritt gegeben und dabei bleibe es, sagt er zur «Schweiz am Sonntag». Zweites Opfer der Revolte: Patrick Herr, seit einigen Wochen neuer Geschäftsführer von
Basel United, ist seinen Job bereits wieder los.

Einen Monat lang konnte der Eklat geheim gehalten werden. Bei Basel United musste Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, das Präsidium übernehmen, widerwillig und nur ad interim, wie es heisst. Bei der Genossenschaft hat Vorstandsmitglied Markus Lehmann das Zepter übernommen. Eine Wahl durch die Generalversammlung ist nicht notwendig; der Vorstand konstituiert sich gemäss Statuten selbst.

Lehmann gibt sich zugeknöpft. Zu Interna nehme er nicht Stellung. Es sei nun seine Aufgabe, eine strategische Ausrichtung zu erarbeiten, die auf lange Zeit garantiere, dass der St. Jakob-Park als Topstadion erhalten bleibe. Zu diesem Zweck seien Arbeitsgruppen eingesetzt worden, die in Zusammenarbeit mit dem FC Basel «alle Zahlen» analysieren würden. Auf die Frage, ob die neue Führung den mit dem FC Basel ausgehandelten Vertrag erneut unterschreiben würde, sagt Lehmann ausweichend: «Das ist eine hypothetische Frage.»

Lehmann erklärt, die Genossenschaft sei zu einer engen Zusammenarbeit mit dem FC Basel «verpflichtet» – doch über die Art gehen die Ansichten weit auseinander. Martin Blaser, seit dem 1. Juli neuer Marketingdirektor des FCB und damit erster Stadionvermarkter, möchte den St. Jakob-Park praktisch ausschliesslich für den Fussball reservieren. Von der Idee eines multifunktionalen Stadions müsse man Abschied nehmen, sagt Blaser. Doch genau diese Aktivitäten möchte Lehmann verstärkt im Stadion stattfinden lassen. Es klingt, als hätte Stephan Musfeld wieder die Führung im Stadion übernommen.