Zusammenrücken

Feuerwehr und Sanität sollen sich eine Einsatzzentrale teilen

Beherbergt in Zukunft auch die Zentrale der Autobahnpolizei: Der Spiegelhof.

Beherbergt in Zukunft auch die Zentrale der Autobahnpolizei: Der Spiegelhof.

Basels Rettungskräfte stehen vor einer tiefschneidenden Umbildung ihrer Einsatz-Strukturen. Die Kantonale Krisenorganisation, Polizei, Sanität und Feuerwehr sollen sich in Zukunft auf zwei Einsatzzentralen konzentrieren.

Derzeit gibt es für die Basler Einsatzkräfte fünf Alarmzentralen. Jene im Regierungsbunker an der General-Guisan-Strasse für die Kantonale Krisenorganisation (KKO), die Verkehrsleitzentrale im Stützpunkt der Autobahnpolizei und jeweils eine bei Feuerwehr (Lützelhof), Sanität (Hebelstrasse) und Polizei (Spiegelhof).

Dieses Überangebot an Führungszentralen ist den Vorstehern des heutigen Justiz- und Sicherheitsdepartements seit langem ein Dorn im Auge – von Jörg Schild über Hanspeter Gass bis zum aktuellen Hausherrn Baschi Dürr. Doch alle Anstrengungen, Zentralen zusammenzulegen, scheiterten. Zuletzt die hochfliegenden Pläne des ehemaligen Polizeikommandanten Roberto Zalunardo, dem eine grosse Kommandozentrale im Zeughaus vorgeschwebt hatte. Möglicherweise auch unter Einbezug des Baselbiets. Dort hätte dann auch die Polizeileitung ihren Sitz gehabt, fernab vom Einfluss des politischen Chefs.

«In einem längeren Prozess haben wir den Ansatz, auf der Grünen Wiese etwas komplett Neues zu bauen, verworfen», sagt Baschi Dürr nun. Es sei um eine Lösung innerhalb der bestehenden Infrastruktur gegangen. Diese hat er nun gefunden: Die Einsatzzentrale der Polizei im Spiegelhof soll neu auch die Funktion der Verkehrsleitzentrale übernehmen und im Krisenfall der KKO zur Verfügung stehen.

Die wirkliche Überraschung ist aber die Zusammenlegung der Einsatzzentralen von Feuerwehr und Sanität. Dass die beiden Organisationen separate Zentralen haben, ist historisch bedingt: Die Sanität gehörte zum heutigen Gesundheitsdepartement, bevor sie in den neu geschaffenen Bereich Rettung im damaligen Sicherheitsdepartement integriert wurde. «Es hat sich herauskristallisiert, dass zwei Zentralen, eine im Spiegelhof und eine im Lützelhof, die ideale Lösung sind. Die Sanität selbst bleibt aber an der Hebelstrasse», stellt Dürr klar.

Keine Sparübung

Es gehe nur um die Zusammenlegung der beiden Zentralen, nicht aber um eine Zusammenlegung der beiden Abteilungen. «Die Idee ist es, effizienter zu werden. Auch entsteht ein Mehr an Sicherheit durch die vollständige Redundanz und die Erdbebensicherheit.» Letztere war immer ein Hauptargument gegen eine Reduktion der Alarmzentralen: Weder der Spiegelhof noch der Lützelhof hätten ein grosses Beben überstanden. Der Lützelhof steht nun aber seit 2008 auf Gummilagern, die auch heftige Erschütterungen abfangen sollen. Und im Rahmen der Sanierung des Spiegelhofs soll auch die Einsatzzentrale dort für Erdbeben gerüstet werden, indem sie in einem separaten Gebäude im Innenhof untergebracht wird.

Hier ist die Frage nach den Kosten nach wie vor aktuell. Dessen ist sich Dürr bewusst: «Was den Umbau des Spiegelhofs betrifft, sind wir noch einmal daran, genau hinzuschauen, was wir günstiger machen können.» Die Gesamtrechnung für seine Pläne inklusive Umbauten und technische Systeme schätzt Dürr auf einen «mittleren zweistelligen Millionenbetrag». Neben der Erdbebensicherheit sollen die neuen Einsatzzentralen nämlich vor allem völlige Redundanz bringen: Alle Systeme, vom Funk bis zu den Servern, werden an beiden Orten identisch aufgesetzt und können im Notfall die Funktionen der jeweils anderen Zentrale übernehmen.

Hieran wird das Projekt nicht scheitern, sondern allenfalls an Gegenwehr aus den eigenen Reihen. Dessen ist sich auch Dürr bewusst: «Alles Neue ist mit Fragen verbunden. Aber es ist nicht eine komplette Umkremplung des Systems. Und natürlich muss man bedenken, es geht nicht nur um Mauern und Computer, es geht auch um operative Abläufe, also um Menschen.»

Einen Stellenabbau gebe es mit der Neustrukturierung jedenfalls nicht.

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