Konzertabend
Feurige Noten und verführerische Blicke an der Baloise Session

Der Sonntagabend mit dem deutsch-spanischen Popsänger Álvaro Soler und dem Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela aus Mexiko geriet zu einer Exkursion in den Süden.

Anna Riva
Drucken
Teilen
Der deutsch-spanische Popsänger Álvaro Soler wusste ganz genau, was sein Publikum wollte.

Der deutsch-spanische Popsänger Álvaro Soler wusste ganz genau, was sein Publikum wollte.

Dominik Plüss

Das imposante, futuristische Gebäude der Event-Halle Basel wurde am Sonntagabend für drei Stunden zu einer glänzenden, sonnigen Oase im grauen, regnerischen Basel. «Wir möchten euch heute Abend in den Süden entführen, mit einer Musik, die an einen wunderbaren Sommer erinnert»: So führte die Chefin der Baloise-Session, Beatrice Stirnimann, vor einem durchgefrorenen Publikum den dritten Konzertabend des Festivals ein.

Tatsächlich waren die Namen der Ehrengäste des Abends eine veritable musikalische Garantie für eine warme und warmherzige Unterhaltung im Zeichen verführender Latinorhythmen. So hatten der deutsch-spanische Popsänger aus Barcelona Álvaro Soler, der mit tempostarken Ohrwürmern wie «El mismo sol» (2015) und «Sofia» (2016) internationale Anerkennung erlangte, und das mexikanische Gitarrenduo Rodrigo y Gabriela für einen vollen Saal und für die enthusiastische Anwesenheit vieler Kinder und Jugendlicher gesorgt.

Der unsichtbare Dirigent

«Zwei virtuose, atemberaubende Gitarristen»: Mit diesen Worten waren Rodrigo Sánchez und Gabriela Quintero aus Mexico-Stadt von Beatrice Stirnimann eingeleitet worden. Die skeptischen Zuschauer, die diese begeisterte, vielleicht etwas pompöse Beschreibung als routinemässige Übertreibung eingestuft hatten, mussten sich eines Besseren besinnen – gleich vom Anfang an.

Als die Lichter angingen, standen Rodrigo (Leadgitarre) und Gabriela (Rhythmusgitarre) schon auf der Bühne, als wären sie immer dort gewesen. Breite Beine, aufrechte Haltung, eine akustische Gitarre in der Hand: Die zwei Musiker standen einander gegenüber, aber sie schauten einander nicht an. Sie hatten das nicht nötig. Ein Meter Distanz trennte die beiden, und in diesem Meter war alles drin: Leidenschaft, Respekt, Einverständnis, eine langjährige Zusammenarbeit und die vielen Erfolge, die das Duo im Laufe der Jahre ernten konnte – auf dem neuen und auf dem alten Kontinent. Nach einem bescheidenen Start in ihrer Heimat waren die beiden 1999 nach Irland gezogen – was ihr berufliches Heil bedeutet hatte. Heute sind Rodrigo y Gabriela ein behauptetes Musikduo, und brauchen keine Angst mehr vor der Zukunft zu haben.

Genau diese freche Sicherheit, diese felsenfeste Gewissheit, das Schwierigste sei nunmehr hinter ihnen, kam in ihrer Musik majestätisch zum Ausdruck. Die verblüffende technische Präzision und die fast manische Liebe zum Detail lösten zunächst Staunen, dann zügellosen Jubel bei den Zuschauern aus. Jede Akkord-Sequenz, jede Gitarre-Perkussion war am richtigen Platz. Die Blicke, die sie untereinander austauschten, waren der unsichtbare Dirigent des zweiköpfigen und doch totalisierenden Orchesters. Kein Wort wurde gesprochen, kein Singen begleitete die furiosen, sinnlichen Melodien – es wäre überflüssig, wenn nicht störend gewesen.

Der Metal-Hintergrund des Duos kam mehrmals zum Ausdruck – in den Andeutungen von Headbanging, in der stolzen Haltung der beiden. So wurden nach den eigenen «Hanuman» und «Torito» Covers von bekannten Metal-Liedern präsentiert. Am Ende der Show verliessen Rodrigo und Gabriela die Bühne – rasch, unkompliziert, zwei Freunde, die miteinander reden, zwei Musiker, die schon an das nächste Konzert denken.

Eine saubere, korrekte Show

Weniger episch aber genauso feurig präsentierten sich Álvaro Soler und seine fünfköpfige Band. Der braunhaarige 26-jährige Junge, der in Berlin wohnt und seine Heimat Barcelona vermisst, gab eine sehr saubere, korrekte Show, wie es die zum Teil sehr jungen Fans erwartet hatten. Es fehlte nichts: Weder «El mismo sol» noch «Volar» mit seinem träumerischen Text (2016) noch der lebenslustige Sommerhit «Sofia». Die warme, selbstsichere Stimme des Sängers und Gitarristen lenkte die frenetischen poppig-lateinischen Rhythmen; sein verführerisches Good-Boy-Lächeln und sein sympathischer, lebenslustiger Charakter die Sympathie der Zuschauer.

Álvaro Soler hatte schon gewonnen, bevor er die Bühne betrat. Schlaue einnehmende Strategien wie das schweizerdeutsche «Hoi zäme!» wären gar nicht nötig gewesen, schmückten aber sein schon strahlendes Image. Und als er zum Abschluss noch einmal «Sofia» sang, sahen sich die ihn verehrenden Fans plötzlich mit der schmerzhaften Tatsache konfrontiert: «Todo ya paso». Alles ist bereits vorbei.