Der Fahrplan ist sportlich. Diese Woche hat Basel-Stadt die Suche nach einem Totalunternehmer für den Neubau der Hochschule für Wirtschaft (HSW) auf dem Dreispitz gestartet. Im September will eine Jury bereits den Zuschlag erteilen. In gut einem Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen, sofern bis dann die Holzhandelsfirma Thüring das Areal geräumt und ihren eigenen Neubau bezogen hat. Im Februar 2020 will die Schule das Gebäude übernehmen, im Herbst starten.

Die Zeit drängt, weil die HSW, eine Abteilung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), ihr Domizil verliert. Auf Druck der Basler Regierung wird der Mietvertrag im Peter-Merian-Haus hinter dem Bahnhof SBB nicht verlängert. Denn die HSW steht einer Ausweitung des Life-Science-Konzerns Bayer im Weg. Begeistert ist die HSW nicht. Die Bahnhofsnähe ist für sie ein Standortvorteil im Kampf um Studierende.

Und die unmittelbare Nachbarschaft zum Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität verleiht der Fachhochschule Glaubwürdigkeit. Der Entscheid ist gefallen, die Skepsis aber nicht gewichen. Gemäss vorliegenden Ausschreibungsunterlagen befürchtet die HSW Einbussen bei den Weiterbildungsangeboten, die «wesentlich zum finanziellen Erfolg der HSW beitragen».

Die Hochschule verlangt, ihr Einlenken solle kompensiert werden durch ein Gebäude samt Infrastruktur, «die durch ihre Strahlkraft und Nutzungsmöglichketen als starkes Verkaufsargument gegenüber Studieninteressierten verwendet werden können». Das Geforderte wird realisiert.

Die Fachhochschule erhält am neuen Standort auch mehr Platz; statt auf 7500 wird künftig auf über 9000 Quadratmetern anwenderorientierte Wirtschaftswissenschaft betrieben und gelehrt.

Ein Parking auf Vorrat

Der Neubau, konzipiert nach dem Vorbild des neuen FHNW-Standorts Olten, kostet 60 bis 70 Millionen Franken. Bau und Finanzierung übernimmt Basel-Stadt, die FHNW mietet sich ein, Grundbesitzerin bleibt die Christoph Merian Stiftung (CMS), die ihre Parzelle in Baurecht abgibt. Für die CMS ist der Neubau einerseits ein Glücksfall, da der Kanton eine Anschubfinanzierung leistet, um die Transformation des östlichen Dreispitzareals voranzutreiben.

Andererseits steckt die Planung der CMS für dieses Teilgebiet noch in den Kinderschuhen, sodass bei der HSW mit Eventualitäten gerechnet werden muss. Aus der Kubatur des neuen Gebäudes errechnet sich zwar eine maximale Zahl von fünfzig Parkplätzen. Absehbar ist allerdings, dass Bedarf nach einem grösseren Parking besteht.

Da ein solches Bewilligungsverfahren im gedrängten Bauplan aber nicht unterzubringen ist, wird der Totalunternehmer angehalten, im Untergeschoss nicht nur ein Parking für fünfzig Autos einzuplanen, sondern zusätzliche Lagerfläche, die zu einem späteren Zeitpunkt in sechzig Parkplätze umfunktioniert werden kann.

Eine Unsicherheit besteht auch bei der Planung der Freiflächen. Sollte die CMS wie angedacht ein angrenzendes Gleisfeld in einen kleinen Park umwandeln, gäbe dies ein anderes Umfeld, als wenn den Studierenden auf dem Flachdach Auslaufmöglichkeiten geschaffen werden müssen.

Das konkrete Projekt hilft allerdings auch, Probleme zu lösen. So hatte der Kanton ein erstes Begehren der CMS abgewiesen, in ihrem Verwaltungsbau an der Dornacherstrasse eine Kita einzurichten. Eine solche habe im Gewerbegebiet nichts zu suchen. Die frei werdende Villa, ein Unikat im Dreispitz, steht nun aber in direkter Verlängerung der künftigen Fachhochschule.

Diese Konstellation hat beim Kanton zu einem Umdenken geführt; die Kita werde nun wohl doch bewilligt, sagt CMS-Sprecher Toni Schürmann. Wenn auch nicht für die Studierenden, so doch für die HSW-Lehrkräfte könnte dies ein Standortargument sein: In unmittelbarer Nähe ist die Kinderbetreuung gesichert.