Basler Film
Film über den Alltag von nicht alltäglichen Menschen

Am Freitag feiert ein Dokumentarfilm von Domenico Sposato in der Werkhalle Premiere. Filminhalt ist – die Werkhalle. Genauer: Fünf Menschen, welche die Werkhalle als Arbeitsort nutzen.

Amos Kuster
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Domenico Sposato filmte den Alltag von fünf Menschen. Martin Töngi

Domenico Sposato filmte den Alltag von fünf Menschen. Martin Töngi

«Werkhalle» heisst der Film von Domenico Sposato, der sich um fünf Menschen dreht, die Angebote der Werkhalle nutzen. Gemeinsam ist ihnen auch die psychische Beeinträchtigung, der Grund, warum sie in der sozialpsychiatrischen Einrichtung ein- und ausgehen. Am Freitagabend wird der Film in der Werkhalle zum ersten Mal gezeigt.

Domenico Sposato hat die fünf Menschen über mehrere Monate mit der Kamera begleitet, nicht nur in der Werkhalle, sondern überall im alltäglichen Leben, im Tram, beim Einkaufen und im Museum. Man sieht ihnen äusserlich nicht an, dass sie kein gewöhnliches Leben führen. «Das Aussergewöhnliche zeigt sich im Gewöhnlichen», sagt Sposato und spricht damit die Bandbreite an menschlichen Schicksalen an, die der Film transportiert: Neurosen, Angst, Brüche in einem geregelten Leben.

Geschichten mit offenem Ende

Einer der Protagonisten gilt aufgrund seiner Amnesie als medizinisches Wunder. Obwohl es ein Dokumentarfilm ist, lässt «Werkhalle» Platz für Geschichten, die aussergewöhnliche Leben schreiben, und für ein offenes Ende. Die Protagonisten haben viel Raum zum Erzählen, ehrlich und offen zu sein.

«Vom narrativen Konzept her», so Sposato, «orientiert sich der Film sehr stark an der postmodernen Dramaturgie des Spielfilms.»

Die Werkhalle auf dem Walzwerkareal ist ein Ort, wo unter Therapie nicht Medikamentencocktails verstanden werden, sondern der Mensch, seine Psyche und sein soziales Umfeld den Rahmen der Betreuung bilden. Einige Nutzer und Nutzerinnen wohnen in einer betreuten Wohngemeinschaft, andere nützen nur die vielfältigen kreativen Angebote, die ihnen eine Tagesstruktur bieten. Auch einige Stellen auf dem 2. Arbeitsmarkt gehören dazu. Die Werkstatt stellt Kleinstserien her, und Arbeit gibt es auch in der Küche der Kantine, die von allen möglichen Leuten auf dem Walzwerkareal besucht wird.

Das Alltägliche als Forschungsgegenstand

Seit 2009 ist Sposato in einem Fotoprojekt der Werkhalle tätig. Im Rahmen seiner Lizentiatsarbeit in Volkskunde (seit 2005 Kulturwissenschaft) an der Basler Universität hat er letztes Jahr den Film gedreht und die begleitende schriftliche Arbeit verfasst. Dank der Tatsache, dass das Alltägliche Forschungsgegenstand der Volkskunde ist, konnte er Abschluss und Werkhalle zusammenbringen.

Dass daraus ein Film geworden ist, hat zwei Gründe: Sposato arbeitet nebenberuflich als Fotograf und hat auch Medienwissenschaften studiert. Ausserdem hat die Methodenvielfalt am Institut für Volkskunde Tradition. Immer wieder werden Filmseminare angeboten, und einige Studenten nehmen die Möglichkeit wahr, als Abschlussarbeit einen Film zu drehen. Bekannt geworden ist beispielsweise Lisa Rööslis Film «Hinterrhein».

Abenteuerlicher Lebenslauf

Auch Sposato hat vor, «Werkhalle» an einigen Filmfestivals einzureichen. Filmemacher wäre dann eine weitere Station in seinem Lebenslauf, der sich abenteuerlich liest: Maschinenmechaniker, Jugendarbeiter, Realschullehrer, Schulleiter, Fotograf und Student ist er bereits gewesen. Noch immer schätzt er seine Arbeit an der Schule, die ihm nebenbei genügend kreativen Freiraum ermöglicht. Einige Projekte im kulturellen Bereich hat Sposato bereits in der Hinterhand. Auch Filme sind wieder dabei.

Nebenbei präsidiert er noch den Verein «Flying-Science», der sich für eine lebendigen und breiten Transfer von Wissenschaft in die Köpfe der Gesellschaft engagiert. Wer sich nun wundert, wie lange Domenico Sposato schon unter der Sonne wandelt: Dieses Semester ist der letzte Termin, um an der Uni Basel Lizentiatsabschlüsse zu machen.

«Werkhalle» wird am Freitag 9. März um 19 Uhr in der Werkhalle erstmals gezeigt.