Finanzen
Nach Kreditaffäre: Neue Chefin wechselt von der Europäischen Zentralbank zur Basler CIC

Die Luxemburgerin Livia Moretti wird per 1. Februar Chefin der Bank CIC. Ihr Vorgänger musste wegen allzu grosszügiger Kreditvergabe gehen.

Andreas Möckli
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Die Bank CIC am Basler Marktplatz.

Die Bank CIC am Basler Marktplatz.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

Der Name kursierte bereits, nun ist es definitiv. Die Luxemburgerin Livia Moretti wird per 1. Februar neue Chefin der Basler Bank CIC. Sie übernimmt von Thomas Müller, der das Unternehmen im Dezember verlassen musste. In der Zwischenzeit übernahm David Fusi, der sich nun wieder seinen angestammten Aufgaben im Kundendienst widmet.

Livia Moretti wird per 1. Februar 2023 neue Chefin der Bank CIC.

Livia Moretti wird per 1. Februar 2023 neue Chefin der Bank CIC.

Bild: zvg

Moretti verfüge über eine solide und umfassende internationale Management-, Bank- und Finanzkompetenz, schreibt die CIC in einer Mitteilung. In den letzten zehn Jahren war sie Mitglied der Direktion der Europäischen Zentralbank, «wo sie sich umfangreiche Kenntnisse über die Strategie, Praxis und Regulierung des internationalen Bankwesens aneignete». Moretti begann ihre Karriere bei einer Privatbankgruppe in Luxemburg. Sie lebt mit ihrer Familie in Basel.

Die Bank schweigt weiter zum Fall St.Gallen

In der Mitteilung verliert die Bank CIC kein Wort über die Missstände in der St. Galler ­Niederlassung. Diese hat allzu freizügig Kredite an einen Immobilieninvestor vergeben. Die Bank hat inzwischen die Finanzmarktaufsicht über ihr «unangemessenes Geschäftsverhalten» informiert. Im Zuge dessen mussten neben Müller auch Deutschschweiz-Chef Christoph Bütikofer und der Leiter der St. Galler Filiale gehen. Dem Vernehmen nach sollen auch weitere hochrangige Kaderleute entlassen worden sein.

Die Bank hat trotz mehrfacher Anfrage bislang keine Stellung zum Fall und zu den Entlassungen genommen.

Konflikt zwischen Präsident und Chef

Wie aus dem Umfeld der CIC zu hören ist, soll es seit einiger Zeit zu Konflikten zwischen dem ehemaligen Chef Thomas Müller und Verwaltungsratspräsident Eric Charpentier gekommen sein. Der 62-jährige Franzose wurde Ende 2021 zum Nachfolger von Philippe Vidal gewählt, der altershalber zurücktrat. Charpentier und Müller sollen dem Vernehmen nach eine unterschiedliche Auffassung über die Ausrichtung der Bank gehabt haben.

In der damaligen Mitteilung hiess es, mit der Ernennung von Charpentier betone die Bank «ihren Fokus auf Unternehmen und Unternehmer». Mit dem Fall St.Gallen ergreife der Franzose nun die Gelegenheit, sich jener Kaderleute zu entledigen, die Müller über die Jahre zur CIC lotste, sagen Kenner.

Charpentier arbeitet operativ als stellvertretender Generaldirektor für die gleichnamige Muttergesellschaft Crédit Industriel et Commercial (CIC) in Paris. Diese ist wiederum im Besitz der französischen Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Im Sommer zog Charpentier mit Sabine Schimel und David Hérault zwei weitere Verwaltungsratsmitglieder aus Paris nach. Beide sind weiterhin operativ für Gesellschaften der Crédit Mutuel tätig.