Strafgericht

Firmenchef verlangte von Mitarbeiterinnen Massagen im Hotelzimmer

Der Firmenchef belästigte eine Angestellte am Arbeitsplatz, nachdem er sich ihr zuvor in einem Hotelzimmer genähert hatte. (Symbolbild)

Der Firmenchef belästigte eine Angestellte am Arbeitsplatz, nachdem er sich ihr zuvor in einem Hotelzimmer genähert hatte. (Symbolbild)

Der Chef einer Sicherheitsfirma forderte von zwei Mitarbeiterinnen intime Massagen. Das Strafgericht stufte dies als Ausnützen einer Notlage ein, da beide Frauen finanziell auf den Job angewiesen waren.

Fast vier Jahre lang lag der Fall in den Schubladen, doch gestern kam es dann doch noch zu einem Schuldspruch: Der 38-jährige Chef einer Sicherheitsfirma hatte zweimal Mitarbeiterinnen unter einem Vorwand in das Airport Hotel an der Flughafenstrasse in Basel gelockt und dann gegenseitige Massagen erwartet.

Einzelrichterin Dorrit Schleiminger verhängte gegen den verheirateten Mann gestern eine bedingte Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu 120 Franken wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage. Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten gefordert.

Eigentlich hätte der Fall bereits im August verhandelt werden sollen, doch der Mann fuhr damals am Morgen wegen einer Panikattacke ins Spital und erschien nicht vor Gericht. Gestern hingegen erschien er.

Mitarbeiterinnen brachen ab

Im Juli 2011 lud er eine der Mitarbeiterinnen ins Casino ein, ging dann aber mit ihr ins benachbarte Hotel, zog die Vorhänge im Zimmer zu und zündete Kerzen an. Er drängte darauf, sie zu massieren, eine Weile liess sie es auch geschehen, brach die Sache aber ab, als auch ihr Slip fallen sollte. Ähnlich war der Ablauf im Januar 2012 bei der zweiten Mitarbeiterin: In ihrem Lebenslauf hatte sie eine Massageausbildung erwähnt – er fand daher, er möchte «hinhalten», da er oft verspannt sei. Auch sie wehrte sich schliesslich, als die Sache zu intim wurde.

Später kamen bei ihr noch weitere Belästigungen dazu. Das Gericht beurteilte diese allerdings nicht im strafrechtlichen Sinne, weil diese Taten bereits verjährt sind.

Beide Frauen tauschten sich offenbar über die Erlebnisse aus, sie erstatteten Ende Januar 2012 Strafanzeige. Dorrit Schleiminger sagte gestern dazu, es gebe hier keine objektiven Anhaltspunkte für eine Falschbezichtigung. Einer der Frauen wurde fristlos gekündigt, die andere kündigte von sich aus den Job. Beide sind alleinerziehend, eine war zuvor in der Sozialhilfe, die andere arbeitslos. Das Strafgericht sprach ihnen eine Genugtuung von 1000 und 1500 Franken zu, ihre Anwältin hatte Summen von 3000 und 4000 Franken verlangt. Arbeitsrechtliche Verfahren wurden offenbar nicht angestrengt.

Der 38-Jährige betonte vor Gericht, er sei unschuldig. Mit der zweiten Frau sei er tatsächlich in jenem Hotel gewesen, sie habe ihm aber die Massage angeboten. An einen Hotelbesuch mit der ersten Mitarbeiterin konnte er sich nicht mehr erinnern.

Verteidiger verlangt Freisprüche

Sein Verteidiger hatte vergeblich Freisprüche verlangt: Es gebe Indizien, dass sich die beiden Frauen abgesprochen hätten, auch seien die Aussagen sehr widersprüchlich. «Selbst wenn er mit ihnen ins Hotel geht, mag das unkorrekt oder unsympathisch sein, aber strafrechtlich nicht relevant», sagte er.

Der Fall wird wohl noch das Appellationsgericht beschäftigen: Alle Beteiligten können das Urteil weiterziehen.

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