Wirklich einfach ist die Situation für Urs Fischer vor der Auswärtspartie gegen den FC Zürich (Samstag, 20 Uhr, Livestream) ja wirklich nicht. Einerseits steht seine Mannschaft seit vergangenem Samstag und dem 2:1-Sieg gegen Sion als Schweizermeister fest. In den letzten fünf Saisonspielen geht es also sportlich um gar nichts mehr. Fischer selbst gibt zu, dass der Druck jetzt weg sei. Jedoch erwarte er immer noch den gleichen Einsatz seiner Spieler wie in der gesamten Saison. "Wir wollen auch in den nächsten Partien gute Leistungen zeigen, das ist die die Herausforderung“, so Fischer zu der Ausgangslage.

Die FCB-Spieler kamen nach der Meisterfeier in den Genuss von drei Ruhetagen. Seit Mittwoch steht die Mannschaft wieder auf dem Platz. „Die Jungs sind engagiert, haben gut trainiert in den letzten Tagen. Wir wollen die Spannung hochhalten“, sagt der FCB-Übungsleiter.

Baustelle Verteidigung

Neben der sportlichen Ausgangslage ist da auch die lange Verletztenliste, die Fischer und seine Planung für die restlichen Partien beeinträchtigt. Gleich zehn Kaderspieler fehlen für den Klassiker gegen den FCZ. Degen, Xhaka, Sporar, Janko, Hoegh, Lang, Safari, Samuel und Akanji sind verletzt. Steffen wird eine Sperre absitzen müssen.

Vor allem die Situation in der Verteidigung wird Fischer einiges an Kreativität abverlangen. Es kann also sein, dass ein Juniorenspieler in der Innenverteidigung in die Bresche springen muss. Berkay Sülüngöz und Eray Cümart waren im Abschlusstraining beim Fanionteam dabei. „Möglich, dass einer oder sogar beide in Zürich von Anfang an spielen werden“, sagt Fischer. Der Züricher betont aber, dass er im Letzigrund nicht gleich sechs oder sieben junge Spieler ins kalte Wasser werfen wird.

Abstiegskandidat FCZ

Und natürlich ist da auch die persönliche Verbindung Fischers mit dem FCZ, seine Vergangenheit als Spieler und Trainer, die den Klassiker im Letzigrund zu einer speziellen Affiche macht. Umso mehr, da sich die sportliche Situation so präsentiert, wie sie ist: Der FCB steht als Meister fest. Und Fischers ehemaliger Verein kämpft gegen den Abstieg in die Challenge League. „Egal was ich jetzt sage, es ist sowieso verkehrt. Jeder Verein muss selber die Verantwortung tragen, wo er am Schluss der Saison steht. Aber ich finde schon, dass in Zukunft die Partien Zürich gegen Basel nicht fehlen dürfen“, sagt Fischer zu der Situation des FCZ und einem möglichen Abstieg.

Dass es seinen Spielern in den letzten fünf Runden an Motivation fehlen wird, guten Fussball zu spielen, glaubt Fischer aber nicht. Dabei gehe es weniger um mögliche Rekordmarken, die erreicht werden können (höchste Punktzahl sowie meiste geschossene Tore am Ende der Saison), sondern vielmehr, den Fans etwas zurückzugeben. Ausserdem sei es wichtig, dass die Nationalspieler im Hinblick auf die EM in Frankreich nicht nachlassen, das Niveau hochhalten können. Und vor allem ist sich Fischer sicher: „Die wollen alle einfach Fussball spielen. Egal, ob wir schon Meister sind.“