Frauenstadtrundgang

Flanieren mit historischem Erkenntnisgewinn

Auf Frauenstadtrundgängen können Frauen sowie Männer die Stadt Basel und die Geschichte der Frauen kennenlernen. (Archiv)

Auf Frauenstadtrundgängen können Frauen sowie Männer die Stadt Basel und die Geschichte der Frauen kennenlernen. (Archiv)

Wer war der heilige St. Johann? Warum gab es in den 1980er-Jahren gerade im St. Johann-Quartier grosse Jugendunruhen? Und was hat Basels erster Kaiserschnitt mit dem Quartier zu tun? Der Verein «Frauenstadtrundgang» beleuchtet die geschichtlichen Begebenheiten des St.Johann- Quartiers in einer Führung.

Diese und viele weitere Fragen werden während eines 90-minütigen Rundgangs beantwortet und aus einer ganz anderen Perspektive visuell veranschaulicht. Die Teilnehmer wandeln durch das St. Johann auf den Spuren von Johannitern, Prostituierten und Rebellen.

Zwei Wissenschaftlerinnen haben sich einer intensiven Recherche gewidmet, die sie nun für Stadtinteressierte vor Ort näher erläutern. «Wir werfen Schlaglichter auf historisch geprägte Orte, die sorgfältig recherchiert wurden», sagt Dorothea Blome, die Ägyptologie und Archäologie studierte und für die Koordination der Rundgänge im Verein «Frauenstadtrundgang» zuständig ist.

Wer jetzt an einen langwierigen und wissenschaftlichen Vortrag denkt, der irrt. Mittels kurzen Rollenspielen soll ein lebendiger und frischer Zugang zu den ausgewählten Themenbereichen ermöglicht werden. «Wir haben spezifisches Bildmaterial und spielen Theater. Die Dialoge sind aber nicht exakt aus der damaligen Zeit», so Blome. Der Fokus lag auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die dem Publikum in eigenen Worten verständlich vermittelt werden sollen. Der Teilnehmer ist dabei nicht nur passiver Zuhörer, sondern kann ungeniert Fragen stellen.

  Wandel, Wohnen, Widerstand. Diese drei Schwerpunkte werden während des Streifzugs durch das Quartier besonders stark thematisiert. Dabei werden Geschichten über keltische Begräbnissitten, ausländische Arbeiter und kriminelle Baslerinnen in die Gegenwart zurückgeholt. Vom Gefängnis Schällemätteli bis zur chemischen Industrie findet sich im St. Johann ein breites Panorama der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Basel. Den Begriff «Frauenstadtrundgang» dürfe man(n) aber nicht missverstehen. Auch Herren sind bei dieser Reise in die Vergangenheit willkommen. Für Kinder sei der Spaziergang aber eher nicht geeignet.

25 Jahre Stadtgeschichte

Seit einem Vierteljahrhundert nehmen Studenten und ausgebildete Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen Stadtthemen genauer unter die Lupe, die Fragen aus der Frauen- und Geschlechterforschung aufgreifen. «Über Frauen wurde historisch Bemerkenswertes viel weniger aufgeschrieben. Das möchten wir sichtbar machen», erklärt Dorothea Blome.

Mit der Premiere des ersten Rundgangs in diesem Jahr möchte das junge Team dem Publikum zeigen, wie Stadtentwicklung ablaufen kann und wie sich die daraus folgenden Umbrüche, Konflikte und Möglichkeiten zur Neugestaltung auf einer gesellschaftlich-sozialen und einer städtisch-urbanen Ebene auswirken können. Sechs weitere Spaziergänge sollen folgen. Die Kapazität von 30 Leuten ist gemäss Blome noch nicht erschöpft. Das Ticket kann vor Ort für 20 Franken bezogen werden.

Der erste Rundgang durchs Basler St. Johann-Quartier findet am Samstag um 14 Uhr in deutscher und englischer Sprache statt. Treffpunkt: St. Johanns-Tor.

www.frauenstadtrundgang-basel.ch

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