Messe
Flaue Berichte, später Bundesrat, schönes Wetter: Steht die Muba kurz vor dem Aus?

Erst im Februar teilte die Messe Schweiz mit, dass die Herbstwarenmesse gestrichen wird. Das Unternehmen fokussiert sich nun vollends auf die Muba. Doch die ersten Eindrücke der diesjährigen Muba zeigen ein eher tristes Bild.

Andreas Schwald
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Muba-Eröffnung
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Eine Künstlerin auf Stelzen.
Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann nimmt einen ersten Eindruck der Muba.
Eventessen mit fliegenden Würsten vor der Nase.
Muba-Eröffnung
Eventessen mit fliegenden Würsten vor der Nase.
Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann nimmt einen ersten Eindruck der Muba.
Muba-Eröffnung
Die 102. Muba wurde heute eröffnet.
Blick in die Halle «Original Regional»
Besucher strömen in die eröffnete Muba-Halle.
2. Version von Muba-Eröffnung 2018
Daniel Nussbaumer, Messeleiter Muba, spricht anlässlich der Eröffnung.
Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (r.) und Isaac Reber, Regierungsrat Baselland, links.
Elisabeth Ackermann (r.) und Ihre Kommunikationschefin Melanie Imhof.
Auch die bz hängt für die Besucher der Muba bereit.
Messeleiter Daniel Nussbaumer, Elisabeth Ackermann und Isaac Reber (von rechts)
Blick in die Halle «Inspiration.live»
...
Mathias F. Boehm, Geschäftsführer Pro Innerstadt Basel, Messeleiter Daniel Nussbaumer, Regierungsrätin Basel-Stadt, Elisabeth Ackermann und Isaac Reber, Regierungsrat Basellandschaft (vlnr.)
Es wird gefeiert.
Hanfpflanzen an einem Stand in der Halle der Parallel Messe «Cannabis Village»
Hier kann man sich über Hanf informieren lassen.
Muba-Eröffnung Isaac Reber (links) und Elisabeth Ackermann.

Muba-Eröffnung

PATRICK STRAUB

Die Muba muss kurz vor ihrem Ende stehen. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man die Medienberichte liest, die bereits darüber erschienen sind. Reporter der «Tageswoche» beschreiben, wie sie in eine Sinnkrise fallen, wenn sie nach einem Rundgang die Mustermesse wieder verlassen: Eventkultur treffe den real existierenden Kapitalismus, der hofft, dass irgendwer dort noch irgendwas kauft.

Und das Portal «barfi.ch» schreibt unter dem Titel «Bonjour tristesse»: «An der Muba 2018 kann man drei Tendenzen feststellen, die – zusammengenommen – einen Schluss zulassen: Trostlose Raumgestaltung (I), ideenloser Standbau (II), himmeltraurige Stimmung (III).» Es sind, ohne zu übertreiben, vernichtende Eindrücke einer mittlerweile mehr als Erlebnis- denn als Verkaufsmesse konzipierten Produkt- und Dienstleistungsschau. Die zwei zitierten Basler Online-Berichte mögen in ihrer Direktheit frech sein, aus institutionalisierter Perspektive fast schon unverschämt. Aber sie sind ehrlich.

Zwei Regierungspräsidentinnen und ein Bundesrat. Ignazio Cassis scheint sich wohlzufühlen zwischen Sabine Pegoraro (links) und Elisabeth Ackermann (rechts).
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Die Landratspräsidentin und der Glacé-Mann: Elisabeth Augsburger und Dario Gasparini.
Die Basler Regierungschefin und ihr Stadtentwickler: Elisabeth Ackermann und Lukas Ott.
Ignazio Cassis: «
Die Herren der Messe Basel: CEO Réne Kamm und VR-Präsident Ueli Vischer.
Das liebe Geld: Daniel Hanimann von der SNB und Stefanie Hof vom Verein Basler Ökonomen.
Ignazio Cassis an der Muba 2018
Weibel Roland Schaad, Sabine Pegoraro, Ignazio Cassis und Elisabeth Ackermann (vlnr.)
Auch FCB-Legende Matías Delgado war unter den Besuchern.
Ignazio Cassis in Aktion...
Cassis zusammen mit Gasperd Weissheimer von Druckbus und Messeleiter Daniel Nussbaumer.
Rundgang mit Messeleiter Daniel Nussbaumer, Sabine Pegoraro, Ignazio Cassis, Elisabeth Ackermann, und Weibel Roland Schaad
Ignazio Cassis

Zwei Regierungspräsidentinnen und ein Bundesrat. Ignazio Cassis scheint sich wohlzufühlen zwischen Sabine Pegoraro (links) und Elisabeth Ackermann (rechts).

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Zur Zahl der Eintritte an der diesjährigen Muba gibt es allerdings noch keine Auskunft. «Wir kommunizieren dies am Sonntag», sagt Sabrina Oberländer, Kommunikationschefin des Bereichs Publikumsmessen der Messe Schweiz AG. Ob man mit dem bisherigen Verlauf zufrieden sei? Auch dazu wolle sich die Messe erst zum Schluss äussern, sagt Oberländer. Noch steht das zweite Messe-Wochenende an, das könnte noch einmal die Besucher ins Haus locken.

Publikumsmessen am Limit

Kommt hinzu, dass die Messe dieses Jahr nicht gerade vom Wetterglück begleitet war. Die Muba findet in der Halle statt, doch ausgerechnet das erste Wochenende war von Sonnenschein geprägt; es war das bislang wärmste dieses Jahres. Ausstellerseitig zeigt sich ein durchzogenes Bild: Während die bz gemeinsam mit Basellive eine Mittagslunch-Aktion abhält, die nach bisherigen Angaben besonders am ersten Wochenende gut besucht worden war, hatten andere Aussteller weniger Glück: Ein Möbelhändler sagt, er habe bislang kaum verkauft.

Vor Ort ergibt sich insgesamt dasselbe Bild wie in den vergangenen Jahren: Keiner kritisiert die Messe in aller Deutlichkeit, wie es anhand der in den Medienberichten geschilderten Trostlosigkeit zu erwarten wäre. Einige lassen Enttäuschung zwar durchblicken, pflegen aber Optimismus, Jammern ist nicht gut fürs Geschäft. Einer der aufwändigeren und prominenteren Stände, die Muba-WG mit echten Bewohnern von Ikea, erfreut sich immerhin vieler Besucher. Auch hier aber gilt: Das ist mehr Erlebnis als Verkaufsfläche. Denn geshoppt wird im Möbelhaus oder eben im Internet.

Jonas Schwarz, Aussteller und Mitgründer der Firma Pocket Solutions AG, schildert das Phänomen so: «Es wäre durchaus eine Chance für die Muba, in Zeiten des digitalen Einkaufserlebnisses das Echte, das Berührbare auszustellen, eben eine Muster-Messe im Sinne des Wortes.»

Schwarz bietet allerdings selbst eine digitale Dienstleistung an: Das Portal «Ask mAsk», eine App, mittels der man anonym von Fragen des Alltags bis hin zu Tabu-Fragen eine qualifizierte Antwort erhalten soll. Seine Firma nutzt die Muba, um mehr Nutzer zu erlangen. Die App finde auf jede erdenkliche Frage den passenden Menschen und eine Antwort dazu, heisst es im Selbstbeschrieb. Daher die Aktion: «Welche Frage hast du an die Muba?» Fragen kamen tatsächlich: Etwa, ob man hier vor Ort gleiche eine Reise buchen könne? Oder die Haare schneiden lassen? Klassiker der Muba, neu erfragt. Um die Basler Publikumsmessen steht es insgesamt allerdings nicht bestens.

Erst im Februar teilte die Messe Schweiz mit, dass die Herbstwarenmesse gestrichen wird. Für immer. Das Konzept habe nicht gewinnbringend optimiert werden können. Und zwei Publikumsmessen pro Jahr durchzuführen, das sei nicht mehr zeitgemäss, wie es in der Mitteilung hiess. Das Unternehmen fokussiert sich nun vollends auf die Muba. Diese ist auch die Älteste ihrer Art in der Schweiz: 1917 fand sie zum ersten Mal statt; 2016 feierte sie ihr 100-Jahr-Jubiläum. Bislang erschien zur Eröffnung ein Bundesrat. Bis auf dieses Jahr, als die offizielle Eröffnung ohne Vertreter der Landesregierung stattfand. Immerhin stattete Aussenminister Ignazio Cassis der Messe am Montag danach noch einen Besuch ab.