Dort steht Christian Bucher in seinem REGA-roten Overall auf dem Dach und steigt in den Heli ein. Er soll mit der Winde den verunfallten Piloten aus dem Baum befreien. Nur, Bucher ist kein Rettungsflieger. Hinten auf seinem Overall prangt das vertraute Signet der Basler Berufsfeuerwehr. Deren Rettungsspezialisten für Helikoptereinsätze oder kurz RSH sind es, die in der ganzen Nordschweiz und in den umliegenden Gebieten in Deutschland die Rettungseinsätze aus der Luft durchführen. Doch in Gansingen scheitert der Versuch, der Helikopter kann nicht an den unverletzten aber auf dem Baum gefangenen Gleitschirmpiloten heran. «Der Abwind von den Rotoren hätte den Gleitschirmflieger vom Baum wehen können», erklärt Bucher.

Zu Lande und in der Luft

Also rief er seine Kollegen aus Basel zu Hilfe. Tobias Schweizer und André Humair stiegen in ihr Spezialfahrzeug und fuhren ins Fricktal. Mit dem Material, das der Minivan der Basler Höhenretter geladen hat, kletterten sie dann den Baum hoch und befreiten den Paraglider aus seiner misslichen Lage. Acht der 18 Spezialisten für Höhen- und Tiefenrettung der Basler Berufsfeuerwehr sind zusätzlich als RSH qualifiziert. Das Akronym steht für Rettungsspezialist Helikopter und ist die Bezeichnung für jene wagemutigen, die an einem Seil weit unterhalb des Helikopters baumeln und dabei auch noch arbeiten können. Oft, um den Notarzt der REGA zu sichern, damit dieser beide Hände frei hat, um sich um das Opfer zu kümmern.

Ob Kamin oder Grube ist egal

Die Höhen- und Tiefenrettung umfasst ein breiteres Spektrum: «Sobald es um Rettungsarbeiten am frei hängenden Seil geht, sind wir dran», fasst Schweizer das Aufgabengebiet zusammen. Ob jemand 50 Meter über dem Boden Hilfe braucht oder in einer 100 Meter tiefen Schlucht, spielt dabei keine Rolle.

Der Einsatzleiter der Gansinger Feuerwehr hatte keine Ahnung, dass die Retter, die oft am Ende des Windenseils der Helikopter baumeln, keine REGA-Leute sind. «Im Baselbiet und in Süddeutschland wissen die Feuerwehren, dass die Basler diese Kompetenz haben», erklärt Humair, «im Aargau und im Solothurnischen staunen sie dagegen oft, wenn sie das Logo auf unserem Rücken sehen». Dabei sind die Basler in der halben Schweiz im Einsatz. Denn die Situation hier ist ideal: Die örtlichen Einsatzkräfte alarmieren die REGA, diese bietet die Rettungsspezialisten im Lützelhof auf, und wenn der Heli vom EuroAirport auf dem Spitaldach ankommt, wartet der Feuerwehrmann bereits auf ihn. «Das ist eben der Vorteil einer Berufsfeuerwehr, einer von uns ist eigentlich immer hier», meint Humair.

Abholservice durch die REGA

Und wenn das einmal ausnahmsweise nicht der Fall sein sollte, alarmiert die Zentrale die Rettungsspezialisten zu Hause. Die REGA hat von jedem von ihnen Koordinaten, an denen sie ihn abholen kann. Bucher, der in Basel wohnt, rückt beispielsweise direkt ins Unispital aus. Schweizer, der in Reigoldswil zu Hause ist, wird eben dort abgeholt. «In der Nordwestschweiz ist der Helikopter in ein paar Minuten eben überall», grinst er. Im Alltag sind die Männer Teil der normalen Touren der Basler Feuerwehr. Aber sobald jemand in ein Loch fällt oder nicht mehr von einem Dach kommt, sind sie gefragt. Sie, die ihre Fähigkeit, in schwindelerregender Höhe aus dem Helikopter zu klettern, jährlich eine Woche lang in Andermatt auffrischen. «Dort, im schweren Gelände, im Gebirge, stossen wir immer wieder an unsere Grenzen», erzählt Schweizer. Dafür sind dann die Hügel des Juras, dem üblichen Einsatzgebiet der Basler Rettungsflieger, eine kleinere Herausforderung. Ihre Fähigkeiten haben die Retter aber auch schon bei anderen Einsätzen geübt. So enteisten sie im letzten Winter ein Fähriseil über dem Rhein, eine Übung mit sinnvollem Nebeneffekt. In der Gründungszeit der Spezialeinheit sei er auch mal auf einen Baum geklettert, um einen verletzten Raben zu retten, schmunzelt Bucher. «Das haben wir dann als Übung abgebucht». Gut für den Gleitschirmpiloten vom Sonntag, dass Bucher das Klettern auf Bäume seither nicht verlernt hat.