Stadtentwicklung

Fliegende Klassenzimmer auf dem Dreispitz

Neuester Coup aus dem Hause Herzog & de Meuron: Eine Sekundarschule auf dem Dach des Dreispitz-Migros.

Die Idee scheint so gewagt wie bestechend: Auf dem Dach des dannzumal erneuerten M-Parc-Shoppingcenters soll nach dem Willen des Kantons Basel-Stadt, der Christoph Merian Stiftung (CMS) als Grundeigentümerin sowie der Baurechtnehmerin Migros ein neues Sekundarschulhaus samt Dreifach-Turnhalle entstehen. Die Pläne dafür wurden am Mittwoch den Medien präsentiert.

Die Visualisierungen tragen zweifelsfrei die architektonische Handschrift des Büros Herzog & de Meuron. Schulhaus wie Turnhalle stehen in ihrer sehr simplifizierten, Scheunen-artigen Ausformung in guter Tradition einiger bereits bestehender oder angedachter Bauwerke aus der Architekturschmiede im St. Johann: Zum Beispiel des Parrish Art Museums in den USA oder des geplanten Museums des 20. Jahrhunderts in Berlin.

Das Gundeli wird mit dem Dreispitz verbunden

Es ist wohl schwieriger, sich in diesem Gebäudetyp ein Museum vorzustellen als eine Schule. Das Besondere des Dreispitz-Projekts ist jedoch die Lage auf der Grünfläche eines Shoppingcenters. Für den Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) gehört diese Idee in die Kategorie des «qualitätsvollen Verdichtens» der Stadt Basel, wie er ausführte. Und für Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) ist diese Idee schlicht «genial und praktisch»: Erstens verbaue man keine weitere freie Fläche; zweitens habe es in der Umgebung noch keine Sekundarschule. Schweizweit ist das für 600 Schülerinnen und Schüler erdachte Gebäude das erste seiner Art auf einem Dach.

Die Projektverantwortlichen betonten vor allem, dass durch die Schule sowie durch einen neuen Quartiertreffpunkt im Erdgeschoss künftig das Gundeldinger-Quartier noch viel enger mit dem Nordareal des Dreispitz verbunden sein wird. Und dieses Nordareal, die «Nordspitze», wird ein beachtlich grosses Quartier werden: Rund 800 neue Wohnungen für 1400 Bewohnerinnen und Bewohner sollen entstehen.

Preislich wie architektonisch werden sie sich wohl ganz deutlich in zwei Kategorien teilen

Die hochpreisigen Logements befinden sich in den drei von Herzog & de Meuron in ihrer städtebaulichen Studie von 2017 angedachten, runden Hochhäusern. Der preisgünstige Wohnungsbau, welcher der CMS und ihrem Kommissionspräsidenten Lukas Faesch besonders am Herzen liegt, soll künftig in den deutlich kleineren Gebäuden entlang der Münchensteiner- und der Reinacherstrasse beheimatet sein. Also mehr oder weniger am Fuss oder im Schatten der Hochhäuser und rund um den neuen Park: Dieser wird nach der Gattin des Stiftungsgründers benannt sein, Margaretha Merian.

Die Migros lässt die Muskeln spielen

An zentraler Stelle in die Planungen einbezogen ist die Migros. Werner Krättli, Präsident der Verwaltung der Genossenschaft Migros Basel, machte am Mittwoch deutlich, warum dem Grossverteiler eine so wichtige Rolle zukommt: Der Baurechtsvertrag mit der CMS läuft nämlich erst im Jahr 2053 aus. Dereinst soll der Handwerkermarkt Obi unter einem Dach mit dem M-Parc, also unter der Schule, zu liegen kommen.

Krättli freute sich an der gestrigen Präsentation des weiterentwickelten Nordspitze-Projekts sichtlich über die Schulhaus-Idee über «seiner» Migros. Gleichzeitig liess er aber auch die Muskeln spielen. Er verwies darauf, dass der Betrieb des M-Parc während der Transformation des Areals zu jeder Zeit und an jedem Tag gewährleistet sein müsse: «Man muss uns schon sehen und wir dürfen nicht einfach von einer Baustelle zubetoniert werden», sagte Krättli.

Wie geht es nun weiter auf der Nordspitze des Dreispitz? Der Grosse Rat soll im Jahr 2022 über einen entsprechenden Bebauungsplan entscheiden. Mit dem Bau des neuen Stadtteils wird frühestens 2025 begonnen. Es ist davon auszugehen, dass sich die gesamte Investitionssumme auf dem Areal im Bereich von vielen hundert Millionen Franken bewegen wird.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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