Infektionsgefahr
Fliegt die asiatische Tigermücke den Rhein hoch bis in Region Basel?

Die Asiatische Tigermücke hat in Freiburg überwintert – in beiden Basel beobachtet man die Lage. Die Insekten übertragen das Chikungunya-Fieber, das starke Glieder- und Gelenkschmerzen verursacht.

Michel Ecklin
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Die Tigermücke droht sich jetzt auch nördlich der Alpen dauerhaft auszubreiten.

Die Tigermücke droht sich jetzt auch nördlich der Alpen dauerhaft auszubreiten.

Tigermücken sind in der Region keine Unbekannten. Seit über zehn Jahren findet man bei uns immer wieder Exemplare des potenziellen Krankheitsübertragers. Sie werden einzeln über Autobahn und Schienen von südlich der Alpen her eingeschleppt.

Doch Ende Juli sorgte eine Meldung aus Freiburg im Breisgau für Aufsehen. Bei einem Güterbahnhof fand man Larven, Puppen und erwachsene Tiere. «Die neuen Funde deuten auf eine Überwinterung und Ansiedlung der Asiatischen Tigermücke hin», lautet die Schlussfolgerung des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung, das die Mückenpopulation in ganz Deutschland kartiert.

Nicht überraschend kommt der Freiburger Fund für Pie Müller, Forscher am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (TPH). Im Auftrag des Bundes leitet er ein Programm zur Überwachung der Tigermücke. «Prognosen sagen voraus, dass sich in der Schweiz Genf und die Region Basel entlang dem Oberrhein als Verbreitungsgebiet eignen», sagt er. Dass die Insekten sich in Freiburg ausgebreitet hätten, könne mit dem relativ milden vergangenen Winter zu tun haben. «Nach dem kommenden Winter sieht es dann vielleicht ganz anders aus.» Aber wenn das Klima wärmer werde, steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Tigermücke nach Basel komme.

Tessin bekämpft Mücke erfolgreich

«Der Fund in Freiburg ist primär nicht beängstigend», sagt Markus Ledergerber, stellvertretender Leiter der Präventiv- und Sozialmedizin im Basler Gesundheitsdepartement. Selbst bei einer temporären Ansiedlung wie in Freiburg bestehe «aktuell nur eine minimale Gefahr einer Krankheitsübertragung». Aber ein zumindest temporäres Ansiedeln in der Region Basel sei «grundsätzlich möglich», das zeige der aktuelle Fund. Der Baselbieter Kantonstierarzt Thomas Bürge hält es für noch zu früh, um abzuschätzen, ob Basel befallen werde. Das hänge unter anderem von der Veränderung des Klimas ab. «Wir beobachten die Lage, insbesondere die Situation bei den Infektionen.»

Im Tessin sind die Insekten schon seit rund zehn Jahren ansässig. Dort habe man Erfolge damit gehabt, sie mit dem natürlichen Bakterium Bti zu bekämpfen, sagt Müller. Jedenfalls gab es in der Schweiz noch keine Erkrankung, im Gegensatz zu Norditalien, wo 2007 durch die Tigermücke über 200 Personen mit Chikungunya-Fieber infiziert wurden.

Der Begriff ''Chikungunya'' stammt aus dem Suahelischen und heisst ''der gebeugte Mann''. Dies steht für die typischen Glieder- und Gelenkschmerzen, welche infizierte Personen sprichwörtlich ''in die Knie'' zwingen. Die Gefahren des seit 1957 bekannten Fiebers wurden lange Zeit unterschätzt. Meistens ist der Verlauf der Infektion ungefährlich, Todesfälle sind jedoch aus Asien und aus den Ozeanischen Inselgruppen (Mauritius, La Réunion) bekannt, wie das Medizinportal Sprechzimmer.ch schreibt.

In Freiburg ist man noch lange nicht so weit. Trotzdem haben die Behörden Massnahmen angeordnet. Familiengärtner in der Nähe der Fundstelle wurden angewiesen, dafür zu sorgen, dass sich nirgends Regenwasser ansammelt, etwa in Giesskannen. Wassertonnen soll man innen abspritzen, um Eier zu entfernen. Unnötige Wasserstellen solle man vermeiden. Die Gärtner erhalten Bti-Tabletten, und es wurden Eiablagefallen aufgestellt, um schwangere Weibchen abzufangen und so die Verbreitung zu stoppen. Die breite Bevölkerung wird mit Flyern informiert.

Müller empfiehlt auch den Gärtnern in der Region Basel, Brutstätten gar nicht erst entstehen zu lassen und Wasseransammlungen zu vermeiden. Ob man so die Plage dauerhaft fernhalten kann, ist allerdings fraglich. «Wenn immer wieder über die Verkehrswege neue Mücken eingeschleppt werden, ist das eine Sisyphusarbeit.» Aber in der Anfangsphase der Ausbreitung, wie jetzt in Freiburg, könne man einiges erreichen.

Weder in Basel noch im Baselbiet planen die Behörden konkrete Massnahmen. In beiden Kantonen setzt man auf eine koordinierende Funktion des Bundes. Dieser war bisher nicht inaktiv. Er hat ein 44 Seiten dickes « Konzept 2011 für die Bekämpfung der Tigermücke und der von ihr übertragenen Krankheiten in der Schweiz» ausarbeiten lassen.

Wer ein fliegendes Insekt sieht, das eine Tigermücke sein könnte, sollte es einfangen und dabei möglichst nicht zerdrücken. Danach sollte man es ans TPH schicken, mit Angabe von Ort und Zeit des Fundes. Damit trägt man zur Kartierung der Tigermückenvorkommen bei.