Eigentlich hätte die Curling-WM 2016 ja gar nicht in der Schweiz stattfinden sollen. Sondern in Schweden. Da dort aber die passende Infrastruktur fehlte, kam Basel zum Handkuss – und durfte nach 2012 erneut die Ausscheidungsspiele um den Weltmeistertitel in der St. Jakobshalle austragen. Die Freude bei den Organisatoren war gross. Und darum die Bemühungen im Vorfeld auch immens, den Event so gut wie möglich zu vermarkten.

Im Vorfeld der Spiele wurde ein Marsch der teilnehmenden Nationen durch die Freie Strasse organisiert. Plakate der Curling-WM schmückten schon Wochen zuvor die Stadt und machten auf das Ereignis aufmerksam. Auf «Eurosport» wurden extra zusätzliche TV-Spots ausgestrahlt. Basel wollte sich der Welt von seiner besten Seite präsentieren.

120'000 Franken investiert

Dabei hat das Standortmarketing Basel, das für die Vermarktung solcher Events verantwortlich ist, keine Kosten gescheut. Rund 120 000 Franken habe es für den Welcome-Event sowie die Werbung investiert. Zusätzlich seien 200 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds gesprochen worden, wie Sabine Horvath, Leiterin des Basler Standortmarketings, verrät.

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Brechen wir das Eis: Was wird in der Regel geschrien, wenn der Stein Fahrt aufnimmt?

Butzebutzebutze!

Hurryyyyyyyyyyy!

Taler Taler, du musst wandern.

Der Stein schiebt sich also über das Eis. Wissen Sie, wie schwer er ungefähr ist?

Zwischen 17 und 20 Kilo.

Zwischen 12 und 16 Kilo

Zwischen 21 und 35 Kilo

Ganz schön schwer. Der Stein trifft nun auf den ersten gegnerischen vor dem Haus. Vervollständigen sie den Satz, dass er Sinn ergibt: Das ist ein...

Promotion Take-Out

Freeze

Take Out

Zwei Spielzüge weiter haben Sie drei Steine im roten Kreis platziert. Sie haben...

... ein Dreierhaus.

... eine Dreizimmerwohnung.

... ein Dreibein.

Irgendetwas ist heute falsch. Die Steine curlen nicht richtig. Das bedeutet:

Sie flitzen zu schnell über das Eis.

Sie drehen nicht.

Sie saufen ab.

Es läuft wieder besser, sie spielen den nächsten Stein. Dafür müssen Sie allerdings an der ... des Gegners vorbei.

Watch

Offensive Line

Guard

Geschafft, der Stein liegt im Haus. Luzia Ebnöther würde sagen, er liegt...

Shot

Stange

Cüpli

Das ist Pech: Ihr Gegner schmeisst ihren Stein raus, seiner bleibt liegen. In der Fachsprache heisst das...

... Rock and Roll.

... Hit and Roll.

... Drum and Bass.

Bronze

Ansätze sind erkennbar, allerdings fehlt noch ein bisschen etwas bis zur Weltspitze. War Ihnen ein bisschen kalt?

Silber!

Da ist das Hintergrundwissen aus mindestens zwei Olympiaden vorhanden, allerdings sind einige Details noch nicht vollständig aufgetaut.

Gold!

Gratulation, Sie sind ein wahrer Curling-Experte. Beni Thurnheer und Luzia Ebnöther wären stolz auf Sie!

Curling-Quiz

Ein Grund für das fehlende Curling-Fieber ist das schlechte Abschneiden der Schweizer Männer-Equipe. Das Team um Skip Sven Michel gewann nur gerade vier ihrer elf Partien. Schlussrang 9 – zu wenig, um das Publikum auf den Rängen in Ekstase zu versetzen. Der andere Grund, warum das Ziel der Vermarktung fehlschlug, liegt an der Strahlkraft der Sportart Curling selber. Es liegt auf der Hand, dass eine Curling-WM nicht eine so grosse Wirkung wie zum Beispiel ein internationales Fussballspiel oder ein Tennisturnier hat. Dies bestätigt Christoph Bosshardt, Marketing-Leiter von Basel Tourismus: «Curling ist sicher kein Anlass, der hier die Hotelbetten füllt.» Und er fügt an: «Eigentlich ist die Curling-WM eher ein regionaler Anlass, sieht man es von der Perspektive des Zuschauer-Interesses. Fans aus Basel gehen die Spiele schauen. Ein Anstieg der internationalen Gäste in den Hotels haben wir eher weniger», sagt Bosshardt.

Fussball-EM war die Ausnahme

Noch ein paar Wochen vor der Curling-WM kommunizierte das Standortmarketing, man wolle Basel noch stärker als Sportstadt in der Welt präsentieren. Dies gelingt bereits– aber nur bei alljährlich stattfindenden und etablierten Sportanlässen wie den Swiss Indoors oder dem CSI Basel. Natürlich auch dank grosser Aushängeschilder. Dass das im Basler St. Jakob-Park durchgeführte Finale der Fussball Europa League in diesem Jahr ebenfalls einen hohen Stellenwert einnehmen wird, steht ausser Frage. Andere Events, wie eben die Curling-WM 2016, schaffen dies nicht wie erhofft.

Auch andere Anlässe hatten in der Vergangenheit Mühe, auf Interesse bei der Basler Bevölkerung zu stossen: Die Eishockey-WM 1998 war ein Flop. Trotz sehr gutem Abschneiden der Schweizer Mannschaft. Und bei der Handball-EM 2006 blieben nach dem Ausscheiden der Schweizer die Sitze in der St. Jakobshalle meist leer. Die grosse Ausnahme bildete schliesslich die Euro 2008 in der Schweiz und Österreich. Damals fanden sechs Partien im St.-Jakob-Park statt, wobei natürlich alle ausverkauft waren. Basel im Ausnahmezustand.

Dies hat die Curling-WM 2016 nicht geschafft – damit hat aber auch niemand ernsthaft gerechnet. Und dennoch: Der Ertrag war letztlich trotz grossem Aufwand zu klein.