Basel
Flop: Die Euphorie für die Curling-WM ist ausgeblieben

Mit dem Sieg von Kanada ist am Sonntag die Curling-WM 2016 in der Basler St. Jakobshalle zu Ende gegangen. Trotz Bemühungen und finanzieller Hilfe des Standortmarketings war in den vergangenen Tagen in der Region nie Begeisterung für den Wettbewerb spürbar.

Tobias Müller
Drucken
Teilen
Trostlos: Die Curling-WM in der Joggelihalle scheint die Menschen nur am Rande zu interessieren.

Trostlos: Die Curling-WM in der Joggelihalle scheint die Menschen nur am Rande zu interessieren.

Roland Schmid

Eigentlich hätte die Curling-WM 2016 ja gar nicht in der Schweiz stattfinden sollen. Sondern in Schweden. Da dort aber die passende Infrastruktur fehlte, kam Basel zum Handkuss – und durfte nach 2012 erneut die Ausscheidungsspiele um den Weltmeistertitel in der St. Jakobshalle austragen. Die Freude bei den Organisatoren war gross. Und darum die Bemühungen im Vorfeld auch immens, den Event so gut wie möglich zu vermarkten.

Im Vorfeld der Spiele wurde ein Marsch der teilnehmenden Nationen durch die Freie Strasse organisiert. Plakate der Curling-WM schmückten schon Wochen zuvor die Stadt und machten auf das Ereignis aufmerksam. Auf «Eurosport» wurden extra zusätzliche TV-Spots ausgestrahlt. Basel wollte sich der Welt von seiner besten Seite präsentieren.

120'000 Franken investiert

Dabei hat das Standortmarketing Basel, das für die Vermarktung solcher Events verantwortlich ist, keine Kosten gescheut. Rund 120 000 Franken habe es für den Welcome-Event sowie die Werbung investiert. Zusätzlich seien 200 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds gesprochen worden, wie Sabine Horvath, Leiterin des Basler Standortmarketings, verrät.

Ein Grund für das fehlende Curling-Fieber ist das schlechte Abschneiden der Schweizer Männer-Equipe. Das Team um Skip Sven Michel gewann nur gerade vier ihrer elf Partien. Schlussrang 9 – zu wenig, um das Publikum auf den Rängen in Ekstase zu versetzen. Der andere Grund, warum das Ziel der Vermarktung fehlschlug, liegt an der Strahlkraft der Sportart Curling selber. Es liegt auf der Hand, dass eine Curling-WM nicht eine so grosse Wirkung wie zum Beispiel ein internationales Fussballspiel oder ein Tennisturnier hat. Dies bestätigt Christoph Bosshardt, Marketing-Leiter von Basel Tourismus: «Curling ist sicher kein Anlass, der hier die Hotelbetten füllt.» Und er fügt an: «Eigentlich ist die Curling-WM eher ein regionaler Anlass, sieht man es von der Perspektive des Zuschauer-Interesses. Fans aus Basel gehen die Spiele schauen. Ein Anstieg der internationalen Gäste in den Hotels haben wir eher weniger», sagt Bosshardt.

Fussball-EM war die Ausnahme

Noch ein paar Wochen vor der Curling-WM kommunizierte das Standortmarketing, man wolle Basel noch stärker als Sportstadt in der Welt präsentieren. Dies gelingt bereits– aber nur bei alljährlich stattfindenden und etablierten Sportanlässen wie den Swiss Indoors oder dem CSI Basel. Natürlich auch dank grosser Aushängeschilder. Dass das im Basler St. Jakob-Park durchgeführte Finale der Fussball Europa League in diesem Jahr ebenfalls einen hohen Stellenwert einnehmen wird, steht ausser Frage. Andere Events, wie eben die Curling-WM 2016, schaffen dies nicht wie erhofft.

Auch andere Anlässe hatten in der Vergangenheit Mühe, auf Interesse bei der Basler Bevölkerung zu stossen: Die Eishockey-WM 1998 war ein Flop. Trotz sehr gutem Abschneiden der Schweizer Mannschaft. Und bei der Handball-EM 2006 blieben nach dem Ausscheiden der Schweizer die Sitze in der St. Jakobshalle meist leer. Die grosse Ausnahme bildete schliesslich die Euro 2008 in der Schweiz und Österreich. Damals fanden sechs Partien im St.-Jakob-Park statt, wobei natürlich alle ausverkauft waren. Basel im Ausnahmezustand.

Dies hat die Curling-WM 2016 nicht geschafft – damit hat aber auch niemand ernsthaft gerechnet. Und dennoch: Der Ertrag war letztlich trotz grossem Aufwand zu klein.

Interview mit OK-Präsident Bruno Schallberger

Bruno Schallberger, ist die Durchführung der Curling-WM in Basel ein Verlust-Geschäft?

Bruno Schallberger: Nein gar nicht. Wie kommen Sie darauf?

Euphorie hat sich in Basel nie eingestellt, die Zuschauerränge in der St. Jakobshalle blieben oft grösstenteils leer.

Das ist so nicht ganz richtig. Am Donnerstag war die Tribüne 1 zum Beispiel ausverkauft, wie auch an den letzten beiden Tagen. Das sind rund 3000 Zuschauer jeden Tag. Wir sind zufrieden.

Aber trotzdem hat man sich sicher mehr erhofft?

Klar ist, dass uns das frühe Aus der Schweizer Mannschaft sehr geschmerzt hat. Das Ausscheiden kostete uns rund 150 000 Franken aufgrund fehlender Zuschauereinnahmen. Aber trotzdem: Wir haben mehr Tickets im Vorverkauf abgesetzt als bei der WM 2012. Wie die Gesamtbilanz des Turniers ausfällt, können wir erst in den nächsten Tagen sagen, wenn uns die kompletten Statistiken vorliegen.

Der Marketing-Aufwand war gross. Trotzdem hat man in der Stadt kaum mitbekommen, dass die WM stattfindet.

Vom Aufwand her konnten wir tatsächlich nicht viel mehr machen, um zu zeigen, dass eine WM stattfindet. Wir mussten spezielle Wege gehen, um die Zuschauer abzuholen.

Zum Beispiel?

Wir haben Schulklassen aus der Region Gratistickets angeboten, kombiniert mit einer Curling-Lektion in der Halle in Arlesheim. Das Feedback darauf war sehr gut. 1300 Schüler haben an dieser Aktion teilgenommen.

Bei der WM 2012 schauten 100 Millionen TV-Zuschauer zu. Ist Curling eine Sportart, die man lieber am Fernseher schaut?

Sicher braucht es beim Curling ein gewisses Vorwissen, bevor man in die Halle kommt. Darum bleiben vermutlich auch mehr Zuschauer zu Hause auf dem Sofa, als in die Halle zu kommen. Aber nochmals: Ich bin zufrieden mit der Durchführung 2016 hier in Basel. Wir
haben die eigenen Erwartungen erfüllt.

Aktuelle Nachrichten