Meisterwerk
Florio hat viel Zeit und Energie in seine Arbeit gesteckt

Carlo Florio-Pizzo baut bei sich zu Hause die grösste Krippe in ganz Basel. Rund 400 Stunden stand er in seiner kleinen Werkstatt und hat geschnitten, geklebt und gemalt.

Muriel Mercier
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Carlo Florio-Pizzo hat von der Weihnachtszeit nie genug: 200 Krippenfiguren stellt er jedes Jahr im Hof seines Wohnhauses auf.

Carlo Florio-Pizzo hat von der Weihnachtszeit nie genug: 200 Krippenfiguren stellt er jedes Jahr im Hof seines Wohnhauses auf.

Nicole Nars-Zimmer niz

Der Sternenhimmel strahlt. Aus dem Brunnenhahn fliesst Wasser. Ein alter Mann dreht Ton auf einer Scheibe zu einer Vase. Carlo Florio-Pizzo ist zufrieden. Seine Weihnachtskrippe ist fertig – und ein Meisterwerk geworden. Sechseinhalb Meter ist sie lang und zwei Meter hoch. Gegen 200 Krippenfiguren zieren die Krippen-Landschaft. Sie verrichten Hausarbeiten in ihren vier Wänden, verkaufen auf dem Markt Ware, Hirten passen auf ihre Schafe auf. Und in der Mitte kümmern sich Maria und Josef um ihr Jesuskind.

Florio hat viel Zeit und Energie in seine Arbeit gesteckt. Rund 400 Stunden stand er in seiner kleinen Werkstatt neben dem Hauseingang an der Klingentalstrasse, hat geschnitten, geklebt und gemalt. Die Felswände und überhaupt die ganze Landschaft, die auf 20 Meter Holz liegen, hat er aus Papiersäcken gestaltet, sagt er. Die Häuser bestehen aus Karton oder Styropor, denn diese Materialien seien am einfachsten zu bearbeiten, weiss er aus Erfahrung.

Und diese ist lang, hat der 71-Jährige doch bereits im Alter von 12 Jahren mit dem Krippenbau angefangen. Er ist im süditalienischen Bari aufgewachsen. Jede zweite Familie stelle dort zur Weihnachtszeit eine grosse Krippe auf, «es werden sogar Wettbewerbe ausgetragen». Damals, vor 60 Jahren, hat Florio mit ein paar Jungs und mithilfe des Dorfpfarrers jedes Jahr eine Krippe gebaut.

Figuren sind bis zu 60 Jahre alt

«Diese Passion hat mich bis heute nicht mehr losgelassen.» Deshalb kreiert er nun seit 50 Jahren auch in Basel überdimensionale Kunstwerke. Genauer: im Eingangsbereich seines Wohnhauses oder bei der Missione Cattolica Italiana am Rümelinbachweg. Die Figuren sind teilweise bis zu 60 Jahre alt, jedes Jahr kommen Neue hinzu, sagt der gebürtige Italiener. Einige, wie der Bäcker, der Töpfer oder die Waschfrau bewegen sich. Für diese oder das Brunnenwasser kauft Florio jedes Jahr Pumpen und Motoren. «Es ist ein teurer Spass, aber das ist mir egal. Ich baue die Krippe mit Liebe.» Zusatzteile bestellt der gelernte Gipser im Ausland. Die Leinwand mit der Landschaft im Hintergrund zum Beispiel kommt aus Spanien.

Schneemaschine aus Italien

Und das Highlight: Seit letztem Jahr kann Florio es schneien lassen. Eine Maschine aus Italien spritzt ein Mittel aus, das nach wenigen Minuten wieder verschwindet, freut er sich.

Drei Mal hat er die Krippe in diesem Jahr umgebaut. Die ersten beiden Male habe sie ihm nicht gefallen. Das Thema Weihnachtskrippe beschränkt sich bei den Florios nicht nur auf die Wochen im Dezember, sondern das ganze Jahr hindurch. Bevor der Hauswart sein Werk jeweils im April abbaut und das meiste entsorgt, fotografiert er es. «Als Erinnerung und auch damit die nächste Krippe nicht gleich daher kommt. Danach male ich eine Skizze, wie die Neue aussehen könnte.»

Dass Weihnachten das Dauerthema in der italienischen Familie ist, stört sie nicht. Das Weihnachtsfest sei wichtig für sie, erzählt Florio. Seit Ende letzter Woche ist die Krippe an der Kleinbasler Klingentalstrasse 82 nun zur öffentlichen Besichtigung parat.