Asylsuchende
Flüchtlinge im Schloss: Das spornt auch die Katholiken beider Basel an

Einen Bischofssitz haben die Katholiken in der Region nicht zu bieten – doch auch sie wollen Räume öffnen. Die Pfarreien in den beiden Basel hätten fast noch mehr Ressourcen, was die Betreuung der Flüchtlinge angehe, erklärt Thierry Moosbrugger.

Benjamin Wieland
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Schloss Steinbrugg, Solothurn: Vergleichbare Räumlichkeiten können die katholischen Kirchen beider Basel zwar nicht bieten. Dafür wird einiges an Hilfe bei der Betreuung der Flüchtlinge geleistet.

Schloss Steinbrugg, Solothurn: Vergleichbare Räumlichkeiten können die katholischen Kirchen beider Basel zwar nicht bieten. Dafür wird einiges an Hilfe bei der Betreuung der Flüchtlinge geleistet.

Wolfgang Wagmann

Felix Gmür legt die Latte hoch: Der Bischof des Bistums Basel lässt Flüchtlinge in einem Schloss übernachten. Er hat veranlasst, dass in seinem Sitz, dem Schloss Steinbrugg in Solothurn, Räume umfunktioniert werden (bz berichtete). Bald wird in einigen Büros gewohnt.

Eine ähnliche Aufnahmeaktion gibt es in den fünf Dekanaten des Bistums in den beiden Basel nicht. «Was Gmür macht, ist meines Wissens einmalig», sagt Thierry Moosbrugger, Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirchen in Baselland und Basel-Stadt. Er lobt die Vorbildfunktion des Bischofs. «Das bildet einen Sog, einen Anreiz für Pfarreien, über den eigenen Schatten zu springen und in kirchlichen Gebäuden auch so etwas zu realisieren.» Es seien zwar diverse Ideen für Unterkünfte im Gespräch, sagt Moosbrugger – spruchreif sei aber noch keines.

Ähnlich ist die Ausgangslage bei der anderen Landeskirche. Ein Projekt befinde sich in der Abklärungsphase, sagt Roger Thiriet, Medienbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Bei den Reformierten im Baselbiet heisst es hingegen, man habe keine Kenntnis von Projekten, Räume der Kirche für Flüchtlinge bereit zu stellen.

So bleiben bewohnte Gotteshäuser wie das Sigristhaus der Heiliggeist-Kirche in Basel-Gundeldingen vorerst die Ausnahme. Dort wohnt seit Mitte 2014 eine neunköpfige Familie aus Syrien.

Aktionen wie diejenige von Gmür erregen grosses Aufsehen. Moosbrugger will jedoch das Engagement, das die verschiedenen Pfarreien auf anderen Gebieten leisten, nicht unerwähnt bleiben lassen: «Flüchtlinge oder Asylsuchende aufzunehmen, ist eine Art zu helfen. Mit der Unterkunft ist die Arbeit aber nicht getan. Die Betreuung ist sehr wichtig, und hier haben die Pfarreien fast noch mehr Ressourcen.» Als Beispiele nennt Moosbrugger Sprachkurse, Einkaufshilfen, Rechtsberatung oder Unterstützung für die Bewältigung des Alltags.

Als sehr gefragt habe sich der Pfarrei-Sozialdienst erwiesen. Neun Pfarreien in den beiden Basel würden einen solchen anbieten. «Er nimmt eine Art Vermittlerposition zwischen den Flüchtlingen und der Sozialhilfe der Gemeinden ein.» Dann gäbe es auch Beispiele für Räume, die kostenlos für Kurse zur Verfügung gestellt würden, etwa in Allschwil.

Mittlerweile treibt Bischof Gmür sein Vorhaben weiter voran. Spätestens Ende Oktober sollten die Wohnungen bereit sein, sagt Hansruedi Huber, Mediensprecher des Bistums Basel. In den ehemaligen Büroräumen sollen Asylsuchende unterkommen, deren Aufnahmeverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Prunk erwarte sie im Patrizierbau nicht, betont Huber – es handle sich um schlichte Räume.

Vom Rummel überrascht

Mit dem grossen Rummel, den das Vorhaben ausgelöst hat, rechnete Gmür offenbar nicht. «Es ist uns fast ein wenig zu viel geworden», sagt Huber. «Eigentlich wollten wir das Projekt nicht an die grosse Glocke hängen. Wir publizierten nicht einmal ein Communiqué dazu.»

Das Bistum habe extrem viele Reaktionen erhalten, sie fielen laut Huber «fast ausnahmslos positiv» aus. «Wenn es nun hilft», sagt Huber, «weitere Leute zu animieren, Flüchtlinge aufzunehmen, dann haben wir unser Ziel erreicht.»