Klage

Flug-Horror ab Basler Euro-Airport: Tourist erlebt harte Landung mit Turkish Airlines

Die Turkish Airlines muss sich gegenüber Kunden vor Gericht verantworten.

Die Turkish Airlines muss sich gegenüber Kunden vor Gericht verantworten.

Ein Passagier aus Basel geht rechtlich gegen die Fluglinie vor. Er hatte während einer Reise grosse Scherereien – und er ist nicht der einzige.

A. F. aus Basel* ging es wie jedem, der in die Ferien verreist: Er freute sich. Vom Euro-Airport ging es im August 2018 via Istanbul nach Dakar, der senegalesischen Hauptstadt. Um es sich angenehmer zu machen, buchte er einen Platz in der Businessclass von Turkish Airlines. Jener Fluggesellschaft, die in den vergangenen Jahren von diversen Reiseportalen in den höchsten Tönen gelobt wurde. Das kann also nur eine positive Erfahrung werden, dachte sich F. Es kam anders.

In Dakar angekommen, fehlte von F.’s Koffer jede Spur, 40 Passagiere waren betroffen. «Obwohl in Istanbul eine Umsteigezeit von 12 Stunden wohl genügt hätte, um Koffer umzuladen», sagt F. Vor Ort gestaltete sich die Lage unübersichtlich, eine Betreuung durch Turkish Airlines gab es nicht. Erst nach drei Tagen kam der Koffer an. Unterdessen hatte sich F. Kleidung und weitere Dinge gekauft, die er zum Leben brauchte. Und war zweimal die 40 Kilometer zum Flughafen gefahren, um sich nach dem Koffer zu erkundigen.

Wieder zu Hause stellte F. fest, dass ihm nur ein Viertel der Meilen, die ihm zugestanden hätten, gutgeschrieben worden war. Für den Rückflug erhielt er gar keine. Das verlorene Guthaben hat einen Wert von 400 Franken. Da platzte F. der Kragen. Er versuchte, eine Rückerstattung der Ausgaben und eine Gutschrift der Meilen einzufordern: «Ich schrieb an die hundert E-Mails, kontaktierte das Helpdesk. Wenn ich jemanden am Telefon hatte, sei es vom Management in Basel, sei es in Istanbul, wurde ich an eine andere Stelle verwiesen.» Er ging am Schalter am Euro-Airport vorbei, auch dort konnte man ihm nicht helfen. Er spürte heraus: «Kulant werden die sich nicht zeigen.»

Die Beschwerden auf Online-Foren häufen sich

F. liess sich das nicht gefallen. Im März hat er beim Zivilgericht Basel-Stadt Anklage erhoben gegen die Türk Hava Yollari AO, Turkish Airlines in Istanbul. Am Dienstag, 30. Juli, findet die Schlichtungsverhandlung statt. F. fordert 4000 Franken Schadensersatz, darin inklusive die Aufwendungen durch den nicht gelieferten Koffer, die Meilen und 12 Stunden Arbeitszeit. «Es geht weniger ums Geld, als darum, dass die Airline aufhört mit diesen Geschäftspraktiken. Die speisen einen so lange ab, bis man aufgibt. Das hat System.»

Tatsächlich ist F. kein Einzelfall. Die bz las auf verschiedenen Reiseportalen mehrere dutzend aktuelle Bewertungen zur Airline. Viele schreiben über schlimme Erfahrungen im Falle eines gecancelten Fluges. So schrieb etwa eine Userin aus Deutschland: «Absoluter Horror!!! Mitarbeiter am Flughafen sind unfreundlich und nicht hilfsbereit. Wir bleiben auf allen Kosten sitzen. Ich bin schockiert, wie Fluggastrechte hier mit Füssen getreten werden.» Ein anderer schrieb zum Personal am Boden: «Sie verstehen weder Englisch noch Deutsch.» Weiter ein Schweizer, der im März von Zürich nach Dakar geflogen ist, ähnlich wie Andreas F. Auch ihm ging der Koffer verloren – und dieser ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. Der Kommentar des Passagiers: «Ersatzkosten sind nicht befriedigend. Sehr schlechter Service.»

Vivienne Gaskell, Sprecherin des Euro-Airports, wollte den Fall von F. nicht kommentieren. Sie verwies an das Regionalmanagement von Turkish Airlines. Doch selbst sie konnte zuerst nicht sagen, wer die aktuelle Ansprechperson ist. Als die bz schliesslich einen Kontakt erhielt, gab die Dame an, dass man zum Fall von A. F. keine Stellung abgeben, aber zur Schlichtungsverhandlung erscheinen werde. Es ist wohl kein Zufall, dass Turkish Airlines bei der diesjährigen Award-Vergabe des Flugbewertungsportals Skytrax – der Oscar der Airline-Branche – um 9 Plätze auf Rang 27 abgerutscht ist.

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*Name der Redaktion bekannt

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