Noch selten seit seiner Gründung im Jahr 1973 stand der Schutzverband der Bevölkerung rund um den Euro-Airport (EAP) derart im Fokus wie heute. Im Zuge der Klimadebatte erhalten seine Forderungen enormen Aufwind – etwa nach einer Plafonierung der Flugbewegungen, einer Ausweitung der Nachtflugsperre sowie einem Rückgang der Südstarts und -landungen. Zudem schliessen sich zunehmend bürgerliche Lokalpolitiker – mehrheitlich aus Binningen und Allschwil – den Forderungen an. Ein Novum.

Allerdings: In den Mitgliederzahlen des Verbands äussern sich das gestiegene Interesse am Thema Lärm und die damit verbundene Belastung nicht. Total wurden Ende vergangenes Jahr 793 Mitglieder gezählt, gegenüber 820 im 2017. Die Gründe für den Rückgang ortet Schutzverband-Geschäftsführerin Kalinka Marchesi darin, dass ältere Mitglieder verstorben und andere weggezogen sind. «Wir verzeichnen auch Neuanmeldungen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Familien.»

Keine Voten aus dem Neubad

Unter den neuen Mitgliedern dürften sich indes kaum Basel-Städter befinden. Bei den Einzelmitgliedern machen sie nicht einmal 25 Prozent aus, bei den Familien gar lediglich 14 Prozent. Madeleine Göschke, Präsidentin des Schutzverbands, sagt dazu auf Anfrage: «Aus der Stadt zählen wir tatsächlich deutlich weniger Mitglieder.» Sie überlegt laut, ob der Schutzverband vielleicht mehr Reklame machen müsse in Basel. «Aber es ist nicht von der Hand zu weisen: Vom Fluglärm sind vor allem Bewohner des Kantons Baselland und nicht des Kantons Basel-Stadt betroffen,» so Göschke.

Das stimmt so allerdings nicht ganz. Das Basler Neubad-Quartier grenzt an Binningen und Allschwil, also an jene Gemeinden, die am lautstärksten ihren Ärger über den Fluglärm kundtun und auch auf parlamentarischer Ebene am aktivsten sind.

Regte sich im Neubad zur Einführung des neuen Instrumentenlandesystems ILS im Jahr 2008 noch Widerstand, weil das System zu mehr Landungen von Süden auf dem EAP führte, sind während der aktuellen Diskussion zwischen Vertretern des Flughafens und Lärmgegnern keine Voten aus diesem Perimeter auszumachen. Der Neutrale Quartierverein Neubad ist jedoch Mitglied des Schutzverbands. Präsident Christoph Wydler sagt: «Es stimmt, dass wir weniger stark auftreten als auch schon. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns mit dem Fluglärm arrangiert haben. Das ist sehr wohl ein Thema im Quartier.»

Reklamationen «bringen nicht viel»

Vielmehr habe man festgestellt, so der Alt-Grossrat, dass Reklamationen «nicht viel bringen». Ausserdem fungiere der Schutzverband laut Wydler mehr als Sprachrohr für die Bewohner des Baselbiets, nicht aber für die Städter. Dies hat auch mit seiner Entstehungsgeschichte zu tun: Der Verband wurde gegründet, um die Anliegen der flughafennahen Baselbieter Gemeinden zum Ausdruck zu bringen.

Wydler stellt auch fest, dass es in Basel an «Figuren in der Politik» fehle, die sich für die Interessen der lärmgeplagten Bevölkerung einsetzten. «Im Landrat sind potente Politiker aus wohlhabenden Gemeinden wie Allschwil und Binningen dabei, die direkt politischen Druck ausüben können.» Er selbst versuche, sich in der Fluglärmkommission für die Anliegen der Lärmgegner einzusetzen. «Allerdings muss ich konstatieren, dass deren politische Bedeutung eher gering ist.»