Bildung

Flugverbot für Abschlussklassen: Jetzt wird’s ernst für reiselustige Basler Lehrer

Basler Schülerinnen und Schüler müssen auf ihrer Maturreise wohl bald auf den Flieger verzichten.

Basler Schülerinnen und Schüler müssen auf ihrer Maturreise wohl bald auf den Flieger verzichten.

Basler Lehrer dürfen bald nicht mehr fliegen – Schülerinnen und Schüler wollen nicht mehr.

Die Schulabschlussreise nach London oder Griechenland dürfte bald der Vergangenheit angehören. Im Kanton Basel-Stadt steht ein Flugverbot für Lehrpersonen und Schulklassen bevor. Das zeigt die Petition «Gegen Schulabschlussreisen mit dem Flugzeug an Gymnasien». Erarbeitet wurde diese vergangenen Frühling an einem Workshop zum Thema Freiwilligenarbeit am Theobald- Baerwart-Schulhaus.

Die Forderung nach einem allgemeinen Flugverbot für Abschlussreisen erntet viel politische Zustimmung, wie der Bericht der zuständigen Petitionskommission des Grossen Rats zeigt. Die Mehrheit der Kommission befürwortet ein für alle Gymnasien verbindliches Flugverbot.

Kurz zuvor hatte das Gymnasium Leonhard im Zusammenhang mit den aufkommenden Protesten der Klimajugend als erste Basler Schule entschieden, dass bei Maturreisen auf den Flieger verzichtet werden muss. Mittlerweile haben sich zwei weitere Gymnasien angeschlossen. Auch an den restlichen dreien laufen entsprechende Diskussionen.

«Nachhaltiger, wenn Schüler selbst entscheiden»

Aktuell nutzt noch rund die Hälfte der Basler Maturklassen für ihre Abschlussreise das Flugzeug. Das Resultat sei gemäss den Ausführungen der Schüler ein CO2-Ausstoss von rund 150 Kilogramm. Würden die Abschlussreisen mit dem Bus durchgeführt, so wäre der Ausstoss halbiert. Mit dem Zug würde sich der Verbrauch im Vergleich zum Flugzeug auf einen Fünfzigstel reduzieren.

Da sich alle Ziele der Maturklassen innerhalb von Europa befinden, könne die Reise auch problemlos mit Zug oder Bus zurückgelegt werden, so die Schülerinnen und Schüler.

Auch Vertreter des Erziehungsdepartements zeigten sich in der Besprechung der Petition «überaus positiv gesinnt». Der Rektor des Gymnasiums Kirschgarten, welches bereits ein Flugverbot erlassen hat, argumentierte aber, dass es sinnvoller und nachhaltiger sei, solche Beschlüsse zusammen mit den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten, da Entscheide von oben herab kritischer betrachtet würden.

Flugverbot dürfte mehr Zeit und Geld kosten

Auch das Erziehungsdepartement will den Entscheid über ein Flugverbot auf Ebene der einzelnen Schulen fällen, statt die Schulverordnung zu ändern. Man hoffe, dass eine Diskussion auch das Bewusstsein für Flüge im Privatleben erhöhe und so nachhaltiger wirke als ein Verbot. Zumal es im Zusammenhang mit Abschlussreisen auch weitere Aspekte gibt, die immer wieder ausgehandelt werden müssen, wie etwa der Umgang mit Alkohol oder das Reiseziel. Von einem Flugverbot ausgenommen werden müssten aber gemäss Erziehungsdepartement die sogenannten «Kulturreisen», also zum Beispiel Austausche mit Partnerschulen. So arbeitet etwa das Gymnasium Leonhard mit einer Schule in Schanghai zusammen.

Als weiteren Punkt gegen einen Flugverzicht gaben die Vertreter des Erziehungsdepartements zu bedenken, dass die neue Regelung zu höheren Kosten für die Maturareisen führen könnte und der Kanton vermehrt Schülerinnen und Schüler unterstützen müsste. Auch benötige nachhaltiges Reisen mehr Zeit.

Die Mehrheit der Kommission dagegen spricht sich für ein einheitliches und verbindliches Flugverbot für alle Basler Schulen aus und gegen eigene Lösungen eines jeden Gymnasiums.

Flugverbot für Lehrer ist sowieso zu erwarten

Es ist auch gut möglich, dass die Schaffung eines Verbots für die Schülerinnen und Schüler gar nicht mehr nötig sein wird. Denn im Parlament ist noch die Motion «Bahnreisen statt Flugreisen» von SP-Grossrat Jörg Vitelli hängig. Diese fordert, dass Kantonsangestellte bei Reisen unter 1000 Kilometern grundsätzlich nicht mehr fliegen dürfen. Bis im Sommer muss die Regierung eine Gesetzesänderung vorlegen. Im Parlament wurde der Vorschlag auch von den Grünliberalen und einer Reihe bürgerlicher Politiker unterstützt. Wenn künftig Lehrpersonen im Job nicht mehr fliegen können, fällt diese Möglichkeit auch für Maturareisen weg. Ausser wenn die Abschlussreise während der Ferien durchgeführt wird.

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