Kreuzfahrten haben in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt – nicht nur auf dem Meer, sondern auch auf dem Fluss. Der in Basel ansässige Verband IG River Cruises sprach im Frühjahr von einer «Goldgräberstimmung». Rund 30 neue Flusskreuzfahrtschiffe seien 2015 neu gebaut worden, drei Viertel davon unter Schweizer Flagge. Ein «Hotspot» der Branche ist Basel, wo einige Firmen domiziliert sind. Dass Basel so wichtig ist, hat einen historischen Grund: Hier ist das Schifffahrtsregister, und die Rheinschifffahrtsdirektion hatte gewünscht, dass die Firmen auch vor Ort sind.

Komplexes Geschäft

Das «River Cruise»-Geschäft ist eine komplexe Angelegenheit. Die Betreiber sind oftmals nicht Besitzer der Schiffe, es gibt jene Mischformen. Einige lassen die ganze Flotte verwalten, andere verchartern die ganze Flotte an Reiseveranstalter. Einige Beispiele:

Viking River Cruises Die Firma macht praktisch alles selbst – vom technischen Betrieb der Flotte mit 61 Schiffen über Hoteldienstleistungen und Mitarbeiterrekrutierung bis zum Verkauf. Die Firma wurde 1997 von einem skandinavischen-holländischen Konsortium unter Torstein Hagen gegründet. Der operative Hauptsitz ist in Basel, hier arbeiten 143 Angestellte. Der Firmenhauptsitz ist in den USA, woher auch ein grosser Teil der Kundschaft stammt. Bei Viking River Cruises arbeiten rund 4000 Angestellte.

Knatsch wegen Eurolöhnen

Die Firma geriet in die Schlagzeilen, als im Januar 2015 die Löhne praktisch ohne «Vorwarnzeit» nicht mehr in Franken, sondern in Euro ausbezahlt wurden. Das bedeutete eine Lohneinbusse, wie Gewerkschaft Nautilus reklamiert, umso mehr, als dass die Hotelangestellten extrem lange Arbeitszeiten hätten.

Ein Gewerkschaftssprecher räumte gegenüber der bz allerdings ein, dass dies bei den Schiffsführern wohl nicht vorkomme. In diesem Bereich gälten strenge Regeln, deren Einhaltung auch kontrolliert würden.

River Advice betreibt eine Flotte von 45 Kreuzfahrtschiffen mit Technik-, Schifffahrt- und Hotel/Cateringdienstleistungen. Hierzu gehören auch Planung, Finanzierung und Überwachung von Schiffsneubauten oder Modernisierungen, Hafendienstleistungen, Verkauf von Schiffen und Charterbetrieb. Die Reederei hat beispielsweise auch fünf Schiffe unter (Catering-) Vertrag, die dem Reisebüro Mittelthurgau gehören.

Amawaterways Die Tochtergesellschaft des US-Konzern gleichen Namens beschäftigt in Basel zwölf Angestellte. Sieben sind für den operationellen Betrieb der 16 Schiffe zuständig. Sie kümmern sich um Störfälle und, bei Hoch- oder Niederwasser, um logistische Belange (Weiterreisen, Hotelunterkünfte, etc.). Es gibt zwei administrative Leiter, drei weitere Angestellte befassen sich mit Versicherungen, Steuern, Buchhaltung, etc. Auch hier ist Komplexität angesagt. Jedes Schiff ist aus Gründen der Risikostreuung eine Firma. Geschäftsführer Daniel Thiriet ist beim Personalvermittler Seachefs angestellt, ebenso das Personal für den Hotelbetrieb an Bord.

Scylla Eine niederländische Familienfirma, die vor 43 Jahren in Basel gegründet wurde. Scylla betreibt 24 Schiffe mit 88 bis zu 220 Passagieren. In Basel arbeiten 20 Mitarbeiter. Die Firma liefert das ganze Programm: Technik, Hotelbetrieb, Catering. Die Passagiere bringen jedoch die Reiseveranstalter aus dem In- und Ausland.

Uniworld Global River Cuises Die in den USA domizilierte Firma hat eine Tochtergesellschaft in Rheinfelden, die rund 30 Personen im Schiffsmanagement beschäftigt.

DZ Reederei Eine kleine Firma, die fünf Schiffe in der Grösse 100 bis 180 Passagiere betreibt. Die Reederei ist auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen tätig.