SP-Grossrat Jürg Meyer sieht die Gesundheit der Baslerinnen und Basler in Gefahr. Der Grund: Die fünfte Mobilfunkgeneration, kurz 5G, die derzeit von den grossen Telekommunikationsfirmen installiert wird. Mit Verweis auf den Kanton Genf, wo das Kantonsparlament vor einem Monat ein Moratorium erwirkt hatte, will er von der Basler Regierung wissen, ob sie den Antennenbau stoppen werde – bis geklärt ist, ob die Strahlen gesundheitsschädigend sind.

Meyer meldet sich per Handy bei der bz. Er sagt: «Leute aus meinem Umfeld sind auf mich zugegangen und haben mir von ihren Sorgen über die 5G-Strahlung erzählt. Probleme mit Strahlen gibt es schon bei der heutigen Technologie, aber 5G ist eine weitere Eskalationsstufe.»

Mit dieser Meinung ist Meyer nicht alleine. Auch im Baselbieter Landrat wurde gestern eine Motion eingereicht, die ein zweijähriges Moratorium fordert. «Das Moratorium soll so lange aufrechterhalten werden, bis unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse zu den potenziellen Gesundheitsschäden für Mensch, Tier und Pflanzen vorliegen», schreibt Motionärin Désirée Jaun (SP).

Online-Petition

Noch deutlichere Worte kommen aus Dornach. Dort führt Notburga Klett ihre Gesundheitspraxis. Klett hat Anfang April eine Online-Petition gestartet, die den Bundesrat auffordert, «sofortige Massnahmen zu ergreifen, um den Einsatz von 5G in der Schweiz, auf der Erde und im Weltraum zu stoppen und dadurch die gesamte Menschheit sowie die Tier- und Pflanzenwelt zu schützen.» 22'357 Menschen haben die Petition bereits unterschrieben, tausende beteiligen sich an der Diskussion. So sind mittlerweile zwölf Forderungen zur Einschränkung der Strahlenbelastung zusammengekommen.

Eine davon ist, dass es künftig «weisse Zonen» geben soll, die gänzlich frei sind von Strahlung, also Handy-Funklöcher, in denen auch kein WLAN betrieben werden darf. Ebenso sollen Zugabteile mit Schutzzonen für elektrosensible Menschen geschaffen werden mit Flugmodus-Pflicht für Handys. Klett war gestern für die bz nicht erreichbar (ihr Handy war ausgeschaltet oder im Flugmodus).

Auf der Petitionsseite sammeln sich nicht nur die Stimmen, sondern auch die Kommentare von Verschwörungstheoretikern. «Terror gegen die Menschheit» sei 5G, findet einer, ein anderer glaubt, dass «5G schon im 2. Weltkrieg von den Chinesen als Waffe eingesetzt worden» sei. Ein Unterstützter ruft all jene auf, bei denen in der Nähe bereits eine 5G-Antenne in Betrieb genommen worden ist, Bilder von den toten Vögeln in ihren Vorgärten zu machen und auf Facebook zu posten. «Da ich noch keine 5G Antenne habe, fallen die Vögel bei mir noch nicht vom Himmel», schreibt er.

Bund verbietet 5G-Verbot

Was Klett und ihren Mitstreitern angerechnet werden kann, ist, dass sie sich zumindest an die richtige Stelle wenden – den Bundesrat. Die Kantonsregierungen hingegen haben gemäss Bundesamt für Kommunikation (Bakom) gar keine Kompetenz, den 5G-Ausbau zu stoppen. «Die 5G-Verboten sind rechtswidrig, da das schweizerische Umweltschutzgesetz und die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung dem Bund eine umfassende Rechtssetzungskompetenz einräumt», schreibt die Fachzeitschrift «Netzwoche».

Wie viele 5G-Antennen derzeit in der Region in Betrieb sind, weiss das Bakom nicht. Die Online-Karte, auf der die Antennenstandorte durch die Netzbetreiber eingetragen werden, wird überarbeitet. Verlässliche Daten sollen ab nächster Woche zur Verfügung stehen. Sicher ist, dass mit Swisscom und Sunrise bereits zwei Betreiber in Basel 5G anbieten, im Sommer wird mit Salt ein dritter dazukommen.