«Im Fussball gibt’s eine gelbe Karte, wenn man auf Zeit spielt», nervte sich Basta-Grossrat Beat Leuthardt heute Mittwoch, dass seine Fragen zur bevorstehenden Grossbaustelle beim Centralbahnplatz nicht direkt mündlich, sondern erst in ein paar Wochen schriftlich beantwortet werden.

Der angesprochene Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) allerdings bekam von seiner politischen Verwarnung nichts mit. Er sass wenige Meter neben dem Redner an seinem Platz im Parlament und widmete sich offenbar Wichtigerem.

So erfuhr er auch erst später, dass der Druck auf sein Departement wächst, die Bauarbeiten zu verschieben. Im Parlament wurde eine Motion eingereicht, in der ein Baustopp gefordert wird. Bemerkenswert: Der Vorstoss wurde von Politikern aller acht Parteien, die im Grossen Rat vertreten sind, unterschrieben. Eigentlich ein überdeutliches Zeichen.

Keine Verbesserungen geplant

Die Motion ist die nächste Eskalationsstufe in der Diskussion um die Grossbaustelle. Ab März sollen auf dem Centralbahnplatz die Bagger auffahren und die rund zwanzig Jahre alten Gleise ersetzen. Doch obwohl die unübersichtliche Situation seit Jahren für Kritik sorgt, sind keine Änderungen geplant.

Die Diskussion nochmals neu belebt hat kürzlich ein Vorschlag des früheren Grossrats Urs Müller. Die Linien 1 und 8 sollen aus der Richtung Markthalle nicht mehr vor dem Bahnhofsausgang den Platz queren. Stattdessen würden sie künftig auf der Westseite halten, wie der 2er. So entstünde vor dem Bahnhofsausgang eine sichere Insel für Fussgänger.

Nun wollen die Politiker von links bis rechts die Notbremse ziehen. «Wir wollen keine Grossbaustelle, die nur den aktuellen Zustand für mindestens 15 Jahre zementiert», sagt Leuthardt. Daher solle das aktuell laufende Projekt auf die für die Sicherheit notwendigen Massnahmen minimiert oder ganz gestoppt werden. Bis im Dezember soll dann die Regierung ein Gesamtkonzept vorlegen, wie die Situation auf dem Centralbahnplatz verbessert werden kann.

Die Krux: Die Motion kommt zu spät. Wenn die Regierung nicht will, kann sie den Vorstoss auf die lange Bank schieben, bis die Bagger Fakten geschaffen haben. Und wenn man das Verhalten von Wessels als Massstab nimmt, so sieht es nicht so aus, als dass sich der Bau- und Verkehrsdirektor die Sache nochmals überlegen will.