Die Bise, die dem Direktor der Pädagogischen Hochschule (PH) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ins Gesicht weht, wird stärker. Erst waren Herrmann Fornecks Mitarbeiter unzufrieden, nun sind es auch immer mehr Politiker. Wie die bz weiss, formieren sie sich an verschiedenen Fronten und wollen im Baselbiet gar eine Volksinitiative.

Zunächst muss sich Forneck an einer Sitzung am 18. November den Forderungen der Interparlamentarischen Kommission der FHNW (IPK) stellen. Wie IPK-Mitglied Marc Joset sagt, dürfte ein Einlenken der FHNW für die Subventionen der nächsten Leistungsperiode ab 2015 entscheidend sein: «Die Sek-1-Lehrer sollten ihre Fachausbildung wieder an der Uni machen», so Joset. Hintergrund dieses Anliegens ist die Kritik, die zuletzt an der Qualität der PH-Schulabgänger laut wurde. Es ist eine Kritik, die offenbar schon länger schwelt. «Schon vor zwei Jahren, als der letzte Leistungsauftrag erteilt wurde, stellten die Politiker die fachtechnische Ausbildung an der PH infrage», erinnert sich der Binninger.

Zu wenig Fachausbildung

Dies hatte zur Folge, dass die fachliche Qualität der PH-Abgänger evaluiert wurde. Die Resultate kennt Joset nicht, dafür ist der ehemalige Lehrer aber über die Erfahrungen seiner Kollegen im Bild. Jürg Wiedemann etwa, der Baselbieter Grünen-Landrat, hat seine Bedenken schon verschiedentlich kundgetan. Wenn Joset über Wiedemann sagt, dass «wir ein und derselben Meinung sind», dann meint er die Kritik am Ausbildungsgang der PH. Der Fokus, so die beiden, liegt zu stark auf der Pädagogik, die Fachausbildung wird vernachlässigt.

Uneins sind sich Wiedemann und Joset, welches politische Instrument geeigneter ist. Daher droht der FHNW und Forneck doppeltes Ungemach. Wiedemann unterstützt die Idee einer Volksinitiative. Eine solche fasst das Komitee «Starke Schule Baselland» ins Auge. Die parteilose Geschäftsführerin Saskia Olsson sieht eine Initiative «als einzige Möglichkeit, sich als Nichtpolitiker zur Wehr zu setzen». Zuletzt sei die Sache im Komitee diskutiert worden. Ein Geschäftsleitungsmitglied, das an der Sekundarschule unterrichte, habe ebenfalls schlechte Erfahrungen mit PH-Abgängern gemacht.

Parlamentarischer Weg bevorzugt

Die Mehrheit der Politiker ist aber der Meinung, dass zunächst parlamentarisch Druck ausgeübt werden soll. «Wenn wir den Anteil der Fachausbildung erhöhen wollen, dann ist der Weg nicht eine Initiative, sondern eine Änderung des Leistungsauftrages», sagt etwa Oswald Inglin, Basler CVP-Grossrat und IPK-Mitglied. Die IPK könnte eine solche Änderung den Regierungen aller vier Trägerkantone vorlegen; entscheiden würden aber schliesslich die Kantonsparlamente.

Dass die Fachausbildungen der Sek-1-Lehrgänge dereinst wieder der Uni angegliedert würden, glaubt er aber nicht. «Das läge nicht im Interesse Aargaus und Solothurns.» Das klang unlängst anders: Als Mitglied der «Gruppe für eine verbesserte Sek-1-Ausbildung» hatte er Ende der letzten Woche noch einen offenen Brief unterschrieben, in dem er forderte, dass die «Universität als traditionelle Repräsentantin dieser Kompetenzen» die fachspezifische Ausbildung erhalten sollte.

Auf einen Abstimmungskampf bereitet man sich zwar bei der FHNW nicht vor. Von der Forderung, die Fachausbildung der Sek-1-Lehrer wieder bei der Uni anzugliedern, hatte die Fachhochschulratspräsidentin Ursula Renold bis zum gestrigen Tag noch gar nie etwas gehört. Doch dass die Politik ihre Muskeln spielen lassen kann, bekam die FHNW im Baselbiet schon einmal zu spüren. Als es um die Erhöhung des Globalbeitrags für die Leistungsperiode 2012-2014 ging, legte der Landrat zunächst ein Veto ein. Das spätere Ja koppelte die Legislative an die Bedingung, dass Doppelspurigkeiten zwischen der Uni und der FHNW überprüft würden.