Der Ticket-Vorverkauf für die neunte Ausgabe des Basel Tattoo, die vom 18. bis 26. Juli 2014 auf dem Kasernenareal im Kleinbasel stattfindet, läuft bereits. An einer Medienkonferenz Ende 2013 hatte Produzent Erik Julliard das Programm für das diesjährige Militärmusikfestival vorgestellt. Julliard hegt einmal mehr grosse Pläne. Erstmals soll eine Formation aus China auftreten.

Auf den langwierigen Streit um die Durchführung der Grossveranstaltung will Julliard nicht mehr eingehen. Die Behörden hätten die Bewilligung für das Tattoo 2014 erteilt, sagte er an der Medienkonferenz dazu nur. Diese wurde am 7. November 2013 – so früh wie noch nie – durch die Allmendverwaltung ausgesprochen, wie deren Leiter Niklaus Hofmann auf Anfrage bestätigt.

Recherchen zeigen: Hinter den Kulissen tobt der Streit um das Tattoo weiter – und dies mit zunehmender Schärfe. Übermorgen Dienstag steht eine Verhandlung vor dem Appellationsgericht auf dem Programm. Erik Julliard, vertreten durch seinen Vater Thierry P. Julliard, hat Rekurs eingelegt gegen den Entscheid der Baurekurskommission vom Januar 2013. Die Kommission hatte eine Einsprache des Vereins «Heb Sorg zum Glaibasel», dreier Anwohner sowie eines benachbarten Gewerbebetriebs gegen die Bewilligung für das Tattoo 2012 gutgeheissen, da diese von der «falschen Behörde» erteilt worden sei. Nicht die Allmendverwaltung, sondern das Bauinspektorat sei für das Kasernenareal zuständig. Die Anwohner wehrten sich damit erfolgreich dagegen, dass das Tattoo den Rasen für die Toiletten beansprucht. Die Basel Tattoo Productions GmbH wurde zudem zur Zahlung von Verfahrens- und Parteikosten in der Höhe von 7500 Franken verpflichtet.

Julliards Rekurs sorgt in Justizkreisen für Erstaunen. Erstens, weil die Begründung der Baurekurskommission, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegt, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Zweitens, weil das Verdikt des Appellationsgerichts keine unmittelbaren Konsequenzen hat. Sowohl das Tattoo 2012 als auch jenes 2013 fanden statt. Die Regierung hat rasch gehandelt und im April 2013 das Bewilligungsverfahren für Veranstaltungen auf dem Kasernenareal auf eine saubere gesetzliche Grundlage gestellt. Die Bau- und Planungsverordnung wurde angepasst und der Allmendverwaltung explizit die Zuständigkeit für das Kasernenareal übertragen.

Anwalt Thierry Julliard schlägt in der Rekursbegründung einen angriffigen Ton an. Der Baurekurskommission wirft er «überspitzten Formalismus» und «formaljuristische Spitzfindigkeit» vor. Seiner Ansicht nach ist die Bewilligung für das Tattoo 2012 von der zuständigen Behörde erteilt worden. Die Allmendverwaltung habe eine langjährige Praxis angewendet, die es im Rahmen des Gutglaubensschutzes zu schützen gelte. Julliard spricht den Anwohnern zudem die Einsprachelegitimation ab, da diese nicht stärker betroffen seien als andere Quartierbewohner.

Anwalt Julliard wehrt sich auch dagegen, die Verfahrens- und Parteikosten zu tragen. Die «Bestrafung» sei «geradezu stossend und völlig lebensfremd», kritisiert er. Die Basel Tattoo Productions GmbH habe weder einen materiellen noch einen formellen Fehler begangen. «Vielmehr hat sie sich zu Recht vollumfänglich darauf verlassen, dass das Baudepartement und insbesondere dessen Allmendverwaltung das korrekte Verfahren durchführen und die entsprechend gültigen Bewilligungen erteilen.»

Die Baurekurskommission kontert, in der Verwaltungsrechtspflege seien die Kosten von der unterliegenden Partei zu tragen; ferner könne diese zu einer Parteientschädigung verurteilt werden. Die Basel Tattoo Productions GmbH habe als Gesuchsstellerin die Durchführung des Bewilligungsverfahrens und den Erlass der Entscheide veranlasst.

In ihrer Rekursbeantwortung zeigt sich die Baurekurskommission generell unbeeindruckt und lässt Julliard auflaufen. Dieser bringe nichts vor, das nicht bereits vor der Kommission thematisiert worden wäre. Die Kommission kritisiert Julliards Argumentation als «nicht konsistent», dieser verkenne «diverse Grundsätze der Raumplanung» und mache «unrichtige Ausführungen».

Unbeeindruckt ist auch Thomas Mächler. Der Präsident des Vereins «Heb Sorg zum Glaibasel» wurde Ende 2013 von der «Basler Zeitung» wegen seiner Einsprache in die Liste der «schlechtesten Demokraten» aufgenommen. Für ihn hat sich die Angelegenheit mittlerweile erledigt. «Wir gehen davon aus, dass das Tattoo das Verfahren nutzen will, um Gratis-PR zu machen», sagt er. «Rechtlich ist die Sache extrem dürftig.»