Forschung
Forscher entdecken: Robben und Seelöwen brachten Tuberkulose nach Amerika

Bisher hielt man die Europäer dafür verantwortlich, dass die Tuberkulose nach Amerika gelangte. Nun hat ein internationales Forscherteam mit Basler Beteiligung eine andere Quelle ausgemacht: Robben und Seelöwen brachten den Erreger wohl viel früher.

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Bisher hielt man die Europäer dafür verantwortlich, dass die Tuberkulose nach Amerika gelangte. Nun haben Forscher herausgefunden, dass Robben und Seelöwen den Erreger mitbrachten. (Symbolbild)

Bisher hielt man die Europäer dafür verantwortlich, dass die Tuberkulose nach Amerika gelangte. Nun haben Forscher herausgefunden, dass Robben und Seelöwen den Erreger mitbrachten. (Symbolbild)

Jürg Stauffer

Das Team, zu dem auch Forscher des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) in Basel gehörten, hat 1000-jährige menschliche Knochen aus Peru analysiert. Es hat darin ein heute ausgestorbenes Bakterium gefunden, das am nächsten mit dem heutigen Tuberkulose-Erreger in Robben verwandt ist, wie das Swiss TPH am Mittwoch mitteilte.

Die Forscher vermuten, dass Robben das Bakterium aus Afrika an die Küsten Perus transportiert haben. «Robben als Verbreiter der Tuberkulose (TB) sind eine unerwartete Erkenntnis», sagte Mitautor Sebastien Gagneux vom Swiss TPH in der Mitteilung. Der Stamm könne Menschen zwar krank machen, aber eine Ansteckung sei extrem selten und er werde heute nicht weiter verbreitet.

Durch Jagd und Verzehr angesteckt

Durch die Jagd und den Verzehr der Tiere ist der Erreger auf die Menschen übergegangen und hat sich an diesen angepasst, vermuten die Forscher in einem im Fachjournal «Nature» veröffentlichten Artikel. Dies schon viele Jahrhunderte vor der europäischen Kolonisierung.

Forschende waren lange Zeit davon ausgegangen, dass die Krankheit erst mit den Europäern im 15. Jahrhundert nach Amerika eingeschleppt wurde. «Es gab bereits früher Anzeichen, dass diese These so nicht stimmte und dass die Krankheit dort schon vorher existierte», sagte Gagneux. «Mit der Studie konnten wir nun den eigentlichen Erreger der präkolumbianischen Tuberkulose identifizieren.»

Die Forscher hoffen, dass neue Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte der TB-Bakterien und deren Sprung vom Tier zum Menschen helfen könnten, um neuartige Medikamente, Impfstoffe oder bessere Strategien zur Kontrolle der Krankheit zu entwickeln.

An Tuberkulose erkranken laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich rund 9 Millionen Menschen und etwa 1,5 Millionen sterben daran. In den Industrieländern ist die Tuberkulose im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen. In der Schweiz erkranken noch etwa 550 Menschen jährlich an Tuberkulose, meist an einer gut behandelbaren Form.

An der Studie waren auch Forschende der Universität Tübingen, der Arizona State University und des Wellcome Trust Sanger Institute beteiligt.