Die Studie, an der auch Wissenschaftler der Universität Basel beteiligt waren, legt einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und dem Immunsystem sowie mit der Signalübermittlung im Gehirn nahe, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte. Die Ergebnisse präsentieren die Forscher im Fachjournal «Nature».

Die Erkenntnisse werden in die Lehrbücher eingehen, schätzen Experten in einem Kommentar in der gleichen «Nature»-Ausgabe. Denn bisher waren die biologischen Ursachen der schweren psychischen Krankheit, die etwa jede hundertste Person weltweit betrifft, weitgehend unbekannt. Entsprechend ungezielt waren auch die Behandlungsmöglichkeiten.

Schon lange ist bekannt, dass Schizophrenie zu einem beträchtlichen Teil erblich - also genetisch bedingt - ist. Doch bislang waren nur gut zwei Dutzend Erbgutregionen bekannt, die mit dem Risiko dafür zusammenhängen. Nun haben über 100 Wissenschaftler aus aller Welt in der weltweit grössten Erbgut-Kartierungsstudie für die Krankheit insgesamt 108 solcher Regionen - darunter 83 bislang unbekannte - zu Tage gefördert.

Entstehung der Schizophrenie

«Damit lassen sich erstmals die Stoffwechselwege systematisch kartieren, die zur Entstehung der Schizophrenie beitragen», erklärte Sven Cichon, Professor für Medizinische Genetik an der Universität Basel, in der Mitteilung. «Wir stellen uns vor, dass diese genetischen Varianten die betreffenden Prozesse so verändern, dass ihre Träger anfälliger für Schizophrenie sind.»

Das Erbgut von 37'000 Menschen mit und 113'000 ohne Schizophrenie haben die Forscher für die Studie durchforstet. Die Resultate deuten darauf hin, dass vor allem Signalübertragungswege betroffen sind, über die Gehirnzellen Informationen mit Hilfe der Botenstoffe Glutamat und Dopamin sowie der Kalziumkanäle austauschen.

Rolle des Immunsystems

Es fanden sich zudem Hinweise darauf, dass das Immunsystem tatsächlich eine Rolle bei der Entstehung von Schizophrenien spielt. Dies erklärt, warum in Familien mit Autoimmunkrankheiten und nach gewissen Infektionen in der Schwangerschaft Schizophrenie häufiger auftritt. Für diese These gab es bisher keine handfesten Belege.

Den Ergebnissen zufolge spielt bei der Schizophrenie nicht der geänderte Bauplan von Proteinen, die aus den Genen abgelesen werden, die Hauptrolle, sondern die produzierte Menge von Proteinen. Dies könnte ein Ausgangspunkt für verbesserte Therapien sein, die bei der Genregulation ansetzen, erklärte Cichon. Doch sei es schwer abzuschätzen, inwieweit sich dieses Wissen in Therapien umsetzen lässt.

Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die sich in Wahnvorstellungen, Denk- und motorischen Störungen äussert. Etwa eine von 100 Personen ist davon betroffen, oft bricht die Krankheit im frühen Erwachsenenalter aus. Derzeit verfügbare Medikamente behandeln einen Teil der Symptome - den psychotischen Wahn - aber nicht die schweren Beeinträchtigungen des Fühlens und Denkens.