Uni-Basel

Forschungsmillionen für Basel

An der Uni Basel wird künftig auch die Entwicklung von Quantencomputern mit siliziumbasierten Qubits im Fokus stehen.

An der Uni Basel wird künftig auch die Entwicklung von Quantencomputern mit siliziumbasierten Qubits im Fokus stehen.

Die Universität ergattert sich Bundesgelder für zwei naturwissenschaftliche Projekte.

Gleich zwei Mal verwendete Andrea Schenker-Wicki gestern vor den Medien den eher jugendlich geprägten Betriff «Mega». Die Rektorin der Universität Basel verlieh so ihrer grossen Freude darüber Ausdruck, dass gleich zwei von sechs neuen Nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS) an die Alma Mater Basiliensis gehen – und damit 34 Millionen Franken an Bundesgeldern in den kommenden vier Jahren fliessen werden.

Insgesamt 54 Projekte aus allen Fachrichtungen wurden von einer Uni-internen Forschungskommission seit 2017 begutachtet. Zwei davon befanden deren Mitglieder für gut genug, um zur Begutachtung durch den Schweizerischen Nationalfonds eingereicht zu werden. Gleich beide machten das Rennen. Somit erhält die Uni Basel für einen Drittel der insgesamt sechs Projektvergabungen den Zuschlag. Dies bezeichnet die Rektorin als «riesigen Erfolg». Die Uni Basel könne sich so «regional wie international als Ort für Spitzenforschung und attraktiver Partner für die Industrie» positionieren. Ihr Sprecher Mathias Geering liess später im Netz verlauten: «Es ist eine Bestätigung für die profilierte Volluniversität Basel, die ihren Fokus auf Life Sciences und Naturwissenschaften legt.»

Prof. Daniel Loss, Prof. Richard J. Warburton, Prof. Jelena Klinovaja

Prof. Daniel Loss, Prof. Richard J. Warburton, Prof. Jelena Klinovaja

Neue Methoden gegen Antibiotika-Resistenzen

Torsten Schwede, Vizerektor Forschung, betonte, dass die beiden ausgewählten Projekte «sowohl eine wissenschaftliche wie gesellschaftliche Relevanz» aufwiesen. Tatsächlich ist die breite Bedeutung des Projekts «AntiResist» des Infektionsbiologen Christoph Dehio auch für Laien sofort erkennbar: Es geht darum, der «Krise der Antibiotika» (Dehio) entgegenzuwirken, einen Paradigmenwechsel in der Antibiotika-Forschung und somit in der für Menschen gefährlichen Zunahme der resistenten Keime eine Trendwende herbeizuführen.

Laut Dehio ist die Pipeline an neuen Antibiotika seit Jahren leer. Dies liege daran, dass die Forschung hauptsächlich Bakterien unter künstlichen Laborbedingungen untersuche. Die Krankheitserreger verhalten sich aber im lebendigen Körper ganz anders. Ziel des neuen NFP sei es, völlig neuartige, innovative antimikrobielle Wirkmechanismen zu identifizieren und so zur Entwicklung von neuen Medikamenten beizutragen.

Ein neuer Weg zu Quantencomputern

Den Laien etwas schwieriger zu erklären sind die Ziele des Projekts «Spin» von Richard Warburton, Professor für experimentelle Physik. Er möchte mit seinem Team «die Forschung und Entwicklung künftiger Quantencomputer entscheidend voranbringen und damit die Grundlagen für eine neue informationsverarbeitende Technologie erarbeiten». Im Fokus steht dabei die Entwicklung siliziumbasierter Qubits – das sind jene Kleinst-Speichereinheiten, die im Gegensatz zu herkömmlichen binären Bits die Quantencomputer erst zu dem machen, was sie sind, oder eben sein werden: zu den leistungsfähigsten Rechnern, die heute denkbar sind.

Ganz allein wird die Universität Basel die beiden neuen Forschungsschwerpunkte aber nicht stemmen können. Während «AntiResist» vor allem auf in Basel beheimatete Institutionen und Firmen als Kooperationspartner baut (ETH-Institut für Biosysteme, Universitätsspital oder auch Roche), setzen die Köpfe hinter «Spin» auf die ETH in Zürich, die EPF in Lausanne und vor allem auf die IBM Research im zürcherischen Rüschlikon. Die Bundesmittel fliessen bis 2023. Es ist möglich, dass danach nochmals eine Geldtranche gesprochen wird.

Vier «Basler» Projekte in fast 20 Jahren

Seit 2001 wurden insgesamt 36 Nationale Forschungsprojekte lanciert. Die Universität Basel kam dabei vier Mal zum Zug: Mit den Nanowissenschaften, dem Molecular Systems Engineering, der Bildkritik (Eikones) sowie dem Projekt «Sesam», einer Zusammenarbeit von Psychologen und Medizinern. Letzteres war das umstrittenste wie kurzlebigste: Offiziell wurde es vom Departement des Innern nach vier Jahren 2009 eingestellt, weil nicht genügend Studienteilnehmer rekrutiert werden konnten. Tatsächlich aber war dies eine Folge der politischen Querelen um ein Projekt, das mit seiner teils reaktionären Sicht auf psychische Erkrankungen stark polarisiert hatte.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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