Medizin

Forschungszentrum für 100 Millionen: Uni Basel und ETH spannen für Kindergesundheit zusammen

Das neue Zentrum soll die Kindermedizin auch in ärmeren Gegenden (im Bild Rumänien) fördern.

Das neue Zentrum soll die Kindermedizin auch in ärmeren Gegenden (im Bild Rumänien) fördern.

In Basel wird ein neues Forschungszentrum für Kindergesundheit aufgebaut. Finanziert wird es von der in Basel domizilierten Fondation Botnar, die dafür 100 Millionen Franken zur Verfügung stellt.

«Ein guter Tag für die Uni und ein guter Tag für die Kinder», fasste Andrea Schenker-Wicki zusammen. Seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren musste die Rektorin der Universität Basel vor allem über Sparübungen und Abbau reden. Nun konnte sie einen Coup verkünden. Zusammen mit der ETH Zürich gründet die Uni ein neues interdisziplinäres Forschungszentrum für Kindergesundheit in Basel. Beide Institutionen bringen ihre Stärken in das paritätisch getragene Zentrum ein: Medizin und Life Science von Seite der Uni Basel, Systembiologie und Technikkompentenz seitens der ETH. Mit im Boot sind auch das Universitäts-Kinderspital (UKBB) und das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut.

Finanziert wird das Zentrum von der in Basel domizilierten, aber bisher kaum bekannten Fondation Botnar, welche die Situation von Kindern weltweit verbessern will. Die Anschubfinanzierung für die ersten zehn Jahre beläuft sich auf total 100 Millionen Franken. Die Uni Basel und die ETH steuern den gleichen Gegenwert in Leistungen bei, also Forschung oder Infrastruktur. Geplant ist, dass das Botnar Research Centre for Child Health (BRCCH) auch schnell zusätzliche Eigenmittel generieren wird. Das Budget der Uni Basel, das seit längerem Gegenstand politischer Diskussionen ist, soll also durch das neue Zentrum nicht belastet werden.

«Weltweit führend»

Die Gelder sollen möglichst spezifisch und projektbezogen eingesetzt werden, so der Plan der Verantwortlichen. Vorgesehen sind sechs Assistenzprofessuren und dereinst rund 100 Mitarbeitende. Passende Räumlichkeiten werden zurzeit noch gesucht. Seine operative Tätigkeit soll das Zentrum aber bereits anfangs nächstes Jahr aufnehmen.

Die Verantwortlichen stecken grosse Hoffnungen in das neue Zentrum: «Exzellent und einzigartig», «europa- und weltweit führend» soll das BRCCH werden, sagte Urs Frey, Chefarzt Pädiatrie und interimistischer Leiter Forschung am Kinderspital. Ausserordentlich soll der transdisziplinäre Forschungsansatz des Zentrums werden. Das Neuartige dabei sei, dass nicht einzelne Projekte gefördert werden, sondern dass Gruppen von Forschenden und Medizinern gemeinsam übergreifende Lösungen erarbeiten.

Weltweite Verbesserungen im Fokus

Der Schwerpunkt liegt auf Forschung, die eine direkte Verbesserung der Situation von vielen Kindern weltweit zum Ziel habe. «Wir haben häufig die Situation, dass sehr einfache Methoden helfen würden, wenn das spezifische Wissen vor Ort wäre», sagte Frey. Medizinisch fokussiert sich das BRCCH auf die Themenbereiche Diabetes, Infektiologie/Immunologie, regenerative Chirurgie und Herz- und Lungenerkrankungen. Ausgerichtet wird die Forschung auf digitale und mobile Gesundheitslösungen und auf zellbasierte Therapien. Entwickelt werden sollen etwa neue Methoden und digitale Innovationen für den weltweiten Einsatz in der Pädiatrie. Das Ziel sind kostengünstige Lösungen, die sich auch in Ländern mit beschränkten Ressourcen einsetzen lassen.

Das Konzept für das Botnar Research Centre for Child Health sei in Rekordzeit entworfen worden. «Ich habe nie irgendwelche Politik gespürt, sondern überall nur guten Willen», sagte Lino Guzzella, Präsident der ETH. Die Vorbereitungsarbeiten für die Gründung des Forschungszentrums dauerten gerade mal neun Monate, «eigentlich passend wenn man von einem Kinderzentrum redet», meinte Guzzella. Der definitive Vertrag lag erst drei Tage vor der Unterzeichnung vor.

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