Uhren

Fossil mit Europasitz in Basel baut Swissmade weiter aus

Die Baselworld findet bei Fossil mehrheitlich in eigenen Räumen an der Horbugstrasse statt. Bild: Letzte Vorbereitungsarbeiten in den Showrooms. Kenneth Nars

Die Baselworld findet bei Fossil mehrheitlich in eigenen Räumen an der Horbugstrasse statt. Bild: Letzte Vorbereitungsarbeiten in den Showrooms. Kenneth Nars

Trotz Frankenstärke: Warum Fossil-Europachef Martin Frey nicht von seinen Plänen in Basel und im Jura abrücken will.

Diese Woche beginnt die Baselworld. Mit welchen Gefühlen erwarten Sie diese Messe? Wie läuft für Fossil die Konjunktur in Europa?

Martin Frey: Für uns läuft sie gut, es wird konsumiert in Europa. Wir verzeichneten 2014 ein währungsbereinigtes Wachstum im zweistelligen Prozentbereich und planen auch für 2015 mit über 10 Prozent. Was wir klar spüren, ist die Währungssituation – nicht nur bei den Swissmade-Uhren. Einen Grossteil unserer Produkte beschaffen wir in US-Dollar und verkaufen in Euro. Mit dem aktuellen Euro-Kurs leidet natürlich die Marge. Wir sind aber in bester Gesellschaft, es geht allen vergleichbaren Marken so. 

Martin Frey, Chef von Fossil Europa

Martin Frey, Chef von Fossil Europa

Inwiefern ist die Euroschwäche für Fossil problematisch?

Wie erwähnt, der schwache Euro ist eine Herausforderung. Primär für die in Asien hergestellten Uhren, welche wir in US-Dollar beschaffen und dann in Euro verkaufen. Die Swissmade-Uhren sind davon weniger stark betroffen, denn der Grossteil unserer Exporte geht in den asiatischen Markt und wird in US-Dollar kalkuliert. Der US-Dollar ist aktuell sogar stärker als vor einem Jahr, was uns natürlich entgegenkommt.

Haben die Währungsprobleme irgendwelche Auswirkungen auf den Sitz in Basel?

Im Vergleich zu den umliegenden Ländern ist der Standort über Nacht rund 10 Prozent teurer geworden. Doch der Europasitz kam ja nicht einfach so nach Basel, hinter diesem Entscheid liegen strategische Überlegungen. Klar ist: hier in Basel müssen und werden wir weiterhin kompetitiv und effizient bleiben. Diese Arbeitseinstellung hat unser Team hier in Basel ja schon in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, ich bin daher sehr zuversichtlich.

Müssen Sie Stellenpläne in Basel reduzieren?

Nein. Wir werden natürlich laufend optimieren und unsere Strukturen immer wieder anpassen. In Basel befinden wir uns nach wie vor in einer Aufbau-, aber gleichzeitig auch in einer Konsolidierungsphase. Während wir in einem Bereich straffen, schaffen wir in anderen Abteilungen neue Stellen, wie zum Beispiel im Bereich Finanzen. Unter dem Strich werden wir vielleicht etwas weniger stark wachsen, als wir es vor zwei Jahren noch vorgesehen hatten.

Wie viele Stellen wurden 2014 in Basel aufgebaut?

Wir haben in Basel im letzten Jahr 26 neue Stellen geschaffen, was einem Wachstum von etwas über 10 Prozent entspricht.

Wenn Sie heute entscheiden müssten: Würden Sie noch immer in Basel ausbauen?

Ein ganz klares ‹Ja›. Was hier in Basel und Europa aufgebaut wurde, basiert auf langfristigen Projekten und Planungen. Davon lassen wir uns nicht einfach abbringen, zumal unser Planungshorizont, wie erwähnt, mehrere Jahre beträgt und auf strategischen Überlegungen beruht.

Sind sie mit dem Neubau am Riehenring im Plan?

Ganz leicht voraus, weil der Winter nicht so hart war. Wir werden auf die Baselworld 2016 das Gebäude bezogen haben.

Wo sind ihre Aktivitäten in der Schweiz?

Nebst dem europäischen Hauptsitz in Basel haben wir drei weitere Aktivitäten in der Schweiz. In Biel befindet sich das Design-, Entwicklungs- und Produktionszentrum von Swissmade-Uhren wie zum Beispiel Emporio Armani, Burberry, Tory Burch, Fossil oder Zodiac. In Manno, im Tessin, werden mechanische Uhrwerke hergestellt. Und in Glovelier, im Jura, produzieren wir Uhrengehäuse und -komponenten für unsere Swissmade-Linien. Dort kauften wir 2013 ein Gebäude, das wir in einem ersten Schritt renovierten und erweiterten. Zudem haben wir bereits die Arbeiten für einen Neubau aufgenommen. Auch hier handelt es sich um eine langfristige Investition basierend auf einem strategischen Entscheid: Wir wollen unsere Swissmade-Aktivitäten weiter ausbauen. Dies obwohl das Wachstum des Uhrenmarktes in Asien vielleicht nicht mehr ganz so stark ist. Doch der Asienmarkt bleibt nach wie vor von zentraler Bedeutung für uns.

Wo sehen Sie die Herausforderungen im Markt?

Es sind die Veränderungen im Konsumverhalten wie auch die zunehmende Digitalisierung. Das heisst nicht, dass wir weniger Uhren verkaufen, aber die Absatzkanäle ändern sich klar. Ich selbst kaufe heute auch ganz anders ein, als noch vor ein paar Jahren. Fossil ist diesbezüglich bestens positioniert. Als Konzern verfügen wir über die notwendigen Mittel, um entsprechende Investitionen zu tätigen, beispielsweise in eine noch bessere Omni-Channel-Präsenz und -Strategie. Zusätzlich bleiben die Währungen zweifellos ein Thema, für uns in Europa insbesondere die Euro-US-Dollar-Relation. Das ist auch für den Konzern von grosser Bedeutung, da die Fossil Group rund ein Drittel des Umsatzes in unserer Region tätigt.

In welche Richtung gehen bei Ihnen die Trends? Parfümes?

Nebst den Lizenzmarken sind unsere eigenen Brands wie zum Beispiel Fossil und Skagen im Lifestyle-Segment positioniert. Unser Portfolio besteht aus Uhren, Schmuck, Sonnenbrillen, Ledertaschen und Accessoires; da haben auch Parfüme ihren Platz. Bei der Marke Fossil haben wir letztes Jahr Parfum als Produktkategorie lanciert, wobei wir derzeit noch eine eher selektive Distribution über unsere eigenen Flagship Stores betreiben. Ob das bei Skagen vorangetrieben wird, ist noch offen und natürlich auch etwas abhängig vom Erfolg des Testlaufs mit der Marke Fossil.

Gibt es neue Kooperationen mit Marken?

Wir haben neu eine Lizenz der Marke Kate Spade. Sie ist in Europa noch nicht sehr bekannt. Kate Spade ist ein US-Milliardenunternehmen im Accessoire-Bereich im ähnlichen Produkte- und Preissegment wie wir bei Fossil. Sie führen Kleider, Taschen, aber relativ wenig Uhren. Sie haben festgestellt, dass der Uhrenbereich für sie sehr wichtig ist und expandiert. Das wird für uns mittelfristig ein sehr spannendes Geschäft. In ganz kleinem Rahmen werden wir das Kate Spade auch an der Horburgstrasse während der Baselworld vorstellen. In Europa gross ausgerollt wird erst 2016.

Was macht Fossil zusammen mit Kate Spade?

Die Zusammenarbeit ist dieselbe wie bei allen anderen Lizenzen. Wir übernehmen alle Tätigkeiten von Design und Produktentwicklung über Herstellung bis hin zum weltweiten Vertrieb und dem After Sales Service. Der Designprozess erfolgt selbstverständlich in enger Abstimmung mit Kate Spade New York.

Haben Sie weitere Expansionspläne?

Wir bauen unsere Präsenz in Europa, Mittelost und Afrika weiter aus. Ab Juli 2015 werden wir in Polen mit einer eigenen Niederlassung vertreten sein. Mit den etwas über 30 Mitarbeitenden werden wir den Markt direkt bearbeiten und damit noch besser bedienen können. Bisher waren wir in Polen über einen Distributor vertreten. In Südafrika haben wir zudem soeben die Mehrheit unseres langjährigen Distributionspartners übernommen. Aus Kapstadt werden wir nebst dem südafrikanischen Markt mittels einer Art ‹Sub Hub› die Bearbeitung diverser weiterer Märkte in Afrika vorantreiben. 

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