Fotografie

Fotograf Michel Roggo – der mit dem Bären brummelt

Auf Augenhöhe mit einem Braunbär: Resultat einer Reise Roggos.

Auf Augenhöhe mit einem Braunbär: Resultat einer Reise Roggos.

Der Freiburger Michel Roggo zeigt im Naturhistorischen Museum eindrückliche Fotografien.

Mitte der 1980er-Jahre eröffnete Michel Roggo seiner Frau, er werde jetzt sein Leben ändern. Er war gerade von einer Islandreise zurückgekehrt, wo er ursprünglich Wildlachse fotografieren wollte. Das Wetter hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, also beschloss er, sich einen Nationalpark im Südwesten der Insel anzuschauen, der sich im Grenzbereich zweier tektonischer Platten befindet.

Die Region ist geprägt von riesigen Rissen, die durch die Erde verlaufen. Darunter befinden sich Becken mit kristallklarem Süsswasser, das durch das poröse Lavagestein in den Boden gesickert ist. Roggo nahm seine Vorrichtung, die er für die Lachse gebaut hatte – eine wasserfeste Kamera befestigt an einer langen Stange – und tauchte sie in den breiten Spalt. Als er am Abend die Fotos durchschaute, wusste er: Ab jetzt würde er sein Leben dem Süsswasser widmen. Und was meinte seine Frau dazu? Die ging, kurz nachdem er ihr seinen Plan eröffnet hatte, in den Globus, kaufte ihm Lupe, Kompass und Moleskine-Notizbuch und sagte: Los.

Nische Süsswasser

Rund 30 Jahre später steht Roggo im Naturhistorischen Museum Basel und erzählt in unterhaltsamen Anekdoten, wie es zu den eindrücklichen Fotografien kam, die aktuell in der Ausstellung «Aqua. Fotografien von Michel Roggo» hängen. Vor der Islandreise hatte der damalige Primarlehrer seinen Job an den Nagel gehängt um für Naturzeitschriften wie «GEO» Lachse zu fotografieren.

Der Tag bei den tektonischen Platten in Island aber führte ihn in die Süsswasser-Unterwelt – und damit in eine Nische, die er bis heute fast gänzlich allein bespielt. Unterwasserfotografie werde nämlich hauptsächlich in Salzwasser-Gefilden betrieben. Wieso, versteht Roggo nicht. Für ihn war es die optimale Entscheidung – heute gilt der freundliche Freiburger als internationaler Spezialist auf seinem Feld.

Was ihn auszeichnet, wird beim Besuch der Ausstellung sofort klar. Zu sehen ist eine Auswahl aus seinem «Freshwater Project», mit dem er 2010 startete, um auf die bedrohten aquatischen Lebensräume aufmerksam zu machen.

Über Antarktis und Donaudelta

Von heiligen Quellen in Neuseeland (Roggo musste tagelang mit den Maori diskutieren, um dort fotografieren zu dürfen), über die Iguazú-Wasserfälle zwischen Argentinien und Brasilien, bis hin zum Mount Terror in der Antarktis und dem Donaudelta in Rumänien – die eindrücklichen Fotografien offenbaren nicht nur kaum gesehene Welten, sie zeugen auch von einer grossen Vielfalt, die vielerorts durch den Klimawandel bedroht ist.

Auch dazu hat Roggo eine Geschichte: 2013 fotografierte er einen Gletschersee beim Gornergletscher südöstlich von Zermatt – unter anderem weil dort auf dem Grund Sahara-Sand zu sehen ist, den Stürme hinauf getragen haben. Heute – knapp sechs Jahre später – gibt es den See bereits nicht mehr.

Es sind bedenkenswerte Tatsachen, vor die uns Roggo hier stellt. Seine Fotografien sollen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur auffordern.

Und sie sind reich an Anekdoten: In Russland verbrachte er einmal fünf Tage mit einem Braunbären auf Lachsjagd. Nach anfänglicher Skepsis habe ihn der Bär akzeptiert und Roggo konnte in fast unmittelbarer Nähe Aufnahmen machen. Wie er das geschafft hat? «Ich habe mit ihm auf Senslerdeutsch gebrummelt.» Er lacht und blickt auf eine Aufnahme, in der der Braunbär direkt in die Kamera blickt. «Es wurde zu einer Geschichte zwischen zwei alten Männchen.»

   

Aqua. Fotografien von Michel Roggo Naturhistorisches Museum Basel,
Vernissage: Donnerstag, 28. März, 18.30 Uhr.

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