Illegale Migration

Fragwürdige Medienarbeit der Weiler Polizei: Soll nur die Schaffung neuer Stellen legitimiert werden?

Die Polizei rückt sich mit ihrer Kommunikationsstrategie ins Zwielicht.

Im ersten Halbjahr 2018 hat die Bundespolizei in Weil (DE) mehr Meldungen zum Thema illegale Migration veröffentlicht als im gesamten Freistaat Bayern. Das zeigt eine Recherche der «Badischen Zeitung». Die Anzahl illegal eingereisten Menschen sinkt, die Anzahl der Meldungen steigt. Soll damit nur die Stellenaufstockung der Polizei gerechtfertigt werden?

Flüchtlinge, die im 8er bequem nach Weil einreisen, sich in Lastwagen verstecken oder beim Versuch auf einem Güterwaggon ins Land zu kommen, ihr Leben riskieren. Immer wieder kam in den letzten Monaten die schweizerisch-deutsche Grenze in der Region als Hotspot der Migrationswelle in die Schlagzeilen.

Das Bild stimmt allerdings nur bedingt, wie nun eine datenjournalistische Recherche der «Badischen Zeitung» nahelegt: Die deutsche Bundespolizei in Weil am Rhein hat nämlich im ersten Halbjahr 2018 fast viermal so viele Pressemitteilungen zum Thema illegale Einreisen veröffentlicht wie zum Höhepunkt der Flüchtlingswelle vor zwei Jahren.

Die «Badische Zeitung» hatte über 28 000 Polizeimeldungen aus ganz Deutschland ausgewertet. Die Resultate lassen aufhorchen: Obwohl die Zahl der Menschen, die unerlaubt aus der Schweiz nach Deutschland eingereist sind, im Vergleich zum Vorjahr um über einen Viertel abgenommen hat, stieg die Anzahl Pressemitteilungen zu diesem Thema stark.

Die Medienarbeit kann für Probleme sorgen — und wirft Fragen auf

Über 40 Prozent aller Meldungen der Weiler Polizeistelle befassten sich mit illegaler Migration.
Die Analyse der zeigt unter anderem: Im ersten Halbjahr 2018 hat die Bundespolizei in Weil mehr Meldungen zum Thema veröffentlicht als im gesamten Freistaat Bayern.

Und das, obwohl dort in diesem Zeitraum im direkten Vergleich fast sechsmal so viele unerlaubte Einreisen registriert wurden. Die deutsch-österreichische Grenze ist seit längerem deutlich stärker im Fokus als die schweizerische. Unter dem Strich stammten fast ein Drittel aller Meldungen der gesamten Bundespolizei zum Thema von der Weiler Polizei.

Mit einer Erklärung tut sich die Bundespolizei schwer: Anfangs begründete eine Sprecherin das Phänomen auf Anfrage der «Badischen Zeitung» mit einer Häufung von Fällen. Als sie darauf hingewiesen, dass dies nachweislich nicht stimme, erklärte sie: «Die Anzahl der Pressemitteilungen wurde dem öffentlichen Interesse angepasst.»

Die widersprüchliche Kommunikationsstrategie der Bundespolizei ist nicht unproblematisch. Einerseits kann sich eine unverhältnismässige Berichterstattung auf das unmittelbare Sicherheitsgefühl der Bevölkerung auswirken. Andererseits wirft die «Badische Zeitung» die Frage auf, ob durch die schlagartig angestiegenen Meldungen die Schaffung neuer Stellen bei der Bundespolizei legitimiert werden soll.

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