«Iss, Basel, iss»

Frank Lorenz braucht einen Kaffee – am besten einen Galão mit Blick auf den Rhein

Kaffekultur in Basel. bz-Kolumnist Frank Lorenz besucht das Café Vonlanthen, blickt auf den Rhein und sinniert über Geschmack. Besonders der Galão hat es ihm angetan.

Kaffee wird heute zelebriert wie Wein. Liebhaber verkosten ihn wie früher den Wein, beschreiben ihn in den blumigsten Formulierungen und überbieten sich im Wissen um Herkunft, Mischung und Zubereitung. Aus der Zubereitung ist eine Fachkunst geworden und die Profession dazu heisst Barista.

Eine Spitzenkraft dieses Faches ist Sylvia Vonlanthen (37), die mit ihrem Schatz Yves (36) auf Anfang Januar das Café Vonlanthen am Totentanz in Basel eröffnet hat. Sylvia eroberte letztes Jahr übrigens den sechsten Platz bei der Barista-Meisterschaft.

Die gelernte Köchin bereitet im heimelig eingerichteten Laden mit Rheinblick (!) ihren Signature-Kaffee auf vier verschiedene Arten zu: Uns allen bestens bekannt sind die Zubereitungen Espresso, Capuccino und Milchkaffee.

Der Galão

Im Café Vonlanthen gibt es eine in Basel und Umgebung wahrscheinlich einzigartige Zubereitungsart: den aus Portugal stammenden Galão. Dafür nimmt Sylvia eine Espresso-Portion, zuckert sie mit Rohrzucker und mischt sie in heisse Milch bevor sie die Mischung dann aufschäumt.

Ich nippe, nehme einen ganzen Mund voll und schmecke eine eigentliche Geschmacks-Vervielfältigung: Die Wärme und die Milcharomen potenzieren die Geschmacksaspekte des schwarzen Extraktes – würzig, röstig, weizig, dunkel, süss, sauer – um ein Vielfaches.

Das Café Vonlanthen hat moderate Preise im unteren Mittelfeld der Kaffee-Hochpreisstadt Basel: Dreineunzig für den Espresso und vierneunzig für die aufwendig hergestellte Spezialität Galão. 

V1 ist eine eigene Kaffee-Mischung

Signature-Kaffee ist übrigens nicht übertrieben: Sylvia hat aus Bohnen der Länder Brasilien, Äthiopien und Uganda ihre ureigne Mischung "V1" (für „Vonlanthen“) kreiert. Sie lässt diese in der «Kaffemacher»-Rösterei in Münchenstein bei Benjamin Hohlmann cafizieren. (Zugegeben, letzteres Wort habe ich gerade erfunden, um die Analogie zum Wein noch etwas mehr hervorzuheben).

Orangensaft mit einer Crema

Weitere Besonderheiten des Hauses sind ein Orangensaft mit einer Crema oben drauf und die mallorkinische Spezialität "Pan amb Oli", ein Sauerteigbrot mit Olivenöl, Balsamico und Aioli. Letztere ist nahrhaft und aromatisch! Auch Stammhalter Luc liebt dieses Gericht sichtlich.

Familienbetrieb

Partner Yves kommt aus dem Management und der Logistik: Er ist der Mann der Zahlen und er ergänzt Sylvia perfekt als Gastgeber.

Und um das grafische Erscheinungsbild des Café Vonlanthen kümmert sich die kreativ begnadete Nonna Jacquie.

Alles in allem ein Familienbetrieb, der beim Publikum ankommt. Es herrschen Charme und hohe Kaffeekultur ohne Dünkel. Es geht hoch zu und her: Bestellungen aufnehmen, Geschirr abräumen, Rechnungen einkassieren. Und natürlich immer wieder: Kaffee zubereiten. Dann folgt ein Danggschön-Adjee! 

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