Theater Basel

«Frankenstein» feiert heute Abend im Schauspielhaus Basel Premiere

Regisseur Philipp Stölzl verspricht einen sinnlichen Theaterabend, getaucht in die Atmosphäre von Johann Heinrich Füsslis «Nachtmahr».

Das Monster, eine von Menschen bewegte Puppe, rückt ins Zentrum.

Regisseur Philipp Stölzl verspricht einen sinnlichen Theaterabend, getaucht in die Atmosphäre von Johann Heinrich Füsslis «Nachtmahr».

Das Theater Basel eröffnet heute seine Schauspielsaison mit einer eigenen Bühnenadaption des Gruselklassikers «Frankenstein». Philipp Stölzl will mit den Zaubermitteln des Theaters das Stück als sinnliche Geschichte erzählen.

Wenn wir die Augen schliessen und an «Frankenstein» denken, was sehen wir dann vor uns? Den bleichen Quadratschädel Boris Karloffs als Frankensteins Monster in der Verfilmung von 1931. Vielleicht weicht dieses überpräsente Bild bald einem neuen – wenigstens in Basler Köpfen. Denn der Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl, vor allem für seine Kinofilme bekannt, hat Mary Shelleys Roman «Frankenstein» für das Theater Basel adaptiert. Ins Zentrum rückt er das Monster, in Form einer 2,5 Meter grossen, von Menschen bewegten Puppe.

«Wir legen den Fokus auf das Monster, das war ein Grundentscheid», erzählt Stölzl im Gespräch. Das Stück wird mit dessen ersten Schritten auf der Welt beginnen, sodass die Zuschauer «empathisch mit dieser Kreatur mitfühlen.» Das ist von Shelley so angelegt: «Das Monster ist zu weiten Teilen getrieben von der Suche nach Liebe. Aber alle fürchten es, weil es so grausig aussieht.» Das «Zurückweichen vor dem Fremden», die «Angst vor dem Anderen» hat Stölzl in der Fülle des Stoffs besonders interessiert. «Unsere Zeit ist stark geprägt davon.»

Der heutige Optimierungswahn – immer besser und immer mehr. Künstliche Intelligenz und Gentechnologie. Naturwissenschaften und Ethik. Der ehrgeizige Mensch, der sich über Gott hinwegsetzt und dafür bestraft wird. Der Schöpfer und sein Geschöpf. Victor Frankenstein als schizophrener Mensch, der den monströsen Teil seines Ichs abspaltet. All das und mehr steckt im Roman; es schwinge auch im Stück mit, versichert Stölzl. «Aber ich möchte die Aktualität nicht mit dem Brecheisen reinhauen.»

Was der Stoff den Zuschauern in einem höheren Sinn sage, soll über die Geschichte erfahrbar sein. Forcierten Aktualitätsbezügen zöge Stölzl ein neues Stück vor, zum Beispiel direkt über die Gentechnologie. «Am schönsten finde ich, wenn im Theater eine Geschichte erzählt wird, in die man auch als 13-Jähriger sitzen kann – und mitkommt.»

Romantischer Grusel

Der Filmklassiker – «fast ein Kindheitstrauma» – hat Stölzl als Buben über Jahre beschäftigt. «Ich hab ihn mir gegen den Willen meines Vaters zu früh angeschaut». Der Originalroman von 1818 hat ihn schon als Teenager fasziniert. «Es ist ein tolles Stück Literatur – dicht, rätselhaft, sehr emotional und zugleich unfassbar modern.» Victor Frankenstein, der Schöpfer des Monsters, trage Züge des dünnhäutigen, zu Gefühlsexzessen neigenden Werthers ebenso wie eines Kafka-Helden.

In seiner mit dem Komponisten Jan Dvorák entwickelten Bühnenfassung mischt Stölzl Prosa mit Dialogen, Schauspiel mit Musik. Man wird spüren, dass er vom Film herkommt: «Es wird sehr filmisch, mit 26 kurzen Szenen im Wechsel.» Und, wie oft im Kino, soll die Musik die Emotionen überhöhen. «Das ist sonst fast ein wenig verpönt im Theater», sagt Stölzl: «Aber wir machen das alles trotzdem.»

Dieser Basler «Frankenstein» soll ein Abend werden «mit viel Theater-Sinnlichkeit», «mit all seinen äusseren Zaubermitteln». «Märchenhaft, düster, fabulierlustig.» Denn 1818, vor der modernen Medizin, vor Darwin, vor Freud, habe die erst 19-jährige Mary Shelley bis heute Hochaktuelles «mehr erahnt als gewusst». Stölzl verspricht gruslig-düstere Romantik; er will den Stoff «nicht im knallharten Licht des Laboratoriums zeigen, sondern im Funzel der Petroleumlampe.»

«Frankenstein» feiert heute Abend im Schauspielhaus Basel Premiere. Danach läuft das Stück mehrere Male pro Woche en bloc bis zum 17. Oktober.
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