Fessenheim

Frankreichs Regierung schafft Posten eines «Monsieur Fessenheim»

Das französische AKW Fessenheim.

Das französische AKW Fessenheim.

Die sozialistische Regierung in Frankreich hat den Posten eines «Monsieur Fessenheim» geschaffen. Der Koordinator ist laut einem Dekret von Mittwoch für die Stilllegung des störanfälligen Atomkraftwerks nahe der Schweizer und der deutschen Grenze zuständig.

Der Koordinator soll zudem die geplante Umstrukturierung des AKW-Standortes am Rhein vorbereiten. Dabei soll er mit der französischen Behörde für Atomaufsicht ASN und dem Stromerzeuger EDF zusammenarbeiten.

Ziel ist gemäss dem im Amtsblatt veröffentlichen Dekret eine "Vereinbarung über die juristischen, technischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen" der Stilllegung des AKW im Elsass. Auch die technischen Einzelheiten - etwa zum Umgang mit dem radioaktiv verseuchten Abbruchmaterial - sollen geregelt werden.

Der Koordinator soll ausloten, inwieweit der Stromerzeuger EDF sich an einem Zukunftsprojekt in Fessenheim beteiligen kann, das die Arbeitsplätze sichert.

Breiter Widerstand

Die angekündigte Schliessung stösst bei den Gewerkschaften, aber auch bei Teilen der Bevölkerung in der kleinen Ortschaft auf Widerstand. Auch der Betreiber EDF wehrt sich gegen die Entscheidung und fordert im Falle einer Schliessung Entschädigung.

Das Atomkraftwerk beschäftigt derzeit an die 800 Mitarbeiter des französischen Stromerzeugers EDF sowie rund 250 externe Angestellte.

Die französische Energieministerin Delphine Batho hatte vor einer Woche angekündigt, als Koordinator solle der Ingenieur Francis Rol-Tanguy beauftragt werden.

Der 59-Jährige war Ende der 90er Jahre Kabinettschef des damaligen kommunistischen Verkehrsministers Jean-Claude Gayssot. Anschliessend arbeitete er drei Jahre als Direktor für den Güterverkehr bei der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF.

Das AKW Fessenheim besteht aus zwei Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von jeweils 900 Megawatt. Das älteste französische AKW ist seit 1977 in Betrieb und liegt etwa 35 Kilometer von Basel entfernt. Seit Jahren sorgt die Anlage im Elsass durch Pannen und Störfälle für Schlagzeilen.

Der französische Präsident François Hollande hatte im September die Stilllegung des Meilers bis Ende 2016 angekündigt. Atomkraftgegner in Frankreich, Deutschland und der Schweiz kritisieren die Frist als zu lang.

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